Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1850)
- Date
- 1850-09-02
- Page
- Seite 499 (sequence 3)
- Language
- German
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499 tet. Es wurde der Beschluß gefaßt, eine Kommission zu erwählen, welcher Vollmacht zu ertheilen sei, di« nöthigen Schritte zur Herstellung eines bessern Gleichgewichts der finanziellen Verhältnisse zu thun. Also — bis einmal wieder in Hamburg Begeisterung für den Tempel erweckt wird oder von selbst (?) erwacht, wird man Geld geben müssen, das Defizit zu decken. Dreihundert Mitglieder decken leicht zwei- bis dreitausend Mark. Der Tempel geht nicht zu Grunde. Das ist aber wenig, sehr wenig! Ich will hier nicht erörtern, warum Alles so gekommen ist; Sie dürfen mir aber glauben, daß es nur theilweise in den Verhältnissen liegt. Vielleicht wird es bald besser! Die Gemeinde hat sich durchaus geweigert, dem Tempel eine Subsidie zu geben, weil in diesem allgemeinen Provisorium nicht wol das Budget erweitert werden kann. Wenn einmal Alles eine bessere Stellung gewinnt, wird der Tempel auch einen sichern Weg gehen können. Wenn man den Funken weckt und dieser zur Flamme schlägt, soll doch wol auch in Hamburg aus dem Tempelverein eine Gemeinde werden können! Und dahin muß gewirkt werden! Das Provisorium wird sehr lange dauern — soll der Tempel so lange sein Dasein kümmerlich fristen!? Man hat auch den Vorschlag gemacht, sich an den Senat mit der Bitte um Vermittlung zu wenden! Das wird Nichts nützen! Wenn man nicht den Muth hat, etwas Ganzes zu wollen, ihm mit voller Kraft nachzustreben, wird man Nichts erreichen! Man muß die Zeit machen! — Und das wird noch einmal kommen — aber wann? Gewiß, der Tempel hat noch eine Zukunft, so wahr wie er eine ruhmvolle Vergangenheit hat! Wer schasst ihm diese Zukunft? . Senex. Speyer, 18. August. (Privatmitth.) Ich theile Ihnen hier die Abschrift von vier Grabsteinen mit, welche jüngst beim Abreißen einer alten Brücke hier gefunden, und vom Bürgermeister an die israelitische Gemeinde abgegeben wurden: Aus dem Jahre 1190 taisb ipnn a nau isina muss n 'v nnman staib'» a?2 na Nur* nna Aus dem Jahre 1183 na» nap ynst “lüBan •'TwabN “i?2 na nan öv’a ^o-oa n b arapnn ysaa Aus dem Jahre 1317 pnjf' “i «'Sb nasan n-,s IpTrt *'ibr» 'mpi ->a i QT'a napan b Ta» -nsa aaa Aus dem Jahre 1274 barm ->a E)Dv napb ibn yrs mna» a “liasan aasb i b a Di’ •naa inna» Mir erscheint es fraglich, ob die beiden ersten aus dem vorigen, die beiden letzten aus diesem Jahrtausend sind? Wer giebt den Beweis, daß die ersten zwei aus den Jahren 4993 und 4950 sind, können dieselben nicht aus 3993 und 3950 sich herscbreiben? Die Schrift ist auch bei den ersten zwei etwas anders geformt, als bei den letzten zwei. Es sind dies nur halbe Grabsteine, nämlich die obere Hälfte, die untere Hälfte war auf dem Bauplatz nicht zu finden. *) Unser Gottesdienst ist fett Einführung der Orgel so schön, daß unsere ärgsten Widersacher jetzt die größten Verehrer sind, und alle Opposition dagegen hat aufaehört. Unter Leitung unser» Bezirksrabbinen ist unser Gottesdienst so beschaffen, daß er der intelligentesten Gemeinde Ehre machen würde. Berlin, 21. August. Gestern hat auf der jüdischen Gemeindestube in der Rvsenstraße die Vermiethung der Plätze zu der neuen Interims-Synagoge in der Hamburger Straße No. 11 begonnen und wird dieselbe heule und morgen fortgesetzt. Der Andrang dazu war gestern um so bedeutender, als dieses neue Lokal, außer der großen Hauptsynagoge, das einzige *) Es würden dann die Grabsteine aus den Jahren 183 und 190 der christlichen Zeitrechnung sein, was völlig unglaublich. Zunz zur Geschichte und Literatur Bd. I. S. 394 sagt: „Erweislich älter als das eilfte Jahrhundert ist kein gegenwärtig noch vorhandener mit hebräischer Inschrift versehener Leichenstein, und der älteste möchte der vom Jahre 1083 in Worms sein; die Nachrichten von noch alteren in Murviedro, Mainz, Worms, Prag, Wien, unter anderen von Raschi's-Grabstein in Prag, sind unverbürgt oder fabelhaft." Redakt.