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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-09 · Heft 37 (9.9.1850) · p. Seite 512

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 37 (9.9.1850)
Date
1850-09-09
Page
Seite 512 (sequence 4)
Language
German
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512 <Ä. Ich sehe darin keinen Unterschied. K. Ich einen himmelweiten. Lassen Sie uns näher zuschen. Worin liegt es denn, daß jeder Mensch Individualität besitzt? Fragen Sie einmal Jemanden, der viel mit Pferden umgeht, und er wird Ihnen sagen, daß zwischen Pferd und Pferd ein himmelweiter Unterschied ist, und zwar zwischen Pferd und Pferd derselben Race; nicht blos die Farbe und Gestalt, ja nicht blos die Kraft und Schnelligkeit der Pferde bilden eine unendliche Reihe von Verschiedenheiten, sondern auch das Temperament; das eine ist feurig, das andere trage, das eine furchtsam, das andere muthig, das eine tückisch, das andere zuthulich, sanft, verläßlich. Fragen Sie einen Hirten, einen Landmann, und er wird Ihnen bei allen seinem Vieh dieselbe Antwort geben. Sagen Sie nicht, das sei blos bei zahmen Thieren der Fall; so wenig wie wir Beide ein Auge für die individuellen Verschiedenheiten eines Pferdes und Rindes haben, und diese dennoch vorhanden sind: so wenig haben ungleich Mehrere ein Auge für die der anderen Thiere; ein Jager wird sie schon bei dem Wild unserer Gegenden eher kennen; warum nicht also auch bei den übrigen Thieren? <31. So leugnen Sie überhaupt meinen Grundsatz? Durchaus nicht, Sie werden gleich sehen, worauf ich hinaus will. Sie sagten von Anfang an, daß die Thiere, selbst der höchsten Arten, nur unbedeutende äußerliche Verschiedenheiten haben, der Mensch aber tief innerliche. Nehmen Sie den Menschen von seiner thierischen Seite, d. h. von seiner körperlichen, so haben sie auch nur Verschiedenheiten der gedachten Art. Der Mensch steht also hier ganz auf derselben Stufe, wie die übrigen Thiere. Die wahre Individualität aber liegt beim Menschen in seinem Geiste; da ist es, wo er eine unendliche Stufenfolge von wesentlichen Verschiedenheiten entfaltet; da ist es, wo Moses und der Indianer, Newton und der Zigeuner, Fenelon und ein Bewohner des Bagno sich wie zwei Pole gegenüberstehen, mit ebenso unendlich vielen Graden dazwischen. Wir kommen daher zu dem Schlüsse, daß die wahre Verschiedenheit des Menschen von den Thieren in seinem Geiste liegt, daß also der Geist das charakteristische Wesen des Menschen ist, welcher die Individualität als ein charakteristisches Zeichen des Menschen in seinem Gefolge Hai, weil die sonst schon vorhandene Individualität im Geiste erst ihre Bedeutung gewinnt. A. Was ist aber damit gegen die Vollgiltigkeit der Individualität gewonnen? D. Sehr viel. Denn wenn diese Individualität nur eine Eigenschaft ist, die am Geiste haftet, so kommen wir zur Frage, welche Bedeutung sie habe für diesen, und wie sie entsteht an diesem; wahrend, wenn sie das Wesen selbst wäre, Ihre Behauptung von der Vollgiltigkeit der Individualität schon im Voraus viel für sich hätte. A. Welche Fragen wollen wir nun zunächst in Betracht ziehen? doch wol die über das Entstehen einer bestimmten Individualität im Menschen? K. Sicher diese; und da scheint mir sehr wichtig zu bestimmen, wann sie im Menschen entsteht? <Ä. Warum dieses? D. Weil daraus zunächst hervorgehen wird, ob die Individualität, die im Allgemeinen absolut, d. h. unvermeidlich, ja durchaus Bedingung des menschlichen Geisteslebens ist, auch im Besondern absolut, d. h. in ihrer bestimmten Besonderheit durchaus so sein muß, wie sie ist, also gar nicht vom Menschen abhängt. A. Und was würde uns dies nützen? D. Weil, wenn sie auch im Besondern absolut wäre, sie allerdings die unumschränkte Herrscherin des Menschen sein müßte. A. Und wann denken Sie, entsteht die Individualität? D. Entsteht sie im Manne, oder im Kinde? A. Im Manne wol nicht, denn der Mann hat ja schon die Individualität, und zwar in ihrer bedeutendsten Ausbildung. A. Aber auch im Kinde kann man nicht geradezu sagen, denn das hat sie noch nicht ausgebildet. A. Dennoch muß in diesem Falle das Kind schon Etwas davon haben. A. Was verstehen wir aber hier unter Kind? <A. Wissen wir das nicht, so müssen wir auf das früheste Kindesalter zurückgehen, und sehen, ob da schon gewisse Zeichen der Individualität sich kund geben. A. Das möchte ich auch behaupten. Sobald nur das Kind den geringsten Grad von Willenskraft und Selbstständigkeit erreicht hat, äußert und verhalt es sich zu den Dingen auf ganz verschiedene Weise von anderen Kindern. <A. Aus allem diesem ergäbe sich, daß die Individualität eine Entwickelung hat, aber auch besondere Anlagen in Geist und Körper dazu vorft'ndet. P. Ganz richtig; dann aber fragt es sich, ob diese Anlagen das Wesentlichste bei der Individualität ausmachen, oder die Entwickelung? Ware das Erstere der

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