Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1850)
- Date
- 1850-08-19
- Page
- Seite 469 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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46» im Tempel predigen könne. Auswärtig denkt man nicht so, das haben wir erst neulich erfahren bei der Reise unsers vr. Frankfurter in seine Hcimath und zu seiner ehemaligen Gemeinde zu Braunsbach in Schwaben. Die Reise glich einem wahren Triumphzug und die allerfrömmsten Synagogen und Rabbiner wetteiferten, ihn auf ihre Kanzeln zur Abhaltung von Gastpredigten zu laden. In der hiesigen Klause ist ein gelehrter Talmudist, Herr M. M. Jaffe, früher Rabbiner zu Fordon im Großherzogthum Posen, angestcllt worden. Derselbe trägt sich noch ganz altpolnisch, spricht aber ein leidliches Deutsch. Ferner sind hier Anregungen geschehen, erstlich zu der Anstellung eines Oberrabbiners an die Stelle des verstorbenen Bernays, doch weder mit seinen Einkünften noch mit seinen Funktionen, zweitens zur Errichtung einer Synagoge in der Altstadt, und drittens zur Subventionirung des Tempelinstituts aus der Gemeindekaffe. Der dänische General Meza, der den beklagenswerthen Ausgang der Schlacht bei Jdstedt entschied, ist ein Jude, vor nicht langer Zeit zum Christenthum übergetreten. Dieser als Militär und auch anderweitig ausgezeichnete Mann tritt somit an die Seite des ebenfalls jüdischen Generals Vantura, welcher die von ihm organisirten Armeen von Lahore so oft zum Siege führte. Aus Baiern, 1. August. (Eingesandt.) Ohne uns auf eine Kritik über den ganzen Umfang der in No. 31. S. 426—429 d. Bl. enthaltenen Privatmittheilungen von K. einzulassen, glauben wir die Nachrichten über die vom königl. Staatsministerium an verschiedene Rabbinen erlassenen Fragen nicht unberührt lassen zu dürfen. Die Quellen, aus welchen der Vers, geschöpft hat, scheinen nicht so zuverlässig zu sein als er angiebt, was schon aus dem Umstande hervorgeht, daß derselbe nur fünf aufgeforderte Rabbiner bezeichnet, während es notorisch ist, daß auch Herr Distriktsrabbiner Guggenheimer in Kriegshaber zu begutachten hatte, und es keinem Zweifel unterliegt, daß auch wenigstens ein Rabbiner aus der Rheinpfalz zur Begutachtung aufgefordert wurde. Dieses Jgnoriren und der Umstand, daß von jenen zu Bamberg gewesenen Rabbinen nur des Herrn vr. Adler aus Kissingen erwähnt wurde, muß auffallend erscheinen. Ebenso wenig muß Herr K. vom Inhalte der Fragen selbst genau unterrichtet sein, denn sonst konnte er nicht behaupten, daß dieselben schon in den im Jahre 1836 rc. hinausgeschlossenen Fragen enthalten sind; am Auffallendsten muß cs aber sein, daß Herr K. sich darüber ärgert, daß nur Rabbiner zu begutachten hatten, indem bei jeder andern Aufforderungsweise sich gewiß der Zweifel erhoben hätte, von wem die Beantwortung verlangt werden sollte? Was der Erfolg jener Gutachten sein wird, müssen wir der Zukunft überlassen und wollen blos die Ueberzeugung aussprechen, daß weder von den zu Bamberg versammelten noch von den anderen aufgeforderten Rabbinen irgend ein Recht der Gemeinden vergeben wurde *). Aus der Provinz Posen, 1. August. (Privatmitth.) Die Gemeinde von Posen war nahe daran, ihren Seelsorger zu verlieren. Herr Oberrabbiner Salomon Egcr sollte nach Kalisch gehen, wohin er, zur Uebernahme des erledigten Rabbinats, berufen war. Aber er hat — wie wir aus zuverläßlicher Quelle vernehmen — diese Offerte nunmehr ganz entschieden abgelehnt und — bleibt in Posen. Eine gewisse Partei daselbst, welche glaubt, mit dem Verluste des geistlichen Oberhauptes den letzten Halt der Gemeinde zu verlieren, hat sich alle mögliche Mühe gegeben, dem Herrn Oberrabbiner eine feste Garantie für sein auskömmliches Gehalt zu verschaffen; — damit er etwa nicht durch die in der letzten Zeit, ebenso sichtals fühlbar gewordene Unsicherheit seiner materiellen Existenz gezwungen wäre, den Rabbinerstuhl von P. mit dem von K. zu vertauschen; andererseits möge den greisen Rabbi aber auch das fromme Verlangen: „bis an sein Ende (das Gott noch lange hinausschieben wolle!) ras dipa sban zu sei n," in Posen festgehalten haben. Dagegen droht der Gemeinde P. ein anderer Verlust. Herr Prediger Pleßner ist nach Hamburg gereist, um — wie allgemein verlautet — daselbst eine sogenannte Klausrabbinerstelle anzunehmen. — Der Brüderverein hat keinen Kantor mehr. Einer vom Chor verwaltet dieses Amt interimistisch. Herr Prediger vr. Goldstein, gegenwärtig in einem Badeorte, wird durch vr. Deutsch auf der *) Da weiß man nun gerade so viel wie vorher. Redakt.