Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1850)
- Date
- 1850-08-19
- Page
- Seite 478 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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478 er zwar, was die Krankheit selbst betrifft, von derselben wol genesen könne, daß derselbe jedoch (durch anderweitigen Umstand) umkommen werde. Und wirklich mußte sein Kämmerer unschuldigerweise, oder gar vorsätzlich den Tod desselben durch eine schlecht angebrachte Wasserkur plötzlich herbeiführen. Die Bibel erzählt (ibid. 8, 15.), er habe das Bettstück desselben in Wasser getaucht und es als Umschlag auf sein Antlitz gelegt, woran er aber plötzlich starb. Nun ist es zwar im Orient wirklich Gebrauch, in einigen hitzigen Fiebern die Bettstücke des Kranken feucht zu machen, welches sich auch sehr oft durch gute Wirkung bewahrt, und Bruce erzählt, indem ec von den in der Gegend des Rothen Meeres herrschenden Krankheiten spricht, daß ein heftiges Fieber, in der Volkssprache Nedad (vielleicht gar von dem Namen des gedachten Benhadad herrührend, der dieselbe Krankheit gehabt haben konnte) genannt, Biele dort schon am dritten Tage der Krankheit tödtet. Wenn der Kranke aber den fünften Tag erlebt, so geneset er gewöhnlich nur durch das reichliche Trinken von kaltem Wasser; auch übergießt man das Bett mit einer Menge Wasser, ohne es abzutrocknen, gießt vielmehr bald eine neue Quantität nach. Es konnte nun recht gut gewesen sein, daß Benhadad dieser Kur sich unterwarf; daß sie aber bei ihm eine schlimme Wirkung hatte, mag davon herrühren, daß sie zu früh, etwa noch vor dem dritten Tage geschah, weshalb das kalte Bettstück seinen augenblicklichen Tod verursachte. (Vgl. Philippsons Js. Bibel a. a. St.) Zur Zeit des Ehiskija aber, als das israel. Volk zusehends in seinen Sitten ausartete und immer mehr Hang zur Abgötterei äußerte, ja wo es Jehova verließ, und sich vorzugsweise zu den Tempeln der es umgebenden Heidenvölker wandte, da beschloß der fromme Ehiskija, vor Allem jede Veranlassung des Götzendienstes und des mit demselben gewöhnlich verbundenen Aberglaubens von ihm nach Kräften zu entfernen, zu welchem Behufs er unter Anderm nicht nur die kupferne Schlange Mofis, die, wie uns die Bibel (2. B. Kön. 18, 4.) berichtet, zur Zeit von den Israeliten (wahrscheinlich als Nachahmung der Aesklepiaden, die bekanntlich lebendige, gezähmte und abgerichtete, so wiezuweilen auch blos ausgestopfte Schlangen in ihren Asklepken unterhielten, wodurch sie nicht nur Kranke, sondern auch viele Gesunde, die ihre Zuflucht zu den Orakeln derselben nahmen, täuschten), unter dem Namen Nechuschtan (->nwn:, Wahrsager)* * 1) abgöttisch verehrt, und der von denselben auch Opfer dargebracht wurden, — zerstörte, sondern derselbe soll, der Tradition nach, auch zugleich das Sepher Rephuot oder wie der hieros. Talmud (Tr. Pesachim 89.) es nennt: mabnü maisn btD „Tafeln der Heilkunde" (vielleicht gar eine Art der sogenannten Anathemata der Griechen), worin unter Anderm sich höchst wahrscheinlich auch viele Kuren, welche in den Tempeln der Asklepiaden mit gutem Erfolge geleistet wurden und die hier ohne Zweifel bei den Namen ihrer Erfinder, der gedachten äskelapischen Priester verzeichnet waren, — befanden, gänzlich außer Praxis zu bringen und bis auf weitere Umstände völlig zu verwahren, für gut befunden haben; weil die Israeliten sich nicht nur veranlaßt fühlten, die gedachten Tempel zu besuchen und gleich den Heiden darin ihre Opfer niederzulegen, sondern auch noch dazu sich auf dieses Sepher Rephuot stützend, in sündigem Stolze auf eigene Kräfte immer mehr ausacteten und Gott sogar in ihren Krankheiten zu vergessen pflegten. Ja das fromme Gottesvertrauen und die hohe Begeisterung dieses frommen Königs für den heiligen angestammten Glauben seiner Vater stieg so weit, daß er dieses Sepher Rephuot auch dann nicht hervorholen ließ, als er bereits selbst an einer schweren Krankheit darniederlag; und soll derselbe sich, nach dem Talmud, auch laut im Gebete durch die Worte: 'n'wy ‘■pm „Habe ich nicht was in Deinen Augen wohlgefällig ist gethan?!" (2. B. Kön. 20, 3.) darauf bezogen haben. (Vgl. Tr. Berachot 49. ibid. 51. Ecubin 57 *). Mit Recht bemerkt daher der Midrasch (der auch von Raschi zu Jesaias 38, 10. zitirt wird), ohne übrigens im Geringsten dem Talmud in Tr. Babamezka 86 und Tr. Sanhedrin 107 zu widersprechen, — daß nämlich mit Ehiskija ein so großes Wunder geschehen sei, indem ec lediglich durch Gebet von einer sehr gefährlichen Krankheit genas, was noch vor ihm keinesweges geschehen sei. Denn wenn nach demselben auch schon Elifcha lange vor Ehiskija von einer Krankheit geheilt wurde 2), sagen, ab, und das an angef. Bibelstelle erwähnte ib übersetze ich durch: „Und man nannte sie Wahrsagerin". 1) Nicht unwahrscheinlich ist es übrigens, daß auch die Idee des Fatalismus (von welcher wir noch sprechen werden), welche unter den Israeliten zu manchen Zeiten geherrscht haben mag, einer der triftigsten Gründe war, die den Ehiskija zu diesem Entschlüsse bewogen haben konnten. 2) Siehe oben. *) 3ch leite dieses Wort von 2M2 zaubern, wahr-