Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1850)
- Date
- 1850-08-26
- Page
- Seite 485 (sequence 5)
- Language
- German
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485 darum dürfte weder ein jüdischer noch ein christlicher Geistlicher bei solchen Eheschließungen fungircn, sondern bloße Ziviltrauung genüge, wobei allenfalls ein Verwandler oder väterlicher Freund des Ehepaares einige Worte an das Gemülh richten könnte, aber kein Diener einer „positiven Religion"; dies halte ich für Anomalie. Dresden, 16. August. (Privatmitth.) Von Seiten des hiesigen jüngern „Krankcnunterstützungsinstituts für Israeliten" (aus dessen Schooße zu seiner Zeit der Mendelssohnvercin hervorging) ist neulich eine „neu revidirte Auflage" der Statuten in 56 Paragraphen ausgegeben worden, woraus man erstehet, daß dieses hilfreiche Institut immer noch allgemeiner Theilnahme sich erfreuet. Nach der beigefügten „Uebersicht" wurden im vorigen Rechnungsjahre 177 Thlr. 25 Ngr. an Unterstützung an Kranke verausgabt; die jährliche Steuer der Mitglieder betrug 221 Thlr. 23 Sgr. 8 Pf., von letztwillig festgesetzten Beiträgen ist der des sel. Herrn Bankier Mendel Schie mit 10 Thlr. jährlich zu bemerken. Kaffenbestand verblieb 157 Lhlr. 2 Ngr. 9 Pf. baar und 2000 Lhlr. in Staatspapieren. Die dermaligen Vorsteher dieses Instituts sind die Herren Elias Collin, vr. B. Beer und Hofjuwelier Moritz Elimeyer. Berlin, 15. August. Durch die besondere Bemühung einiger jüdischer Gemeindemitglieder ist es gelungen, schon zu den bevorstehenden hohen Festtagen ein Gotteshaus zu schaffen, welches sowol dem dringenden Bedürfniß größerer Räumlichkeit abhilft, als es auch durch Ausstattung und innere Einrichtung seinem hohen Zwecke in jeder Beziehung entsprechen wird. Das neue Gotteshaus steht bekanntlich im Garten des Grundstücks große Hamburger Straße No. 11, ist 130 F. tief und 50 F. breit, an beiden Längseiten mit zwei übereinander liegenden Chören und an der Abendseite mit einer Vorhalle so wie einem Sänger- und einem Knabenchor versehen. Der Parterreraum und der zweite Chor ist für Männer, der erste Chor zu beiden Seiten für Frauen bestimmt. Das Ganze enthält ungefähr 1500 Sitzplätze. Aus dem Sauerlande, 11. August. (Privatmitth.) Gleichsam als Ergänzung meines Aufsatzes in No. 23 d. Bl., und, da das 25jährige Jubiläum der Haindorfschen Anstalt am 21. dieses gefeiert werden wird, um den Inhalt desselben wieder in's Gedächtniß zu rufen, theile ich Ihnen folgende Worte des Herrn Professor Haindorf, welche dem 15/16. Jahresbericht vorgedruckt sind, mit, Worte, die von einer zu bedauernden Nothwendigkeit einem für das Wohl seiner Glaubensgenossen warm schlagenden Herzen diktirt, keines Kommentars bedürfen. Doch wozu viele Worte machen? Lassen wir den Herrn Professor selbst reden. Möge dieser Abdruck seiner Worte nicht ohne Erfolg bleiben! Herr Prof, fährt nach einleitenden berichtenden Worten folgendermaßen fort: „Ruhig und beglückt würde ich übrigens auf das Ziel meiner Wirksamkeit Hinblicken können, das bei meinem vorgerückten Alter nicht mehr fern sein kann, wenn die Anstalt durch eine noch allgemeinere und gleichmäßigere Theilnahme in sich selbst fest gegründet dastande, so daß Wohlwollende, die mit dem Gange des Instituts vertraut sind, nach meinem Scheiden vom Schauplatze menschlicher Thatigkeit mit Hilfe der Behörden dasselbe unbehindert fortführen können. Dazu ist aber vor Allem nöthig, daß das Institut in seiner Wirksamkeit auf feststehendes Kapitalvermögen basirt sei, und nicht auf Vorschüsse Seitens des Dirigenten gerechnet werde, weil deren Möglichkeit natürlich von persönlichen Verhältnissen, die bei einer regelrechten Verwaltung nie maßgebend sein dürfen, bedingt und darum ungewiß ist." „Man könnte mir zwar den Einwurf machen, weshalb ich nicht selbst bei der 20jährigen Führung der Vereinsangelegenheiten mehr auf Anlegung eines Kapitalvermögens Bedacht genommen? Werindeß den fortlaufenden Berichtserstattungen folgte, wird sich überzeugt haben, daß die dringenden Bedürfnisse stets so groß und mannigfach waren, daß die Bestreitung derselben ohne Vorschüsse durchaus nicht möglich war; und wegen der künftigen Sicherheit einer Anstalt augenblicklich Bedürftige ganz hilflos z» lassen, kann doch wol nie gerechtfertigt erscheinen. — Nunmehr aber, da durch vieljährige Wirksamkeit der größten Noth abgeholfen ist, würde es bei einem erhöheten Zusammenwirken sehr leicht möglich werden, die Zukunft des Instituts auch in dieser Hinsicht zu sichern. Möchte mein Aufruf deshalb nicht vergeblich verhallen!!!"