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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-12 · Heft 33 (12.8.1850) · p. Seite 454

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 33 (12.8.1850)
Date
1850-08-12
Page
Seite 454 (sequence 2)
Language
German
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454 den gebracht. Dana wird die Wirkung nicht ausbleiben. Ein jüdisches Seminar, eine jüdisch-theologische Fakultät, dann überall jüdische Volksschulen, und in einem Jahrzehend wollen wir uns sprechen. Vier Jahre genügen, um tüchtige jüdische Lehrer zu bilden, andere vier bis fünf Jahre, eine ganze Generation der Jugend zu bilden. Hierbei muß es angegriffen werden. Nicht verkehrt am Ende, ehe ein Anfang gemacht worden. Man hat in Ungarn hie und da Schulen gegründet, und sich die Lehrer von ferne geholt. Das taugt Nichts. Um eine Volksmaffe zu durchdringen, müssen die Hebel und Werkzeuge aus ihrem eigenen Schooße genommen werden — anders kommt Nichts zu Stande. Und dieses Werk muß hergestellt werden, aber nicht klein, unbedeutend, sondern sofort mit großen Mitteln, mit den bedeutendsten Kräften ausgerüstet. Will man es mit der Zeit erst wachsen machen, dann wird die Zeit es überwachsen. Dann erst, wenn diese Institute fast ein Jahrzehend gewirkt haben, dann erst gehet an die Reorganisation der Gemeinden selbst, dann wird überall der Geist sich Bahn geschafft haben, dann macht es sich von selbst, wahrend auf andre Weise künstliche Treibhauspflanzen zum Vorschein kommen, die, des Morgens gepflanzt, des Abends verwelken, das Kikkajon des Propheten Jona! Es würde ein großer Fehler sein, unserm Bedünken nach, wenn man jetzt den Gemeinden einen Zwang auferlegen wollte in Schule und Synagoge. Nein! eine Organisirung des Ganzen muß jetzt ihren wesentlichen Mittelpunkt in der Schöpfung gemeinsamer Anstalten haben, damit auf diesen die benöthigten Männer herangebildet werden, um weiter zu wirken. Denn was bis jetzt den jüdischen Lehrern, und nicht blos in Ungarn, zum Vorwurf gereicht, das ist die halbe, die ungründliche Bildung. Weil sie meist Autodidakten sind, weil sie in der Regel aus der talmudischen Bildung mit Einem Mate in die Sphäre der modernen, humanen Bildung traten, haben sie Nichts genügend verarbeitet, und die Gründlichkeit und das völlig Durchdrungensein fehlt ihnen. Wollet Ihr nun jetzt schon die Gemeinden zu bestimmten Einrichtungen zwingen, so rufet Ihr einerseits den hartnäckigsten Kampf hervor, und habet andrerseits mit geringer Ausnahme nur Halbheiten zu bieten, die ihren Platz nicht ausfüllm. Davor muß man sich hüten. Spore man doch einmal auf, zu experimentiren — sondern gehe naturgemäß zu Werke. Also die Schöpfung gemeinsamer Anstalten. Ein großes, nach allen Richtungen wohl versehenes SemAar, und eine ansehnliche theologische Fakultät. Wenn Ihr diese schaffet, wenn Ihr hierzu bedeutende, nicht einseitige und nicht abgenutzte Kräfte gewinnet — dann habet Ihr die Wünschetruthe angeschlagen, und ein^ lebendigen Quell eröffnet! Sicher wird da der oft gehörte Vorwurf, wieder gesonderte, konfessionelle Anstalten! keine Berücksichtigung finden. Ungarn kann keine anderen Anstalten brauchen. Hier, wo es gilt, Leben zu wecken und zu bilden, kann es nur auf dem Boden geschehen, auf welchem das Leben besteht. Hier wo es gilt, zwischen der Religion und dem neuen Leben zu vermitteln, wo jene dieses durchdringen, aber nicht dieses jene verschlingen soll — da muß von dem ausgegangen werden, was da besteht. Da kann kein abstraktes Prinzip in Anwendung kommen, da können Zwittcrdinge, halbe oder Viertelanstalten Nichts bewirken. Endlich muß doch auf die Beschaffenheit des Landes selbst Rücksicht genommen werden. Erstens steht die ungarische Volksschule, so weit wir davon wissen, noch selbst zu niedrig, als daß sie genügen könnte; zweitens ist die Kirche wieder so erstarkt, und wird ihre Schulen so streng konfessionell einrichten, daß sie für die jüdische Jugend nicht brauchbar sein wirb; drittens nimmt der jüdische Religionsunterricht selbst, wenn er nicht in einem kahlen Katechismusunterricht bestehen soll, einen so breiten Raum ein, daß er nur mit den übrigen Unterrichtsfächern verschmolzen angemessen ertheilt werden kann; viertens steht die jüdische Volksmaffe im Allgemeinen in Ungarn noch so unvermittelt mit den übrigen da, daß es noch manches Jahrzehends bedarf, um sie an Sprache, Sitte rc. einander so nahe gebracht zu sehen, daß der Unterricht der Jugend gemeinschaftlich sein kann. Man wolle doch nicht mit Einem Male erzwingen, was nur langsam werden kann; man wolle doch nicht die Jugend zum Opfer bringen, die sonst in zwei Extreme, die in Schule und Haus dann vorhanden, hineingeschleudert wird! Nehmet Euch wohl in Acht: nicht nach Bildung allein, sondern nach Bildung und Religion zugleich, nach von Religion durchtränkter Bildung, nach religiös-humaner Bildung des Volkes sei Euer Streben — nur dann wird es gelingen. Lasset Euch die Klippen, an denen die Juden in anderen Ländern nur darum nicht gescheitert, weil in unserm Stamme doch der religiöse Kern nicht aufgelöst werden kann, warnen!

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