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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-12 · Heft 33 (12.8.1850) · p. Seite 457

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 33 (12.8.1850)
Date
1850-08-12
Page
Seite 457 (sequence 5)
Language
German
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457 nur Eine Gemeinde (ohne konfessionelle Unterscheidung) bestehe, und trotz dieses prinzipiell anerkannten Faktums wird doch unter nahe an 1000 Jsraelitenfamilien nicht Ein. Glied derselben würdig befunden, in dem Gemeinderathe die Interessen der Stadt zu vertreten, Keinem unter den vielen angesehenen und wohlhabenden israelitischen Kaufleuten wird die Ehre zu Theil, in die Handelskammer einzutreten! Das Angeführte möge hinlänglich sein, zu beweisen, wie wenig jene Männer den Geist der Verfassung verstehen, und das von Sr. Majestät verliehene kostbare Geschenk konfessioneller Gleichberechtigung in das bürgerliche Leben «inzuführen gedenken, welche mit der Leitung der städtischen Gemeindeangelcgenheiten betraut sind. Aus Mähren, Ende Juli. Die „Brünner Zeitung" weist in einem längern Artikel auf den guten Fortgang der neuen Konstituirung der Gemeinden in Mähren, aus die würdevolle Haltung der Wähler in den meisten Orten und auf die trefflichen Resultate der Wahlen hin. Ueberall sieht man in den Gewählten die Intelligenz vertreten, fast überall beweisen die öffentlichen Freudenbezeugungen, wie Musik, Mörser- Hall u. s. w., welches Verständniß für diesen wichtigen konstitutionellen Akt im Volke lebt. „Die Wahlvorgänge zeigen ferner auch," fügt das genannte Journal hinzu, „daß das traurige Gespenst des Judenhasses nicht, wie Kleinmüthige schon zu fürchten begannen, inner den Marken unsers schönen Vaterlandes heimisch geworden sei, denn an vielen Orten sind die Israeliten bei der Wahl berücksichtigt worden. So sind in der Stadt Groß-Meseritsch sechs Juden im Gemeindeausschuß gewählt worden, und es steht zu erwarten, daß dies bei den nicht beendeten Wahlen noch mehr hervortreten werde." —. Der „Linzer Zeitung" wird aus dem Markte Zwettel soeben nachstehender Vorfall eines bedauerlichen öffentlichen Exzesses mitgetheilt: „Zwei israelitische Handelsleute aus Böhmen wollten am 22. d. M. nebst anderen Marktfieranten am Marktplatze in Zwettel ihre Buden aufrichten und Feilschaften ausbieten. Gew erbseifersucht oder sonstige Mißgunst veranlaßte jedoch mehrere zugereiste Krämer, die Buden der erwähnten Israeliten gewaltsam niederzureißen und Letztere am Wiederaufbaue derselben beharrlich zu hindern. Da das unmittelbare Einschreiten der Ortsobrigkeit in der Person des Marktrichters von den Exzedenten nicht respektirt wurde, so blieb den Beschädigten Nichts übrig, als den Marktplatz zu verlassen und ihre bezügliche Jnjurienbeschwerde bei der Behörde in Linz anhängig zu machen, wozu sie bereits die ersten Schritte gethan haben." Wien, 1. August. Noch immer gehen Berichte aus Mähren ein, denen zufolge Juden als Gemeindevorstände erwählt werden. (Es ist dies eine Gcnugthuung für die jüngsten Auftritte in Mähren.) —. In dem an der Linie Wiens gelegenen Orte Fünshaus ist eine israelitische Betschule errichtet worden. Einem Gesuche der in dortiger Umgebung wohnhaften Israeliten um Bewilligung zur Eröffnung einer israelitischen Privatschule soll, wie wir vernehmen, entsprochen worden sein. —. Aus Preß bürg, 29. Juli, schreibt man: Se. Erz. der kaiserliche bevollmächtigte Zivilkommissär Freiherr v. Gehringer hat, über einen im Einvernehmen mit den zu Rache gezogenen Vertrauensmännern gestellten Antrag des k. k. Ministerialkommissärs des diesseitigen Militärdistrikts, für die noch im Laufe dieses Jahres hierorts zu konstituirende Handels- und Gewerbskammer fünfzehn Mitglieder, worunter ein hiesiger Israelit, und acht Ersatzmänner, worunter ebenfalls ein hiesiger Israelit, zu ernennen befunden. Dieser neuerliche Schritt unserer Regierungsmänner, die zwischen der hiesigen christlichen und jüdischen Bevölkerung zum Schaden Beider bisher bestandenen sozialen Unebenheiten nach Thunlichkeit auszugleichen, dürfte einigermaßen geeignet sein, den Israeliten eine freundliche Aussicht auf eine bessere Zukunft zu öffnen. —. Hingegen hat die Landessinanzdirektion in Böhmen der Kundmachung, durch welche die Verpachtung der Mauthen ausgeschrieben wird, die, wie das Neuigkeitsbüreau rügt, gewiß Nichts weniger als zeitgemäße Bemerkung beigesetzt, daß die Israeliten bei Bergstädten an die früheren in Betreff der Judenpächter bestandenen Verordnungen noch immer gebunden sind. —. In P esth ist eine Kommission zurBerathung der Verhältnisse der israelitischen Bewohner in Ungarn zusammengesetzt. In Ungarn leben ungefähr 300,000 Israeliten, die, mit Ausnahme einiger Gemeinden, in Hinsicht der Schul- und Kirchenangelegenheiten, gänzlich verwahrlost sind, denn die vormärzliche Regierung

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