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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-02 · Heft 36 (2.9.1850) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 36 (2.9.1850)
Date
1850-09-02
Page
Seite 502 (sequence 6)
Language
German
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502 Die Analogiecn zu jenen Gesetzen, durch welche dem katholischen Klerus in Oesterreich eine freiere Bewegung eingeraumt wurde, sind in neuester Zeit sogar von den jüdischen Rabbinern auf sich angewendet worden, um sich jene Macht zu vindiziren, welche schon langst nur noch in Uriel Acosta oder ähnlichen literarischen Produktionen lebte. Zn größerer Anzahl sehen wir die bärtigen Gestalten in den Straßen herumschlendern und in den Vorzimmern der Minister zur Zielscheibe der Antichambrewitze werden. Die Bestrebungen dieser Männer liegen uns zu fern, um dieselben verurthcilen zu wollen; aber man sieht doch, daß auch die Rabbiner hierarchische Gelüste haben können. Bemerkenswerth ist übrigens der Umstand, daß in mehreren Landstädten Mährens zwei Bürgermeister fungiren, und zwar ein christlicher und ein jüdischer. —. In Hohenems fand am 14. d. bei der als selbstständig konstituirten Jsraelitengcmeinde der feierliche Wahlakt des Bürgermeisters und der Gemeinderäthe in Anwesenheit des k. k. Bezirkshauptmannes v. Feldkirch statt. Herr Philipp Rosenthal, Fabriksbesitzer, wurde zum Bürgermeister gewählt. —. In Rausnitz bei Brünn mußte sich die Judengasse abgesondert als Gemeinde konstituiren; sie wählte sich auch ihren Bürgermeister. —. Es bestätigt sich, daß der Brand von Krakau einen Schaden von 30 Millionen poln. Gulden verursacht hat und ohne die thatige Beihilfe der Juden sich noch auf weit höher belaufen hätte. Mit größter Aufopferung eilten sie aus ihrem Quartier, wohin sie die Intoleranz ihrer christlichen Mitbürger trotz des §. 1 der Grundrechte noch gebannt hielt, herbei, Wagen, Fässer, Feuerhaken herbeischaffend, und man sah jüdische Knaben von 12 und 14 Jahren unter der Last der zugetragenen Waffereimer niedersinkcn. —. Sowol in Mähren als in Schlesien werden Juden bei den Gemeindewahlen berücksichtigt, und es ergicbt in dieser Hinsicht ein erfreulicher Fortschritt in der Aufklärung. —. Auf Anordnung der Regierung wurde eine Kommission zur Untersuchung der in der Slovokei im Jahre 1848 stattgehabten Plünderung niedergesetzt. Die Kommission entschied, daß der Schaden ersetzt werden müsse. Kaum war diese Entscheidung bekannt, so sandten die Slovaken eine Deputation an die Kommission mit dem Bemerken, daß sie bereit wären Alles zu bezahlen, nur möge man die Juden dazu bewegen, die Slovakei zu verlassen und nach Amsterdam auszuwandern. Prag, 19. August. Der israelitische zinsenfreie Darlehensvercin, welcher seine wohlthatige Wirksamkeit ohne Unterschied der Konfession ausübt, hat zur Feier des gestrigen Tages an sechszehn bedürftige christliche und jüdische Gewerbsleute Darlehen verabfolgt, welche, da der Verein sich durch die in diesem Jahre schon geleisteten zweihundert Darlehen bereits erschöpft hatte, die Vorsteher desselben aus ihrem eigenen Vermögen bestritten. Aus Ungarn, im August. Am 5. d. M. fand, wie der ,,Preßb. Ztg." mitgethcilt wird, in Pesth die Versammlung der Abgeordneten sämmtlichcr Israeliten Ungarns unter dem Vorsitze des Herrn Ministerialkommissärs Koller statt. Die Verhandlung drehte sich um drei Punkte. Erstens wollte man den zu kreirenden Religionsfonds als eine freiwillig niedergelegte Gabe zum Nutzen und Frommen der Mit- und Nachwelt angesehen, und den Namen „Strafkontribution" als entehrend abgeschafft wissen. Herr Koller erklärte sogleich, daß die von der Regierung festgesetzte Million durchaus keine Strafsteuer sei, sondern daß selbe vielmehr den Grund legen sollte, auf welchem man fortbauen könne, um die Juden in bürgerlicher und kirchlicher Beziehung mit den übrigen Konfessionen auf eine gleiche Stufe zu stellen. Nach Beseitigung dieses Skrupels kam man auf die Größe der niederzulegenden Summe zu sprechen, und die Debatte dauerte längere Zeit, da jeder der Anwesenden eindringlich vorstellte, wie sehr seine betreffenden Gemeinden herabgekommen und wie wenig sie im Stande seien, eine große Auflage nach so schweren Jahren zu tragen. Aber die Festigkeit sowol, mit welcher der Herr Ministcrialkommissär auf der einmal festgesetzten Summe bestand, als auch die einsichtsvolle und überzeugende Art, mit welcher Dr. Löblin, der Vertrauensmann aus Ofen, darlegte, wie man bei einem derartigen Fonde an materiellem Interesse gewinnen müsse, wie das Zusammenschießen desselben zwar für den Augenblick etwas hart falle, aber für die nächste Zukunft schon bedeutende Ersparnisse biete, bestimmten das Komitö, einstimmig die Million als Grundfonds festzusetzen, und sogleich auf die Art und Weise überzugehen, wie und nach welchem Zensus derselbe zusammenzubringen

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