Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1850)
- Date
- 1850-08-26
- Page
- Seite 483 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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483 K. Die ganze Frage steht ja auf der Linie: welche Unabhängigkeit und Selbstständigkeit besitzt das Individuum, um gegenüber der Geschichte seine Freiheit geltend zu machen. A. Müßten wir da nicht erst den Menschen von dem Gesichtspunkte betrachten, wie er überhaupt ein Individuum ist? K. Ich stimme Ihnen völlig bei. <A. Ich muß Ihnen gestehen, daß ich stets in der Individualität des Menschen seine ganze Bedeutung gefunden habe. K. Wie meinen Sie dies? A. Die Individualität allein ist es, welche den Menschen von allen übrigen Geschöpfen, die wir kennen, unterscheidet. K. Wie so dies? A. Nehmen wir irgend ein Thier, ein Pferd, einen Löwen, einen Schmetterling, eine Mücke, so haben wir mit sehr unbedeutenden äußerlichen Verschiedenheiten die ganze Gattung, mindestens die ganze Spezies in einem Exemplar. Ein Löwe, eine Mücke befaßt den Inhalt der ganzen Art. Gerade entgegengesetzt beim Menschen. Hier Verschiedenheit jedes Einzelnen vom Andern, völlige Verschiedenheit, wo niemals und nirgends absolute Gleichheit zwischen zwei Exemplaren einer und derselben Art stattsindet. (Fortsetzung folgt.) Die Rabbinerwittwenkafse. Wir haben in No. 30 d. Ztg. die uns zugesandten Piöcen über das neue Institut, so wie es durch eine Berathung von Kollegen, die in Frankfurt am Main zusammenwaren, gegründet worden, mitgetheilt. Wir hatten nun gern über die näheren Feststellungen ein Weiteres kund gegeben, wir hätten auch unsrerseits zur Förderung nach Kräften beigetragen, allein es ist uns Nichts zugekommen, wir wissen von Nichts. Nun, unsere süddeutschen Kollegen müssen ihren Grund haben. Wir müssen uns in Geduld fassen. Für das Institut selbst müssen wir kräftigst sprechen, ehe wir noch die beliebten Bestimmungen kennen. Wenn es auch wahr ist, daß, wenn ein solches Institut sich auf einen zu kleinen Kreis erstreckt, leicht Chancen kommen können, die es Umstürzen. Einige außerordentliche Unglücksfalle, und es liegt über den Haufen, die Mittel sind erschöpft. Allein wir rechnen ja auf den Antheih den die Gemeinden, daran nehmen werden; darauf, das die Anstalt auch Gaben erhalten wird aus Händen, welche Nichts empfangen wollen, und das giebt freilich fröhr lichere Aussichten. Wir bitten, daß uns bald Näheres mitgetheilt werde. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, im August. (Privat, mitth.) So wären wir denn wieder angelangt, we wir stehen geblieben waren! Die politischen Stürm, sind vorüber, die politischen Fragen haben kein Jntercss« mehr, nun sangen die religiösen Streitigkeiten wiedei an. Und wie und wo fangen sie wieder an? Bei den Juden in den Gemeinden, bei den Christen gegen die unkirchlichcn Sekten. So ist denn die alte Wund, auch in der hiesigen Gemeinde wieder ausgebrocden, die Orthodoxen wollen sich von den Reformern trcn. nen, jede Partei will ihren eignen Tempel, ihren eig. nen Rabbiner, wie ihren eignen Kultus haben; kein« will und kann nachgeben. Die orlhodoxe Partei will sich vollständig als Gemeind« konstituiren, und da§ kann ihr am Ende Niemand verbieten, den jetzt gil. tigen Gesetzen gemäß; sie will sich den Rabbiner Auer, bach in Darmstadt wählen. Sie wartet nur noch weil sie durch Ablösung der Hyperreformer od r Are. ligiösen die Partei der Reformer zu schwächen, mit so des Ganzen noch einmal Herr zu wero.n voffi. Jndeß das wird ihr schwer gelingen. Denn die gut, Kraft der, für die Religion warm empfindenden, aver den Kultus umgestalten wollenden Partei, den Rabbiner Stein an der Spitze, zeigt sich erst neuerding; in der endlichen Wiederherstellung der alten Synagoge, die so lang projektirt, so lang gewünscht, immer verhindert, nun endlich ausgeführt wird. Der Gottesdienst ist unterdeß in den s. g. „Andachkssaal" verlegt. Nürnberg, 2. August. (N. K.) Die Regierungsbestätigung der Aufnahme des israelitischen Kaufmann; Cohn in den hiesigen Bürgerverband ist eingelroffcn. (So ist denn auch Nürnberg emanzipirt, von bei Glaubensfessel und dem konfessionellen Drucke emanzipirt.)