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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-12 · Heft 33 (12.8.1850) · p. Seite 455

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 33 (12.8.1850)
Date
1850-08-12
Page
Seite 455 (sequence 3)
Language
German
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455 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 4. August. (Privatmitth.) Es ist eine traurige Geschichte, und das Traurigste daran ist, daß sie wahr ist! Unsere Gemeinde befindet sich in einem Zustande der Auflösung, wo zwar noch immer einige feste Brocken im Milchwaffer hcrumschwimmen, und das Ganze gerade noch im Gefäße bleibt — aber mehr auch nicht. Alle Institute der Gemeinde sind dahin. Das Seminar ist aufgehoben. Di*. Zunz erhalt eine Pension von 30V Thlr., die übrigen Lehrer sind verabschiedet. Die Schule ist dahin. Der Plan, dieselbe dem Herrn Horwitz als Entreprise zu geben, «in Plan, der niemals gebilligt werden kann, ist von der städtischen Schuldeputation hintertrieben — und da ist denn gar Nichts. Kurz, es ist hier Alles so, wie es nicht sein sollte, und sicherlich ist dies ein trauriges Resultat einer hundertjährigen Kultur. Die berliner Luft scheint eben nicht befähigt, irgend Etwas zu schaffen. Uebcrall nur Zersetzung, scharfe ätzende Lauge, aber nicht das geringste Element mehr, das die Stoffe binde. Wenn man Kleines Großem vergleichen darf, so siebt die Gemeinde Berlins wie das einige Deutschland aus. Dort die Union der Reformgemeinde, da das Gemeindeplenum zu Frankfurt, hinterdrein der alte Bundestag der Orthodoxen, und darum eben — Nichts! AuS Thüringen, im Juli. Eine Schöpfung des weimar'schen Ministers v.Wydenbrugk ist jetzt auch die Zusammenschmelzung der christlichen und jüdischen Schulen in der Stadt Lengsfeld, zu einer! Kvmmunalschule, an welcher die Lehrer aus beiden Konfessionen den jüdischen und christlichen Kindern Unterricht ertheilen. Dettingen, 1. August. (Berichtigung.) In der Voraussetzung, daß Sie nicht wünschen, Unwahrheiten zu verbreiten, beehre ich mich Ihnen hiemit zu bemerken, daß die Angabe des Korrespondenten aus Mittelfranken in No. 31 der A. Z. d. I., Herr Bergmann aus Jerusalem werde nach hervorgerufenem Beschluss« zusammenberufener Rabbincn in Kleinerdlingcn nur für seine Person die Sammlung verwenden, ganz u n r i ch t ig ist. Jene Rabbinen hatten nur zum Zwecke sich darüber zu besprechen, ob die Klagen über unverhältnißmaßige Vertheilung der nach Palästina fließenden Gelder begründet seien oder nicht. Auch sind zur Herstellung eines rechtmäßigen Verhältnisses bereits Unterhandlungen im Werke. vr. Feuchtwang, Distriksrabbiner. München, 30. Juli. (Privatmitth.) Wenn Ihnen nach langer Zeit einmal wieder von hier aus eine Mittheilung zukömmt, und der Berichterstatter sich veranlaßt sieht, seine Stimme zu erheben gegen einen nur zu lange schon bestehenden Mißbrauch im hiesigen israelitischen Kultus, so beabsichtigt er darum nicht, einzelne Personen oder auch Innungen anklagen zu wollen, wie sehr auch dieselbenAntheil haben mögen, daß die Beschwerde um Abhilfe einen so weiten Umweg machen muß. Der Gegenstand, um den es sich hier handelt, betrifft die Art und Weise, wie in hiesiger Kultusgemeinde die Leichenbestattung vor sich geht. Es ist in der Thal auffallend, wie dieser Gegenstand so ganz außer Acht gelassen wird und die Vorstände nicht wenigstens suchen, den stets bei solchen Fällen sich wiederholenden Klagen insoweit ge-! recht zu werden, als Zeit- und örtliche Verhältnisse dieses erfordern und man bei einem solchen in den Straßen einer Haupt- und Residenzstadt vor sich gehenden Akte nicht gezwungen ist, beschämt die Augen niederzuschlagen. Tritt nämlich ein Todesfall ein und ist die Stunde zur Fortschaffung der Leiche festgesetzt, so fahren Leichenwagen und je nach den Standesverhältniffen des Verschiedenen eine größere oder kleinere Anzahl Mieth-! kutschen vor das Haus der Leidtragenden, wo sichzuj gleich alle Bekannten einsinden, um nach frommen Herkommen, dem Heimgegangenen das Geleite zu geben. Es vergeht aber eine geraume Zeit bis die Leiche in den Wagen gehoben, und zur Abfahrt geschritten werden kann, währenddem die Bewegung vor dem Hause, durch die Masse Neugieriger verstärkt, in gesteigerter Unordnung wächst. Man rennt Straßen quer- und über mit Büchsen zum Einsammeln kleiner Gaben; alle zum Dienste berufenen Personen, sowol die anordnen, wie die, die ausführen, erscheinen in buntscheckiger Alltagskleidung; das Ganze ist so ganz aller religiösen Würde bar, daß es einen peinlichen Eindruck macht, und gar Mancher, den das Pictätsgefühl zum letzten Liebesdienst für den Verewigten heran-

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