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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-19 · Heft 34 (19.8.1850) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 34 (19.8.1850)
Date
1850-08-19
Page
Seite 475 (sequence 11)
Language
German
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475 Resolutionen könne er feine Stimme nicht abgeben. Die erste enthalte eine Erklärung des Gesetzes; ein solches Verfahren sei eben nicht besonders konstitutionell und dürfe nur in Fällen der äußersten Noch angewandt werden. Die zweite Resolution binde die Politik des Hauses für die nächste Session; dies sei unpolitisch und lasse sich nur in den dringendsten Ausnahmefällen rechtfertigen. Sei eine Abänderung des Gesetzes nöthig, so möge man sie in verfassungsmäßiger Weise vornehmen. Niemand sei ein wärmerer Freund der Emanzipation der Juden, als er, und er hoffe, daß man bald den Abkömmlingen einer Race, die als heilig anerkannt sei und die sich zu einer göttlichen Religion bekannt, volle Gerechtigkeit angedeihen lassen werde. Nach einer langen Debatte, an welcher Sir R. Jnglis, Roebuck, Reynolds, Wood, der Generalfiskal, Bright und Goulburn Theil nahmen, wird Hume's Verbesserungsantrag mit 163 gegen 101 Stimme verworfen. Die erste Resolution des Generalanwalts wird mit 166 gegen 92, die zweite mit 142 gegen 106 Stimmen angenommen. —. Eine Korresp. der K. Z. beurtheilt die Sache folgendermaßen: Trotz des schlechten, aber freilich erwarteten Ausfalles der gestrigen Debatte über Rothschilds Zulassung habe ich selten mehr gute Reden an Einem Abende gehört. Selbst Mr. Ansley hatte sich einer für ihn taciteischen Kürze befleißigt. Sir Robert Harry Jnglis war verständig genug, den Untergang des Christenthums epigrammatisch zu beklagen, und die Rede des Attorney general hörte ich nicht. Daß die Treasury-Bench sich vollkommen auf die Zahlen verließ, sah man daraus, daß außer den beiden Juristen der Regierung, Romilly und Cockburn, kein anderes Mitglied sprach. Lord John brachte seine erste Resolution: „daß Rothschild nicht zum Hause zugelassen werden könne", mit den Tories gegen die Liberalen, und sein« zweite: „daß man in der nächsten Session Ernst machen wolle", mit den Liberalen gegen die Tories durch. Zum Dank für diese Pfiffigkeit läßt kein Blatt ein gutes Haar an ihm. Der „Globe" von heute Abend wird sich sehr einsam fühlen, wenn er den Balsam seines Beifalls in die Wunden der ministeriellen Reputation träufelt. Aehnlich wie die Taktik seines Chefs scheint nach den Blättern die Rede des Attorney general gewesen zu sein. Während er den Antrag stellte, Rothschild auszuschließen, floß er vom Preis des Barons und seines Benehmens (welches den Ministerialen — sub rosa — sehr wenig behagte) und vom Bedauern des „lächerlichen" Gesetzes über. D'Jsraelis, Reynolds, Brights Reden und Roebucks waren wirklich Hörenswerth. Jener sprach gestern zum ersten Male für die Zulassung derJuden, obgleich er beständig vorher dafür gestimmt. Er vindizirte dem Hause der Lords das Recht, in dieser Frage zu handeln, wie es gehandelt. Weshalb habe das Ministerium die Bill nicht vor die Lords gebracht, nachdem sich die Wählerschaft der City zum zweiten Male für die Zulassung der Engländer jüdischen Glaubens erklärt? Er behauptete, das Haus der Lords habe mit Recht sich der starken Minorität im Unterhause angenommen. Es sei so recht die Pflicht des Oberhauses und einer jeden zweiten, schwachem Kammer, die Rechte der Minorität in der bedeutender» zu wahren. Im Unterhause hätten die Gegner ab-, im Oberhause die Freunde der Bill zugenommen, wie die letztjährige Abstimmung gezeigt. Weshalb habe das Ministerium, verstärkt durch die zweite City-Wahl, nicht den begonnenen Weg fortgesetzt? Er erklärte sich gegen beide Resolutionen. Die eine enthalte eine Erklärung des Rechts, die er nicht für erforderlich, die zweite ein politisches Versprechen, das er für unparlamentarisch halte. Als er zuletzt von seinen Gründen sprach, weshalb er für die völlige Gleichstellung der Juden mit den Christen gestimmt und sich auf den Borwurf Lord Johns, daß er bisher immer schweigend abgestimmt, bezog, wurde er ein ganz anderer Mann. Charles Lamb redet in seinen herrlichen „Essays" von einem jüdischen getauften Sänger, den er als Moses in Rossini's Oper gesehen, wie die Erinnerung an die große Zeit seiner Borväter, an die Herrlichkeit des Volkes Israel bei dem Neuchristen in jeder Note und in jeder Bewegung durchgeschienen. Aehnlich mag es in dem Herzen Benjamin D'Jsraeli's ausgesehen haben, als er gestern von der Berbindung des jüdischen Volkes mit dem Christenthume, von den Wurzeln des Letztem in Israel redete, als er, zugebend, daß er vielleicht allein in der ganzen Versammlung diese Gründe fühle, damit schloß: „Diese Anschauung werde ich niemals aufgeben. Weil England ein christliches Land ist, kann ich den gegenwärtigen Zustand weder für weise, noch für gerecht anschen. Ich will die Gefühle keines Einzigen verletzen, muß aber die Hoffnung aussprechen, daß schnelle

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