Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1850)
- Date
- 1850-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XIV. Jahrgang, No. 33. Allgemeine Zejtung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philipps«»«, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zn Leipzig. Leipzig, den 12. August 1850. Dies« Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. urnfaffen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Va Ngr. (18 gGr.) für dos Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Seitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Zweites Sendschreiben an die ungarischen Israeliten. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, aus Thüringen, Oettingen,München. Oesterreichischer Kaiserstaat: Preßburg, aus Mähren, Wien. Großbritanien: London. Literarische Nachrichten: Leipzig, Magdeburg. Leitender Artikel. Magdeburg, 4. August. Zweites Sendschreiben an die ungarischen Israeliten. Es ist gar nicht zu verkennen, daß in Euch, wie im ganzen Ungarlande, eine ungeheure Kraft ruht, die ihrer Entfaltung noch harret. Wahr ist es ferner, daß in früherer Zeit ein großer Alp aus Euch lastete — aber dieser Alp ist entfernt: möge nun rasch die ruhende Kraft sich entwickeln, und Zeugniß von sich geben durch die Schöpfungen, die sie hervorruft. Die Staatsregierung giebt Euch Anstoß dazu; sie schafft Euch Gelegenheit, die nöthigen Gelder zu sammeln, und läßt Vertrauensmänner zur Beralhung zusammentreten. Wird dieser Anstoß tiefer eindringen und Euer ganzes Wesen in lebendige Bewegung versetzen? Die ungarische Judenheithat in dem großen Komplex des israelitischen Lebens bis jetzt gar Nichts geleistet. Wenn Spanien und Italien, wenn Frankreich und Polen ihre Zeit hatten, wenn in dem letzten Jahrhundert Deutschland als Lebensmittelpunkt sich geltend machte: wann hat Ungarn Etwas, das jüdische Ungarn Etwas geleistet? Niemals. Aber sollte es nicht vielleicht jetzt berufen sein? Die Gelegenheit ist günstig, die Veranlassung ist da, die Kräfte vorhanden. Das jüdische Ungarn kann einen Ehrenplatz in Juda einnehmen: es kömmt nur auf seinen Willen an. Es ist jetzt Freiheit der Bewegung da, und dennoch von oben her Anregung, Leitung. Es ist noch keine abgenutzte Ueberbildung, sondern ein großer, noch roher Stoff vorhanden. Es ist dabei an Thatkrast und an geneigten und befähigten Männern in allen Ständen kein Mangel. Was könnte da geschafft werden, wenn diese Männer erstünden, und in Besonnenheit für das Ganze wirksam würden, und wenn sie die rechte Richtung nicht verfehlten! Aber welche würde diese rechte Richtung sein? Vor Allem kein einseitiger Gesichtspunkt! Ebenso wenig darf Konservirung des Alten, ebenso wenig moderne Romantik, ebenso wenig nüchterne Reform auf der Fahne der Strebsamen stehen — sondern allein: Bildung des Volkes, der gesummten Masse! Wahrhafte, vom religiösen Geiste erfüllte Bildung, praktische und religiöse Bildung! Das muß das Schibolet der Strebenden sein — alles Andre überlasset den Gemeinden. Bor Allem schaffet tüchtige Bitdungsanstalten für Lehrer und für geistliche Beamte. Sind die erstda, dann überall tüchtige Volksschulen und überall gebildete Lehrer in die Gemein-