Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1850)
- Date
- 1850-08-19
- Page
- Seite 476 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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476 und völlige Gerechtigkeit den Abkömmlingen eines Vvlksstammes werde, der auch Euch als gotterwählt gilt, und den Bekcnnern einer Religion, die auch nach Euch von Gott stammt!" Er setzte sich unter allgemeinem Bestalle nieder, und in der That, eine solche Rede eines Sohnes von Israel spricht sattsam für die Zulassung seiner, ich kann kaum sagen, früheren Glaubensgenossen *). Ein hübsches Kompliment machte ihm Reynolds, der radikale Lord-Mayor von Dublin, dem er wegen seines Ausspruches: „Das Oberhaus stecke nicht voll von Salomvns", erwiderte: „Auch eine Wahlkammer von Salomvns möchte er sich zeigen lasten". Reynolds sagte: Er wolle zugeben, daß sie auch nicht einen Salomon hätten, aber er müsse bedauern, daß sie nicht mehr Benjamin's besäßen. Reynolds sprach als emanzipirter Katholik für seine früheren Knechtschastsgenossen. Bright, als Quäker, verlangte, daß auch der Jude ihm gleichgestellt werde. Roebuck endlich, „die kleine Wespe", geißelte die Schlechtigkeit und Verzagtheit des Ministeriums. —. Beurtheilen die Korresp. der Zeitungen diesen Vorgang mehr vom Gesichtspunkte der Kritik über das ministerielle Gebühren, so gestatten wir uns noch einige Schlußworte. Es ist eine Tragikomödie, die im Parlamente Englands, in diesem würdigen Gesetzgeberhause aufgeführt worden. Denn tragisch ist cs, wenn eine große Nation über den, bei allen zivilisirten Völkern anerkannten Grundsatz, daß der Glaube an bürgerlichen Pflichten wie Rechten Nichts entziehen darf, einer kleinen Formel wegen nicht hinwcgkommen kann, tragisch, wenn ein Parlament nicht wagt, einen Sitz für erledigt zu erachten, aber auch nicht für unerledigt, und diesen unerledigten von seinem zweimal gewählten Inhaber in Besitz nehmen zu lassen. Komisch ist es, wie Einer kommt und geht, und wiedcrkommt, und schwören darf, und dann der Schwur nicht giltig erachtet wird, und all die Farce. Das Ministerium Rüssel hat den Grundsatz der Glaubensfreiheit, von ihm so oft im Munde geführt, verrathen; nicht durch sein Abstimmen gegen den Schwur Rothschilds, sondern durch das Verzögern und Fallenlaffen der Bill. Aber wir haben schon oft gesagt, daß eine solche Judcnsache stets ein Prüfstein ist, an dem der *) D'Zsraeli's Vater war schon getauft. Wir werden im Stande sein, die Rede d'Jsraeli's in diesen Bl. zu geben. Redakt. i Goldgehalt oder dessen Mangel zum Vorschein kömmt. Lord John Rüssel hat sich hier so schwach, so unzuverlässig, so auf zweien Seiten hinkend gezeigt, daß cs ohne wesentliche Folgen nicht bleiben kann. Frankreich. Paris, 1. August. In einer gestern abgehaltenen großen Versammlung von Israeliten ward beschlossen, an Rothschild in London wegen seines Benehmens im Unterhause eine Glückwunschadresse abzusenden, welche Cremieur ihm überreichen soll. Schweden. Stockholm, 23. Juli. Das akademische Konsistorium zu Upsala hatte zu einem Stipendium einen jungen jüdischen Studiosen vorgeschlagcn. Dieses Stipendium wird vom Magistrate und den fünfzig Acltesten der Bürgerschaft von Stockholm vergeben, und diese erklärten gegen das obige Konsistorium einen Juden für nicht berechtigt zu dem fraglichen Stipendium. Uebcrhaupl fährt die religiöse Gesinnung hier noch immer fort, höchst unduldsam zu sein. Syrien. Damaskus, im Juni. (Privatmitth.) Daß auch in der asiatischen Türkei die Idee der bürgerlichen Gleichstellung Eingang findet, kann man aus folgendem Schreiben ersehen, daß ich wörtlich übersetzt hier mittheile:*) Schreiben Osman Beys, Präsidenten des Munizipalrathes zu Damaskus, an den Obcrrabbinen daselbst. „In Folge des allerhöchsten Auftrages Sr. Majestät, die Reorganisation des Munizipalrathes in den verschiedenen bedeutenden Provinzen des osmanischen Reiches betreffend, sind mehre achtungswürdige Personen mit der Absicht, aus ihnen den Rath von Damaskus zu bilden, bereits gewählt worden; es stellt sich nun die Nothwendigkeit heraus, daß noch andere Mitglieder von den christlichen und jüdischen Gemeinden durch die Vota ihrer resp. Bekenntnisse gewählt werden sollen. — Es wird daher der Ober- *) Das Faktum haben wir schon in No. 27 bemeldet. Redakt.