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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-02 · Heft 36 (2.9.1850) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 36 (2.9.1850)
Date
1850-09-02
Page
Seite 501 (sequence 5)
Language
German
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501 Oft sah man den schwachen, mit beständigen Arbeiten belasteten Mann, drei bis vier Mal des Tages in die Schule gehen. Die Schule, pflegte er zu sagen, soll uns eine neue Gemeinde für den Tempel erziehen. Der Einzige, der den Herrn Kohn würdig zu vertreten weiß, ist unser junger trefflicher und strebsamer Direktor Herr Dr. Bernhard Sternberg, ein Mann, der bei seinen Rechtsstudien, sich auch im Schulfache trefflich ausgebildet, und bei seinen angeborenen Talenten ganz im Geiste Kohns fortwirkt und strebt, und hiedurch, wie durch die Sanftheit und Milde seines Charakters zum Gedeihen und Fortbestehen unserer Anstalten unendlich viel beiträgt. Ja, was Kohn der vielen Anfeindungen wegen, mit blutigem Schweiße nicht durchsetzen konnte, das geht bei ihm sehr leicht von Statten; denn Herr Kohn durfte nur eine Feder in die Hand nehmen, so waffnete sich gegen ihn der blinde Fanatismus, unzählige Unterschriften wurden gegen ihn zu Petitionen und Vcrleumdungsschriften gesammelt, erkauft und nachgeahmt, und so wurde das beste Streben dieses Mannes vereitelt. Es läßt sich auch wirklich hoffen, daß bei dem unverdrossenen Eifer des Leitungs- und Lehrpersonals unserer Schule, dem, trotz aller Anklagen der Finsterlinge, von Seiten der Behörden die hohe Anerkennung nach abgehaltenen Prüfungen schon oft schriftlich zu Thcil geworden, unsere Schule, die jährlich 800 bis 900 Kinder zählt, für Lemberg ein neues Geschlecht erziehen soll. Wir sehen schon jetzt die Schüler unserer Schule in den weiteren Studien bevorzugt, schon jetzt finden sich viele Handwerkslehrlinge, die ordentlich lesen, schreiben und rechnen können, schon jetzt findet sich in mancher ärmern Familie manche ordentliche Haustochter in bescheidner Sittlichkeit der frühem Erstorbenheit der Gefühle für alles Gute, entrissen. — Mit Recht erkennen es die Meisten, daß unter allen rühmlichen Leistungen des hiesigen Gemeindevorstandes, die Schule und der Tempel als ewige Denkmäler seiner Thaten dastehen; weshalb sich die Schaaren der Finsterniß nur gegen diese waffnen, und nur auf diese die giftigsten Pfeile der Zerstörung entsenden, die aber erfolglos abprallen; denn unsere Behörden durchblickcn das Gewebe des Truges. Erst vor wenigen Monaten wollten unsere Orthodoxen, nachdem sie die ganze deutsche Partei, und besonders den an der Spitze stehenden Vorstand, unter welchem Herr 0r. Blumenfeld das goldne Verdienstkreuz mit der Krone bekam, als lafierhafte Menschen und Barrikadenbauer angeklagt, der Regierung aus purer Vaterlandsliebe (??) den bi ksrgen prachtvollen Tempel zu einer Reitschule 0!) schenknr und den Schulfonds der christlichen Schule zukoniinen lassen; um die arme verwahrloste Jugend hier brr Mittel zur bessern Erziehung zu berauben. Was [>at nicht der Aberglaube aus unseren armen Brüdern gemacht! Wir finden keinen Ausdruck, um diese Unthat gehörig zu bezeichnen. — Auch können wir reicht umhin, noch einen Umstand zu berühren, der unsere Orthodoxen nicht weniger bezeichnet. Wahrend twc ersten Trauerandacht um den sel. Kohn traf ein Stein, wahrscheinlich von einem frommen Gassenjunge»: oder von einem erwachsenen Schurken das Fenstnr an der Morgenseite des Tempels; ein Stein, der uns an den Häuptling der Finsterniß, an den Fahnmrträger der Ignoranz, an den Stein unsers Anstoßies hier erinnerte, der, um sich damals zu freuen, als dis Aufklärung trauerte, in der Zeit der Andacht bei einem Gastmahle mit seinen Konsorten schwelgte, froh! daß Lemberg keinen deutschen Rabbiner hat, noch froher, daß die Dummheit eines bleibenden Aufenthaltes gewärtiget. — Doch nein, meine Lieben! ihr seltst werdet von dem Zeitgeiste mitgerissen; ihr werdet gegen cuern Willen mitgerissen, und meinet ihr aiuh gegen Westen zu ziehen, so kommt ihr dochvorw»nts gegen Osten, bis einst der große Morgen heraninicht, und es Heller Tag in cuern Köpfen wird. Dann werden sie nach den Anstalten fragen, die sie jetzt i» blinder Wuth anfeinden und zerstören möchten. Einst werden sie erstaunt vor den Denkstein treten, den unsre treue Gemeinde dem Andenken unsers erhabenen, für die Wahrheit gefallenen Lehrers im Tempel gewidmet. Dann werden sie cs erkennen, daß man nur den Leichenstein Kohns, und nicht sein Andenke» zerstören konnte; denn solche Männer sind unsterblich. Wien, 20. August. Es erregt hier viel Sensation, daß der k. k. Hauptmann Simon Prüsker zum Platzirmjor von Venedig ernannt ist. Derselbe ist aus Prag zebürtig, Israelit und der Sohn armer Eltern. Ueber seine Biederkeit und militärische Tüchtigkeit herrscht nur eine Stimme. Es dürfte der erste Israelit sein, der es bisher in unsrer Armee zum Stabsoffizier gebracht hat. —. Die Köln. Zeit, läßt sich von hier schreiben:

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