Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-26 · Heft 35 (26.8.1850) · p. Seite 492

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 35 (26.8.1850)
Date
1850-08-26
Page
Seite 492 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225696--11222-3241317
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

492 Abhandlungen verschiedenen Inhalts« Bemerkung. Ein Herr vr. Hochstattec hat in einer der jüngsten Nummern dieser Zeitung meiner vor längerer Zeit geäußerten Ansicht über das logische Moment Ln und r« eine vom massoretischen Standpunkt ausgehende Berichtigung zu Theil werden lassen, die ich indeß als Solche anzuerkennen nicht im Stande bin, vielmehr als eine, mir der Meinigen parallellaufende und sie gar nicht tangirende Ansicht gelten lassen muß, von der ich mit gutem Gewissen beziehungsweise abstrahiren kann. Nicht minder aber auch anderseits von den extremen Angriffen auf meine Ansicht, die mir ebenso sonderbar Vorkommen, wie die auf einen, anstatt nach Euklid, nach eigener Weise ausgeführten Beweis eines mathematischen Lehrsatzes. Es ist demnach kein Streit zwischen uns vorhanden, wenn ich nicht etwa die Jnvektiven, die Herr vr. H. gegen mich, einen Unbekannten, in einer der polnischen Schule eigenen Disputionsmanier hinschleudert, als Streitpunkt aufnehmen will. Indem ich jedoch diese Extravaganzen mit Verachtung zurückweise, bemerke ich noch schließlich, daß der grobe Sprachschnitzer", den er aus einer oder zwei Belegstellen deduziren will, nur ihm allein, dem selbst Gesen und Ewald dünkelhafte Ignoranten sind, aber keinem nur einigermaßen Unbefangenen sichtbar sein kann. „!&orj an ^np W' Dies ein für allemal.*) Levi. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 21. Juli. (Biblisch -talmudische Medizin, von R. I. Wunderbar. Schluß.) Ging nun aber die israelitische Medizin, wie wir ge¬ *) Es ist eine unangenehme Sache, daß unter unseren Glaubensgenossen, wir sprechen offen, wenn eine Verschiedenheit der Meinung vorhanden ist, gleich eine Bitterkeit und Gehässigkeit eintritt, die Vielen das Mitarbeiten an Zeitblättern verleidet. Wir können von diesem Gesichtspunkte Herrn Levi nicht Unrecht geben. Die Redaktion befindet sich da oft in der unangenehmsten Lage, denn öfter lassen sich Milderungen gar nicht anbringen, ohne den ganzen Sinn zu zerstören. Wir machen unsere gesch. Mitarbeiter hierauf aufmerksam, und werden unerbittlich streichen, was zu stark aufgetragen ist. Die Redaktion. sehen, schon zu Chiskija's Zeiten ihrem gänzlichen Verfalle entgegen, so kann ihr um so weniger spater, zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft, eine begründete Existenz zugemuthet worden sein. Denn wie ehemals in Egypten unter dem schweren Joche der Pharaonen, so mußte auch jetzt die israelitische Medizin während dem babylonischen Erile völlig sinken. Das unstäte, bejammernswerte Leben der Israeliten wahrend dieser Zeit, wo die hoffnungsvollsten derselben ihre Harfen an die Weiden der Ströme Babylons hängten und im stummen verzweiflungsnollen Hinbrüten um Jerusalem trauerten, da sank nun auch der letzte Schimmer jedes höher« Geistesaufschwunges und jeder Funke von Poesie und Kunst erlosch unter ihnen. In dieser finstern Periode darf also auch schon aus diesem Grunde allein unmöglich irgend welche medizinische Kultur bei ihnen gesucht werden. Mit dem Reformator Esra jedoch, der als ein zweiter Moses nicht allein eine politische Restauration des israelitischen Volkes herbeizuführen, sondern zugleich auch dessen geistiges Leben zu reorganisiren und zu begründen sich möglichst bestrebte, — kann schon mit Recht vermuthet werden, daß er auch viel zur Beförderung der Medizin unter den Israeliten beigetragen habe. Nach dem Talmud war es sogar schon den Mitgliedern des Sanhedrins (■pnnnro) und wie es scheint auch den der großen Synode (nbn^n no:a deren Präsident gedachter Esra war, zur Pflicht gemacht worden, sich aller vorhandenen Sprachen und Wiffenschaften, besonders solcher, welche auf die Rechtspflege und die gerichtliche Arznei rc. Bezug haben konnten, so viel als möglich zu befleißigen; ja selbst in der bei den Israeliten von Religionswegen so hoch verpönten Zauberei und Thierdeuterei durften und mußten sie, um bei vorkommenden Gerichtsfällen ein richtiges Urtheil fällen zu können, nicht ganz unbewandert sein. Doch so eifrig Esra's Streben zur Förderung der israelitischen Medizin auch immer gewesen sein mag, so schien er nichtsdestoweniger in der Praxis auf bedeutende Schwierigkeiten gestoßen zu haben, welche theils in den Umstanden, theils in den Ansichten seines Zeitalters begründet waren und die für die Ausübung der Medizin unter den Israeliten eine geraume Zeit hindurch ein eiserner Hemmschuh gewesen sind. Es stand nämlich durch Einführung der medizinischen Praxis unter die Israeliten vor Allem zu fürchten, daß dieselben sich den während des Exiles angenommenen heidnischen Sitten der Ehaldäec und Perser, die sie eben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.