Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-12 · Heft 33 (12.8.1850) · p. Seite 459

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 33 (12.8.1850)
Date
1850-08-12
Page
Seite 459 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225694--11187-3241280
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

45!» Sprecher auf, zu erklären, ob er nicht ermächtigt sei, dem Baron in derselben Weise, wie die Richter des Landes, einen Eid abzunehmen. Der Sprecher erwidert, die Forderung, den parlamentarischen Eid auf das alte Testament zu leisten, fei vollkommen neu, und er halte sich nicht für befugt, einen solchen Eid abzunehmen, ohne vom Hause dazu ermächtigt zu sein. Nach längerem Hin- und Herreden kommt man endlich zu dem Beschlüsse, die Debatte bis zum Montag um 12 Uhr zu vertagen. In der Morgensitzung des Unterhauses am 30. Juli wird die Debatte über den Antrag des Sir R. Jnglis, daß das Haus sich weigere, mit Rücksicht auf das Verlangen Rothschilds, die Form der Eidesleistung abzuändcrn, fortgesetzt. Henley, Sir G. Grey und Sir I. Graham sind der Meinung, daß an Rothschild die Frage zu richten sei, weshalb er auf das alte Testament beeidigt zu werden wünsche, und Sir F. Thesiger hält die weitere Frage, ob er ein Jude sei, für nöthig. Osborne spricht die Hoffnung aus, daß der Baron eine solche Frage nicht beantworten werde. Der Schatzkanzler beantragt, daß der Baron Rothschild, eines der Mitglieder der City von London, seinem Verlangen, auf das alte Testament beeidet zu werden, gemäß, vor den Tisch des Hauses geladen und von dem Sprecher gefragt werde, warum er in jener Form beeidet zu werden verlange. Da das Haus diesem Anträge seine Zustimmung giebt, so wird Baron Rothschild hereingerufen, tritt vor den Tisch des Hauses und antwortet, als die erwähnte Frage an ihn gestellt wird: „Weil das die Schwurform ist, von welcher ich erkläre, daß sie am Meisten bindend für mein Gewissen ist." Hierauf zieht er sich zurück. Nach einer weitern Diskussion über verschiedene formelle Punkte äußert S. Wortley, das Verhalten der Freunde Rothschilds scheine ihm ein unüberlegtes zu sein. Es komme dem Hause darauf an, zu wissen, ob Rothschild die aufrichtige Absicht habe, die drei durch Parlamentsakte vorgeschriebenen Eide zu leisten. Er beantragt deshalb, den Baron hereinzurufen und zu fragen, ob er diese Eide leisten wolle. Der Antrag wird mit 118 gegen 104 Stimmen verworfen. Hume bringt den Verbesserungsantrag ein, daß, da der Baron von Rothschild vor dem Tische des Hauses erschienen sei und gebeten habe, auf das alte Testament beeidet zu werden, indem diese Eidesform sein Gewissen am Meisten binde, an den betreffenden Beamten des Hauses die Weisung ergehe, ihm demgemäß den Eid auf das alte Testament abzunehmen. Sir F. Thesizer hält es für unmöglich, beide Fragen zu trennen, «ird bemüht sich, nachzuweiseu, daß alle drei Eide, Parlamentsakten zufolge, in christlicher Form zu leijbm seien. Lord I. Rüssel behauptet, nur durch cinflosilivcs rechtliches Hinderniß dürfe Rothschild von seinem Sitze im Parlamente ausgeschlossen werden. Sei kein solches Hindcrniß vorhanden, so müsse manAlLes thun, um ihm Gelegenheit zu verschaffen, von seinem Rechte Gebrauch zu machen. Er spricht seine Zweifel über die Zweckmäßigkeit der parlamentarischen Eibe im Allgemeinen aus, da sie das Gewissen beschwer! tu und doch keine Bürgschaft für gerechte Gesetzgebung böten. Sir F. Thesiger sei cs nicht gelungen, zu beweisen, daß ein bestimmtes Statut die christliche Eidisform vorschreibe. Er erklärt sich jedoch dagegen, die Worte in der Eidesformel: „Auf den wahren Gleitben eines Christen", ohne Weiteres wegzulassen. Er halte dafür, daß Baron Rothschild den Eid auf das alte Testament leiste, allein er sei dagegen, die Fomel des Abjurationseides ohne die Autorität einer Parlamentsakte» abzuändern. Die Debatte dauert bis 3 Uhr und wird um 5 Uhr, wo die Abendsitzung begingt, wieder ausgenommen. Der Verbesscrungsantrig Hume's wird mit 113 gegen 59 Stimmen angenommen. Da es zu spät ist, um zur Eidesleistuig zu schreiten (einer Parlamcntsakte gemäß dürfen lie Beeidigungen nur in den Stunden zwischen 9 und 4 Uhr stattsinden), so wird die Sache bis zum folgenden Tage um 12 Uhr vertagt. —. Am Klarsten macht die Sachlage eineKorresp. in der K. Z., die so lautet: Mit der Annahme dis Hume'schen Antrages ist die Frage über die Zulassung oder Nichtzulassung Rothschilds zu seinem Sitz im Parlament noch keineswegs entschieden. Zwar ist ihm gestattet, auf das alte, statt auf das neue Testament zu schwören. Doch folgt daraus nicht, daß er die für einen Juden anstößigen Worte: „On the tn« faith of a Christian“, in der Schwurformel des A!>- jurationseides wird umgehen können. Ein naheliegender Ausweg scheint sich allerdings darzubieten; doh ist es leicht möglich, daß die Mehrheit des Hauses denselben als ungesetzlich verwerfen wird. Dieser Ausweg würde der sein, daß Rothschild den parlamentarischen Eid in der für die Katholiken vorgeschrie-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.