Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-19 · Heft 34 (19.8.1850) · p. Seite 470

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 34 (19.8.1850)
Date
1850-08-19
Page
Seite 470 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225695--11199-3241293
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

470 Kanzel vertreten. — Die „Neue Schule" wird immer modernisirt. Es werden nämlich alle Betstellen gen ni?» gerichtet, und — noch Etwas! — das Almemor wird bis vor die heilige Lade hinaufgerückt, so daß Almemor und Omed Eins seien. Dies Letztere durchzusetzen, hat einen schrecklichen Kampf gekostet; denn die Partei der Zeloten eiferte gegen diese unschuldige Neuerung, als wäre sie „offenbarer Götzendienst", und es mußte erst ein Rabbinatskollegium deswegen versammelt werden, welches aber nach dreitägiger Diskussion endlich herausbrachte „daß das Hinaufrücken der bis vor den ym miprr nach rabbinischen Gesetzen nicht verb oten." Glauben Sie aber, daß die Zeloten dadurch beruhigt wären? Keinesweges. Sie schreien noch — jedoch vergebens. Es kann ihnen Nichts mehr helfen. Die Modernisirung des Tempels ist bald fertig. Ob alsdann auch iin Kultus zeitgemäße Neuerungen werden vorgenommen werden? Es ist möglich — ja möglich aber nicht wahrscheinlich. Da dürfte schon eine größere Partei dagegen auftreten, welcher gegenüber die Handvoll Fortschrittsmänner in der „Neuen Schule" wol schwerlich Etwas ausrichten möchte. Doch still! wir wollens abwarten. Aus anderen Gemeinden des Großherzogthums haben wir Ihnen für heute nur folgende „kurze Notizen" mitzutheilen. — In Rawicz ist endlich doch dem dringend gefühlten Bedürfnisse (s. No. 27 d. Bl.) nachgegeben und an der israelitischen Elementarschule ein vierter Lehrer angestellt worden. Kantorat und Rabbinat bleiben unbesetzt. Bon dem Rabbinatsasseffor, Herrn S. Brann hört nur ein gewisser Verein (fnnn) das Wort Gottes in der Landessprache verkündigen. — In Lissa wird mit dem Wiederaufbau des Bet ha-Midrasch (s. ebenfalls No. 27 d. Bl.) rüstig vorgeschritten. Die Kosten werden zum Theil aus den vorhandenen Fonds des sogenannten Gelehrtenvereins (irnn “nabn '“lan), theils aus Legatis ad pias causas bestritten. Zu diesen Letzteren muß vorzugsweise das von dem im Februar d. I. verstorbenen M. Earo hinterlassene Vermächtniß gezählt werden, das 800 Thlr. beträgt und im Testament des Verewigten ausdrücklich zur Aushilfe beim Wiederaufbau des us-nn^ m bestimmt worden. Von den anderen frommen Vermächtnissen des sel. M. C. ein andermal. — Schmiegel hat in der Person des Herrn I. Fcldblum einen Rabbinen, der alles Mögliche thut, um die Gemeinde zu heben. Die öffentliche Konfirmation hat er schon seit einem Jahre eingeführt. Für die Schule jedoch scheint er Nichts thun zu können. — Kosten hat einen voetor philosophiae zum Rabbi, von dem wir Ihnen aber beim besten Willen nicht sagen können, ob er in diesem Augenblicke zu den „Konservativen" oder zu den „Liberalen" gehört. — In Grätz, wo man sich in dem alten Schlendrian noch am Besten behagt, und an Fortschritt und Aufklärung noch in keinerlei Beziehung zu denken ist, müssen es sich die jüdischen Eltern gefallen lassen, ihre Kinder mit denen der Christen in eine und dieselbe Schule zu schicken. Es ist so rTM (wie man sich dort auszudrücken pflegt); denn Gr. hat keine nach Konfessionen getrennte Schulen, sondern eine Unterrichtsanstalt für alle Kinder des Ortes — eine Art Simultanschule. An derselben sind aber auch zwei jüdische Lehrer angestellt. — In Wollstein wird seit dem Abgang des vr. Hirschfeld nach Gleiwitz (also bereits 2 Jahre) das Rabbinat durch Herrn M. Greiffenhagen (einen ungeheuchelt-frommen nnd talmudisch wie wissenschaftlich sehr gebildeten Mann) interimistisch verwaltet. — Rackwitz, das früher zum Sprengel des vr. Hirschfeld gehörte und seit dessen Abgänge von W. vom „göttlichen Worte" Nichts mehr gehört hat, soll Willens sein, sich dem Prediger von Kosten (von da es nur 2 M. entfernt ist) als Filialgemeinde anzuvertrauen. Wir können aber diese Nachricht nicht verbürgen. — Karge hat einen ganz modernen Tempel mit einem halbmodernen Prediger. — Schwerin a. d. W. ist in Bezug auf Kultuseinrichtungen die vorgeschrittensteGemeinde im ganzen Großherzogthum. — Birnbaum hat einmal einen Prediger gehabt — in der Person des vr. Cracauer, — aber seitdem keinen mehr. Warum? Das wissen die Götter. — Von Mcseritz sagt man, es habe eine gute Schule. — Von Pinne und Neustadt haben wir das nicht gehört. — In Tirschtigl soll nach dem „Kladderadatsch" eine Reformgemeinde gebildet worden sein. — Samtcr und Wronke sind durch die Eisenbahn Posen näher gerückt; sonst ist aus diesen Orten Nichts zu berichten. — Filehne wird seinen so sauer errungenen „zeitgemäßen" Rabbiner und Prediger nun plötzlich verlieren; denn vr. Stein ist nach Danzig berufen. — In Schneidemühl soll man sich, einem on dit zufolge, mit dem alten Rabbi ausgesöhnt und demselben eine Pension gesichert haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.