Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1850)
- Date
- 1850-09-09
- Page
- Seite 511 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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511 Darum, meine Herren, wenn Sie den Völkern zurufen: „Frieden um jeden Preis!" und wenn Sie deshalb in den ersten Beschluß, Ln Betreff der Abstellung des Krieges überhaupt, selbst Nichts vom Vertheidigungskriege sür's Vaterland ausgenommen haben, weil, wie allerdings zugegeben werden muß, die Grenzen deffelben schwer zu bestimmen waren, so rufen die Völker Ihnen zu: „die stehenden Heere weg um jeden Preis!" Auch hier wird jede Verklauselung dem Prinzipe Eintrag thun und die stehenden Heere zum einen Thore hinaus, zum andern wieder hereinlaffen. Die Idee muß daher auch hier als eine ganze aus unserm Haupte hervortreten. Sprechen wir unfern vollenGlauben aus, daß die Zeit nicht ferne sei, in welcher die Verheißung der alten Seher, „das Schwert werde zur Pflugschaar ungeschmiedet werden", in die Wirklichkeit trete. Wirken wir dahin, daß die kräftigen Söhne der Völker das Eisen, statt es müßig auf dem Rücken zu tragen, arbeitsam Ln die Hand nehmen; daß sie es benützen, das Mark der Erde zu gewinnen, anstatt das Mark der Völker zu verzehren; daß sie es nicht mehr als wüthendes Thier aussenden, das Menschen verzehrt, sondern das Brod damit aus der Erde schaffen, das Menschenherzen nährt. Und reicht der europäische Boden nicht hin, um die Millionen Hände zu beschäftigen, die sich vom zerstörenden Kriege zum belebenden Frieden wenden — nicht wahr, ihr Söhne Nordamerika's, die ihr schon so Vielen meiner verfolgten Landsleute eine Zuflucht, schon so Vielen meiner geknechteten Glaubensbrüder die Freiheit gegeben, nicht wahr, in euerm köstlichen Lande ist Raum, Raum weit und genug, um mit den Waffen des Friedens den Segen Gottes der Erde abzugewrnnen? Und unsere Krieger? — Hoffen wir zu Gott, daß auch sie bald von diesem großen Gedanken erfaßt werden, daß auch sie einsehen werden, wo die heiligere Pflicht liege, nämlich bei der Sache des Friedens, nicht bei der des Krieges! Und unsere Regierungen? — Für sie würde ein Jesaias in unseren Tagen sich noch eines andern Bildes bedienen; er würde sagen: statt aus dem Eisen Schwerter zu schmieden, die Völker zu trennen, macht Eisenbahnschienen daraus, um die Nationen zu verbinden. Das Eisen, das lange die Völker geschieden, Bahn' heilige Wege zu Lieb' und Frieden! Ja, meine Herren, ich kann nie einen Dampfwagen dahin brausen sehen, mit seiner Wolkensäule bei Tage und seiner Feuersäute bei Nacht, ohne mit schauervoller Freude an jene wundervolle Wolken- und Feuersaule zu denken, welche einst dem befreiten Volke Israel in's Land der Verheißung voranzog. Unsere alten Lehrer sagen, jene Säule wich keinem Hindernisse aus; Berge wurden vor ihr geebnet, Felsen wie Spreu hinweggehoben. So wird auch unser Zug zum Lande des verheißenen Weltfriedens gelingen, Gott zieht uns voran, alle Hindernisse müssen weichen! — Und nie kann ich jene wundervollen Dräthe sehen, welche die Worte der Menschen auf ihren Schwingen dahin tragen, ohne entzückt zu fühlen, daß ein elektrischer Strom durch alle Menschenherzen gehe, daß wir von demselben magischen Bande der Liebe umschlungen seien, welches von Menschen zu Menschen und von Volk zu Volk die erschütternden Bewegungen der Gegenwart fortpflanzt. Der Geist der Zeit aber ist es, welcher jeden blitzenden Gedanken schnell durch alle Welt tragt. Von diesem Geiste der Zeit, einem Boten Gottes, gelte jenes Wort, das einst auf den großen Mitbefreier Nordamerika's gesagt wurde: Eripuit coelo fulmen sceptrum tyrannis. Er entwand den Höhen den Blitz, Tyrannen das Szepter. Leopold Stein. Geschichte und Vernunft. Ein Gespräch. (Fortsetzung aus No. 35.) D. Was schließen Sie aber hieraus? <A. Wenn die Individualität das charakteristische Wesen des Menschen ausmacht, was, beiläufig gesagt, auch der beste Beweis für seine Unsterblichkeit ist, so kann man auch nicht leugnen, daß diese Individualität voll berechtgt und für den Menschen selbst, ich möchte sagen, Gesetzgeber, ja einziger Maßstab, wenn nicht Richtschnur ist. p. Halt, da haben Sie ja die Meinung unserer Gegner ein ganz gerüttelt volles Maß ausgesprochen. Ich möchte aber dieser Ansicht, die zu unabsehbaren Konsequenzen führt, doch ein Etwas entgegnen. A. Nun, ich höre. K. Zuerst scheinen Sie mir Wesen und Zeichen zu verwechseln. Daß jeder Mensch seine Individualität besitzt, während die anderen Geschöpfe in allen Exemplaren der Gattung oder Art einander gleich sind, könnte nur ein charakteristisches Zeichen sein, das Wesen muß jedenfalls in dem Inhalte dieser Individualität liegen.