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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-26 · Heft 35 (26.8.1850) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 35 (26.8.1850)
Date
1850-08-26
Page
Seite 491 (sequence 11)
Language
German
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4SI legeriheiten, in denen beinahe täglich Anstände, Bittgesuche und Rekurse Vorkommen, nicht bis zur gänzlichen Beendigung bei den bisherigen Verleihungs¬ und Ausübungsmodalitäten verbleiben, oder in einem unbestimmten Stillstand belassen werden können, so finde ich mit Rücksicht auf die mir von den hiebei intersfirten Parteien, insbesondere durch die vom preß» burger bürgerlichen Handelsstande überreichte Eingabe vom 25. Mai d. I. und mit Bezug auf den früher erwähnten Einverleibungsakt zu bestimmen. (Diese Bestimmungen, betreffen das Recht der Israeliten in dem Gebiet der eigentlichen Stadt Handels- oder Gewerbsbefugniffe zu betreiben, und Wohnungen zu nehmen.) —. Dieser Tage beorderte ein altofner christlicher Insasse seinen ebenfalls christlichen Knecht auf den israelitischen Friedhof, um das daselbst wachsende Heu, welches derselbe von dem Gemeindevorstande erkauft, von Ort und Stelle absühren zu lassen. Während der Arbeit bemerkte der Friedhofswächter, daß sich besagter Knecht schandvolle Verunreinigungen israelitischer Gräber zu Schulden kommen ließ, und ermahnte ihn, von solchen unschicksamen, sittenlosen Grabesentweihungen nachzulaffen. Und was liegt daran, erwiderte frech der rohe Knecht, wenn ich einen tobten Juden u. s. w. — Kaum war dieser Wortwechsel geendet, als sich der Knecht mit der Fuhre Heu zur Nachhausefahrt anschicken wollte; beim Vorüberfahren eine Friedhofmauer streifend, war er so unglücklich, daß ein Theil der Mauer sich löste, und, auf ihn stürzend, ihm die beiden Arme und einen Fuß zerschmetterte. Der Knecht wurde todt vom Platze getragen. (P. Morgend.) Aus Ungarn. Den israelitischen Gemeindevorständen in Ungarn ist die Weisung zugekommen, alle Winkelschulen aufzulösen, und sich die bessere Einrichtung der Nationalschulen angelegen sein zu lassen. Wien, im August. Dem Ministerium des Kultus liegen, wie das Neuigkeits-Büreau berichtet, mehrere Eingaben bischöflicher Konsistorien vor, in welchen um die Verfügung ersucht wird, daß bei Katholiken, welche auf dem Todcsbette liegen, keinem jüdischen Arzte die Behandlung überlassen werde. (Welch Stück Mittelalter!) Frankreich. Paris, im August. Den 11. d. werden die Konsistorialrathe neu gewählt, zum ersten Male nicht durch Notabeln, sondern nach dem allgemeinen Stimmrecht. Daher mehr Bewegung als sonst. Es fanden mehrere vorbereitende Versammlungen statt, in welchen man eine Kommission zur Vorbereitung einer Kandidatenlisteernannte, diese ihre Liste vorlegte, und man nun aus dieser sechs durch Stimmzettel als Kandidaten bezeichnete. Diese engere Liste wurde dann den sämmtlichen Wählern zugeschickt. —. Das Budget für 1851 ist votirt. Die Re» gierung hat wieder eine Vermehrung von 12,000 Frcs. (3200 Thlr.) verlangt, um die Rabbincrschule in Metz zu verbessern, und erhalten, so daß das Budget nunmehr 148,100 Frcs. erreicht (39,493V» Thlr.) —. Das israelitische Konsistorialkomite von Paris hat seinen Bericht aus den Jahren 1848 und 1849 abgestattet. „In den ersten Zeiten unserer Verwaltung (1809)," heißt es darin, „erreichte die bedürftige Bevölkerung von Paris kaum die Zahl von 150 Familien; jetzt erhob sich diese Zahl fast bis zu 900, und neue Anstalten sind eröffnet worden, wie das s. g. Hilfshaus, das seit seiner Eröffnung (1842) bis jetzt 1051 Kranke ausgenommen hat. Man fragt sich mit Erstaunen, wie unser Konnte so vielen Bedürfnissen genügen konnte." Aber wenn die Bedürfnisse groß sind, weil die Verwaltung den Armen jedes Alters und in allen Lagen des Lebens umfaßt, so ist auch die Wohlthätigkeit unserer Glaubensgenossen groß; die Einnahmen betrugen 59,608 Frcs., 1849: 67,342 Frcs. (17,928 Thaler.) Im Monat April 1849 bestand die Armenbevölkerung der Israeliten von Paris aus 870 Wirthschaften, bestehend aus 2320 Individuen, von denen 770 Kinder vom 5 — 15. Jahre; von diesen besuchen 457 die Schulen, 231 lernen ein Gewerbe. —. Der israelitische Kultus von Algier soll nun unter das Zentralkonsistorium gestellt werden. —. Der Oberst Cerfbeer, Präsident des Zentralkonsistoriums, ist zum Kommandanten der Ehrenlegion ernannt worden. (Nach den Arch. isr. de Fr.)

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