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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-12 · Heft 33 (12.8.1850) · p. Seite 461

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 33 (12.8.1850)
Date
1850-08-12
Page
Seite 461 (sequence 9)
Language
German
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461 In derMorgeilsitzng desUnterhauses vom 31. Juli erscheint Baron Rothschild, eingeführt von den Herren Wood und I. A. Smith, vor dem Tische des Hauses, und leistet, das Alte Testament in der Hand haltend, den Unterthancneid und den Suprematseid, indem er die ihm vorgelesencn Worte vernehmlich nachspricht. In gleicher Weise spricht er den Äbjurationscid nach, bis er an die Worte kommt: „Auf den wahren Glauben eines Christen". An dieser Stelle der Schwurformel angelangt, sagt er: „Ich taffe diese Worte aus, weil sie mein Gewissen nicht binden", und geht dann rasch zu den Schlußworten: „So war mir Gott helfe!" über, wobei er das Buch an seine Lippen drückt. Der Sprecher verlangt, daß der Baron sich zurückziehc, was dieser auch thut, obgleich von vielen Seiten die Rufe: „Min, nein! Nehmen Sie Ihren Platz ein! Ordnung!" erschallen. Hu me erklärt, das Mitglied für die City von London habe die Eide in der Form abgelegt, welche nach seiner eigenen Erklärung am Meisten bindend für sein Gewissen sei. Daß ec berechtigt sei, dieses zu thun, habe das Haus gestern durch sein Botum entschieden. Er widersetze sich daher der an Rothschild ergangenen Weisung, sich zurückzuziehen. Der Sprecher entgegnet, da das ehrenwerthe Mitglied cs abgelehnt habe, gewisse durch Parlamentsakte vorgeschriebene Worte der Eidesformel zu wiederholen, so habe er ihn aufgefordert, sich zu entfernen, bis er den Willen des Hauses in Erfahrung gebracht haben werde. Sir F. Thesiger stellt den Antrag, daß, da Baron Rothschild, Eines der von der City von London gewählten Parlamentsmitglieder, sich geweigert habe, einen der gesetzlich vorgeschriebcnen Eide zu leisten, eine neue Wahl für die City an seiner Statt ausgeschrieben werde. Wood bemüht sich, zu zeigen, daß die von Rothschild ausgelassenen Worte keinen Theil des Eides bilden, sondern bloße Betheuerungsformel seien, und behauptet, cs komme in dem vorliegenden Falle nur darauf an, daß das Haus entscheide, „ob die Krone hinreichenden Schutz habe". Durch die Gerichtshöfe sei aber praktisch entschieden worden, daß der Eid in der Form, in welcher ihn Rothschild abzulegen bereit sei, der Krone hinlänglichen Schutz gewähre. Wood schließt seine Rede, indem er den Verbefferungsantrag stellt, daß das Haus den betreffenden Sitz im Parlament für besetzt erkläre. Der Generalanwalt hält die Funktionen des Hauses in dem vorliegenden Falle für rein richterlicher Natur. Er wagt nicht, zu behaupten, daß der Baron wirklich den Abjurationseid geleistet habe. Entweder müsse man streng an der Eidesformel festhalten, wie sie gesetzlich bestehe, oder sie durch Parlamentsakte beseitigen. Nach einer länger« Debatte wird der VerdesseruNgsantrag Woods mit 221 gegen 117 Stimmen, und der Antrag Thesigers ohne Abstimmung verworfen. Es wird beschlossen, daß am Donnerstag nm 12 Uhr der Generalanwalt dem Hause eine auf diesen Gegenstand bezügliche, in Gemeinschaft mit der Regierung aufgesetzte Resolution vorlege, die am Montag diskutirt werden soll. —. So weit beruht jetzt die Sache, und wir glauben es der Vollständigkeit, die wir grundsätzlich anstreben, schuldig zu sein, folgende Korrespondenz hierüber noch hinzuzufügen: London, 31. Juli. Die Rothschildsche Angelegenheit hat gerade noch gefehlt, um die Verlegenheiten des Ministeriums vollständig zu machen, welche es sich durch eigne Schuld aufgehalst hat. Zwar ist augenblicklich an einem numerischen Siege der Minister und der Torypartei, gegenüber den mehr entschiedenen Mitgliedern des Parlaments und der City von London, nicht zu zweifeln; aber der moralische Nachtheil für die Whigs wird sehr groß sein. Nach mehrjährigem Harren sind die Wähler der Hauptstadt endlich ungeduldig geworden. Man ließ sich darauf ein, durch einen förmlichen Parlamentsbeschluß den großen Grund- .satz konfessioneller Gleichberechtigung von seiner letzten Beschränkung zu befreien. Das Oberhaus verwarf die betreffende Bill. Lord I. Ruffel brachte sie wieder ein, zwar wiederum vergebens, aber man erwartete, daß er durch seine Un Massigkeit den Starrsinn der Lords brechen werde. Jedoch in der gegenwärtigen Session wurde die Bill, welche jetzt schon zum dritten Male im Unterhause erschien, erst ganz spät eingebracht und so verzagt und kurz befürwortet, daß die Gegner bald wußten, dieselbe werde bei dem bethlehcmitischen Kindermorde (so heißt die jährliche Anzeige der Bills, welche das Ministerium fallen läßt) darauf gehen, und das Ministerium dann und wann höhnend nach dem Wohlbefinden und den Fortschritten seines jüngsten Kindes fragten. Endlich erklärte Lord John, er werde die Bill für diese Session aufgeben. Anders dachten die Londoner, und sie sahen sich, statt des länger« Weges, die Bill durchzubringen, nach 33»

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