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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-09 · Heft 37 (9.9.1850) · p. Seite 513

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 37 (9.9.1850)
Date
1850-09-09
Page
Seite 513 (sequence 5)
Language
German
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513 *.u I Fall, so wäre die Individualität absolut, denn die Anlagen sind eben vom Menschen als Solche nicht abhängig. <A. Wie entscheiden wir aber diese schwierige Frage? D. Dadurch, daß wir Zusehen, was die Anlagen an sich überhaupt für eine Bedeutung haben. Sind sie für den Menschen entscheidend? A. Nein, denn einerseits können sie unentwickelt bleiben, andrerseits kann die Entwickelung sie vielfach ersetzen, drittens kann diese sie völlig umgestalten. Eine schlechte Gedachtnißanlage kann zu großer Kraft ausgebildet, eine gute vernachlässigt werden; ein hitziger Mensch kann sich selbst beherrschen lernen, ein phlegmatischer leidenschaftlich werden. §}. Dann ist die Entwickelung jedenfalls die überwiegende Schöpferin der Individualität. Merken wir uns dies, wir müssen darauf noch einmal zurückkommen. Welche sind aber die hauptsächlichsten Faktoren der Entwickelung? «A. Zuerst möchte ich das Beispiel nennen. D. Auch ich, doch glaube ich, daß wir da dieses Wort im weitesten Sinne nehmen müssen; Beispiel durch Lhat und Wort, also auch durch Schrift. Die Belehrung durch Eltern, Lehrer und Andere ist nur in Wort gekleidetes Beispiel. A. Dann die Verhältnisse und Verhängnisse des Menschen. §5. Sicherlich, denn durch diese wird die Einwirkung des Beispiels vielfach bedingt. A. Und endlich der Mensch selbst, indem er von innen heraus auf sich wirkt, theils unbewußt im Kampfe der verschiedenen Triebe und Leidenschaften, rheils bewußt durch den Verstand. §}. Welchem dieser drei Momente werden Sie nun in der Entwickelung die Hauptbedeutung zuerkennen? A. Doch wol dem ersten, weil das dritte erst am Spatesten, das zweite später, das erste am Frühesten, und da am Nachhaltigsten wirkt. Wenn wir also von den Menschen, mit denen der Mensch in Berührung kömmt, (und zwar in That, Wort und Schrift,) die wesentlichste Einwirkung erwarten, so müssen wir in Erwägung ziehen, daß diese Menschen im Augenblicke ihres Einwirkens eben das schon sind und haben, wodurch sie einwirken; es ist schon eine erreichte, früher dagewesene Stufe, weil sie sonst auf die sich erst entwickelnde nicht wirken könnte, die wir darum als geschichtlich bezeichnen können, wenn auch im weitern Sinne dieses Wortes, geschichtlich d. h. geschehen. A. Dl S können wir um so mehr, als sich die Individualität der, auf den sich entwickelnden Menschen einwirkenden Pacftnen doch wieder auf dieselbe Weise, also durch frühen' und andere Menschen entwickelt hatte. A. Sel^r gut. Wir erkennen hieraus überhaupt, daß die Entmckelung des einzelnen Menschen wie eine Abzweigung 'Ui Entwickelung aller Menschen ist, weil jene hauptsächlich durch Andere gefördert wird, die durch Andere, Friere wieder dahin gekommen waren. Wir müssen also die Individualität als ein Produkt hauptsächlich der geschichtlichen Einwirkung ansehen, allein ganz allein dieser vöch nicht? A. Dass haben wir ja schon ausgesprochen, indem wir die Eirmerkung der Verhältnisse und Schicksale und des Menschen auf sich immer noch als bedeutend ansahen. K. Die Verhältnisse des Menschen, soweit sie eben Einwirkung hnben, machen seine Gegenwart aus, und stehen so dm: Beispiel gegenüber als dem geschichtlichen Momente. Die Schicksale werden uns nur die bedeutenderen Vekaimderungen, welche in jenen Verhältnissen Vorgehen, bezeichnen. <A. Ga«^ recht. D. Anderseits wirken die Verhältnisse doch auch nur von außen der, und werden so, mit dem Beispiel, der Wirkung desMenschen auf sich selbst, also der von innen her, gegLMÜberstehen. <Ä. Ist diese letztere Unterscheidung von Wichtigkeit? D. AlleMngs, wie es mir scheint. Denn je mehr die Jndividmlität Produkt des Außens ist, desto fraglicher wird Pre Autorität sein. Machen wir uns aber deutlich, worin die Selbstwirkung des Menschen auf sich besteht. A. Ich denke sie mir als eine unbewußte und eine bewußte D. Entwickeln wir uns dies ein Wenig weiter. Die mrrbewußte Selbstentwickelung scheint mir wieder eine zwiefache; zuerst die Entwickelung der geistigen Kräfte an sich, welche durch ihre Thatigkeit an Kraft gewinnen. WZHrend eine Maschine durch ihre Thätigkeit abläuft und such verbraucht, gewinnt die geistige Kraft durch ThätiMt an Mächtigkeit. Es ist dies ebenso mit der Denkkrast rund den mit dieser im Zusammenhänge stehenden Kräfte, wie mit den Gefühlen der Fall, die durch Thatigkeilt theils leidenschaftlicher, theils feiner, zarter werden, je nach ihrer Richtung. Zweitens die Entwickelung, welche der Geist in sich auf jeden Anstoß von JL

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