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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-26 · Heft 35 (26.8.1850) · p. Seite 494

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 35 (26.8.1850)
Date
1850-08-26
Page
Seite 494 (sequence 14)
Language
German
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494 sammten, oder (nach anderer Lesart) wenigstens der Mehrzahl der Gemeindeglieder eingeholt hatten; während bei den übrigen Tempelbeamten diese umständliche Zustimmung der Gemeindeglieder keinesweges erforderlich war. Doch wie schon so manche gefaßte Idee im Laufe der Zeit als unstatthaft eingesehen und endlich aufgegeben wurde, so ist dieses nach und nach auch mit obiger Ansicht der Fall geworden. Jesus Sirach, mit dem auch eine neue Epoche der israelitischen Medizin beginnt, war Einer der Erleuchteten, welche gegen obige, für das praktische Leben so beschwerliche Ansicht mit allen ihnen zu Gebote stehenden Kräften angekämpft hatten. Derselbe (der nach Einigen sogar selbst ein Arzt gewesen sein soll) empfiehlt daher auch den Arzt, als ein Werkzeug Gottes, dessen Hilfe man sich getrost, ohne im Mindesten Anstoß daran zu nehmen, daß nicht etwa dadurch die göttliche Allmacht gering geschätzt, und man sich so an Gott versündigen würde, bedienen könne. (Vergl. Jes. Sirach 38, 1. ff.) Von den Essäern endlich berichtet uns schon Josephus, daß dieselben sich vorzüglich sehr viel mit der Arzneikunde beschäftigten; weshalb Einige auch die Benennung der Essaer von 8">D8, Arzt, ableiten wollten. So viel ist indessen höchst wahrscheinlich, daß sie ihre Kuren jedenfalls mehr praktisch, als nach irgend einem wissenschaftlichen Systeme betrieben, und daß ihre ganze Medizin blos auf die Kenntniß einiger Heilkräuter und Sympathieen beschränkt gewesen sein müsse. Das Zeitalter unmittelbar vor der Zerstörung Jerusalems durch Titus, als eigentlicher Beginn der sogenannten talmudischen Epoche, so wie auch das der ersten Jahrhunderte nach derselben jedoch, hatte endlich schon nicht wenige wissenschaftlich gebildete israelitische Aerzte aufzuweisen. Der jetzt zum Bewußtsein gekommene Rabbinismus hatte nämlich außer den bereits bestandenen mosaischen Geboten, nun auch eine Masse von Geboten und Verboten, die sich ihm zur Zeit als Umzäunung für jene (maiöi tr*nna) nothwendig herausgestellt hatten, in's Leben gerufen, welche nach den entferntesten Richtungen zu verarbeiten, die ausschließliche Beschäftigung der Talmudisten nun geworden ist. Ja selbst als Jerusalem bereits durch Titus zerstört wurde, und die Israeliten den Kelch des Leidens bis auf die letzte Hefe geleert hatten, ließen sie sich in ihrem begonnenen Streben nicht irre machen, vielmehr klammerten sie sich jetzt, da sie ihr irdisches Streben plötzlich vernichtet sahen, mit wahrer Begeisterung an die Religion und das Gesetz, und hofften dadurch ihre Leiden zu lindern, sich zu trösten, zu stärken und Muth und Ausdauer im Leben zu gewinnen. Die Furcht aber irgend ein solches mosaisches oder rabbinisches Gebot aus irgend einer Realunkenntniß vielleicht übertreten zu müssen, hat schon früh die Talmudisten mit mächtiger Kraft zum Studium der Raturgeschichte und der Anatomie hingerissen, und haben dieselben darin, in Verhältniß zu dem damaligen allgemeinen Standpunkte dieser Wissenschaften, wirklich recht viel geleistet. So erzählt uns der Talmud schon von den Schülern des Rabbi Jsmael ben Elischa (welcher Letztere unmittelbar nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus gestorben ist), daß sie um die inneren Theile des menschlichen Körpers kennen zu lernen, einst eine zum Scheiterhaufen verurtheilte liederliche Weibsperson zerlegt hatten. Deshalb darf man sich auch nicht wundern, wenn in demjenigen Theile des Sohars *), welcher jedenfalls als das älteste Bestandtheil desselben betrachtet werden darf, schon anatomisch-medizinische Kenntnisse angetcoffen werden, die der neueste Bildung wenig nachstehen. Die Jdra-rabba (m-i am«) oder das Stück, welches „die große Versammlung" genannt wird, z. B. enthält nachstehende anatomische Erklärung: *pbbn 'a aanbabiaa nrr'b? ar*sn «»mpi ,iN2 am» insnio« ■p^rn ■pnbnb psm; nw^wp ■»«nb 82ia toa •parasrua 'a ^bari .ibi2i pbrntö ,,ntaiüö bde bra vn« yiram «‘ntao '8Nbi amaö .(Vbp rp "a pbn) •»Vdi “iromi •jüiöBn« aasna bsai „In der Hirnschale sind drei Höhlungen, worin das Gehirn liegt. Es ist von einer dünnen und von einer harten Haut umgeben * 2). Durch 32 Kanäle verbreiten 4) Der Sohar ht-nt), „Lichtglanz", ist bekanntlich ein kabbalistisches Buch, welches dem R. Simon ben Jochoi, der um 140 nach Ehr. lebte, zugeschrkeben wird. Es enthält eine tiefe Religionslehre unter Symbolisirung der jüdischen Gesetze und der verschiedenen Natur. 2) In manchen Sohar-Ausgaben (so auch bei Rosenroths Kabbala denudata) variirt zwar hier die Stelle, indem es dort anstatt 8w''wp «ttTnpi („und von einer hatten Haut") NttT'iBp «nnp 8b b28 („nicht aber von einer harten Haut") heißt. Allein unsere hier gegebene Lesart ist offenbar die richtige, wenn wir diese Stelle mit der im Sohar Th. I. fol. 20 a. vorkommenden vergleichen, wo es heißt: ibw naa naa b», „in den Nußbaumgarten ging ich hinab". (Hohel. 6,11.) Der von mehren Schalen umschlossene Nußkern ist ein Bild

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