Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1850)
- Date
- 1850-09-02
- Page
- Seite 500 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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500 ist, welches von Seiten des Vorstandes für den Gottesdienst der drei Hauptfeiertage eingerichtet ist, wohingegen die anderweitig angekündigte Vermiethung von Plätzen zum Gottesdienst für Rechnung von einzelnen Privatunternehmern geschieht. Eisenach, 21. August. (Eingesandt.) Durch Zufall kömmt mir erst jetzt No. 30 der Allg. Zeitung des Judenthums zu, in welcher sich ein der Vossischen Zeitung entlehnter Artikel über die Wiedereinführung des deutschen Gottesdienstes bei den jüdischen Gemeinden des Großhcrzogthums Weimar befindet, der einer wesentlichen Berichtigung bedarf. — Das Sachverhältniß ist nämlich Folgendes: Bereits im Jahre 1823, noch vor meiner Anstellung, erschien im Großhcrzogthum Weimar das Gesetz, wornach der Gottesdienst der Juden in deutscher Sprache abgehalten werden solle; später ward jedoch denjenigen Israeliten, welchen hebräische Andachtsübungen noch Bedürfniß, diese in einem gewissen Umfange nachgelassen. Allein nach Promulgation der Grundrechte führten die Orthodoxen den ganz alten hebräischen Gottesdienst wieder ein, ohne auch nur der Regierung eine Notiz davon zu geben, oder sich mit dem Landrabbinate zu benehmen. Inzwischen war das Gesetz über die bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden erschienen, welches jedoch hinsichtlich des Kirchen- und Schulwesens cs bei der bisherigen Gesetzgebung beläßt. Auf den Grund dieser Bestimmung ward nun die Einschärfung jenes seit 1823 bestehenden Gesetzes kürzlich dem Landrabbinate vom Ministerium aufgegebcn. — Jndeß haben sich nun beide Parteien in den Gemeinden dem von dem Landrabbinate bereits im Februar 1848 hinsichtlich der Anwendung des hebräischen und deutschen Elements beim Gottesdienste der Regierung gemachten Vorschläge angeschloffen, und ist auch alle Hoffnung vorhanden, daß diese nunmehr denselben genehmigen werde. Dr. M. Heß, großherzoglich weimarfchcr Landrabbiner. Oesterreichischer Kaiserstaat. Lemberg, 15. August. (Privatmitth.) Heute den l b. August 1850 feierten wir zum zweiten Male den Jahrestag des Todes unsers hochsel. Rabbiners Herrn Abraham Kohn. Um sechs Uhr Abends versammelte sich die ganze deutsche Gemeinde, wie auch unsere Schuljugend zur Trauerandacht in dem festlich geschmückten, trauerumflorten Tempel, um den Verlust dieses Mannes noch einmal zu beweinen. Und von Neuem wurden unsere Wunden aufgerissen, von Neuem füllte sich jedes Auge mit Thränen, um den Mann, der unter seinen Amtskollegen der erste war, der sich in das Land egyptischer Finsterniß als Fackelträger des Lichtes wagte, um den Mann, der ein zweiter Moses um die Befreiung seines Volkes gebeten, und es bei den Größten des Reiches befürwortet, um den Mann endlich, der sein eignes Leben zum Opfer brachte, wie einst Abraham seinen Sohn. Unwillkürlich erinnerte uns dieser Tag an die Worte seiner letzten Predigt: „Euch, meine Brüder, halte ich keiner Mordthat fähig," und doch starb dieser Mann eines so gräßlich gewaltsamen Todes. — Wie ganz anders, o Lemberg! erscheinst du uns jetzt? Jetzt bis du uns nicht mehr die holde Tochter der Galizia; jetzt bist du, was du vor Jahrhunderten gewesen, der Sitz der krassesten Ignoranz, der Aufenthalt des Fanatismus und der abscheulichsten Heuchelei! Jetzt bist du der Wohnort der Zwietracht, die Herberge der Finsterniß und die Feindin des Lichtes. Einst wirst du, o Lemberg, den Verlust dieses Mannes mit glühenden Thränen beweinen; denn was Kohn unserer Gemeinde war, das weiß ein Jeder, was er dem Tempel und der Schule war, das wissen wir, und wasA. Kohn seinem Volke war, das weiß die Welt. — Seit dem Tode Joseph Perls, dessen Leben der Glanzpunkt galizischer Bildung war, der hier zuerst die Morgenröthe der Aufklärung geweckt, verloren wir in A. Kohn den zweiten Mann in Galizien, der seit früher Jugend dem Wohlergehen seiner Brüder sein Leben opferte. Ja, wenn der Himmel ein Volk prüfen will, so nimmt er ihm seine besten Häupter und Führer, je schmerzlicher es ihren Verlust empfindet, desto höher steht es; aber leider ist der Horizont Lembergs noch mit finsteren Wolken umlagert; die Sonne ging unter und Wenige merkten es. Zwar wird Herr Kohn in seinen Funktionen als Prediger und Religionslehrer von Herrn Dr. Löwcnthal einstweilen vertreten, allein cs bleibt uns in jeder Beziehung, und insbesondere was unsere Schule betrifft, noch Manches zu wünschen übrig. Die Schule war das Leben Kohns, das einzige Feld seines Wirkens, und der einzige Schauplatz seiner Hoffnung.