Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1850)
- Date
- 1850-08-05
- Page
- Seite 450 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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450 auch der Umstand, daß Moses schon das Geheimniß verstand, die goldne Bildsäule des Apis zu Pulver zu kaltwm'rm <2. Buch Mos. 32, 20.) — den lebhaften Beweis von den wissenschaftlichen, chemischen und medizinischen Kenntnissen desselben. Wahrend Letztere zu jener Zeit bei allen Völkern, selbst bei denen, die schon im Rufe der Bildung standen, wie bei den Phöniziern und Egyptern, sich im rohesten Zustande befand und in dicken Nebel der Mythologie und Priestergaukeleien gehüllt war, erscheinen uns die trefflichen medizinischen Grundsätze Mosis, die nicht nur damals volle Anerkennung fanden, sondern sich zum Theil auch noch jetzt, zur Zeit der neuern Medizin bewähren, wie leuchtende Meteore am Horizonte der medizinischen Kultur.*) In Ermangelung natürlicher Heilmittel gegen viele schwierige und vorzüglich gegen den größten Theil der inneren Krankheiten, wurden solche Kranke auch von den Israeliten, gleich wie von den anderen Völkern des Alterthums, der Gottheit oder eigentlich der Natur überlassen, und viele Krankheiten wurden auch oft auf diese Weise wirklich durch die Natur selbst, ohne alle Anwendung von Arzneimitteln gehoben. Gebet und Opfer blieben dann gewöhnlich in solchen Fallen die einzige Zuflucht der Kranken und ihrer Angehörigen. — Charakteristisch ist es in der Geschichte der israelitischen Medizin, daß in Fallen, wo die Kuren durch Priester ausgeübl wurden, diese zu solchem Behufe immer nur natürliche Mittel wählten, und das Volk keinesweges wie die heidnischen Priester ihrer Zeit durch Gaukeleien und Beschwörungen der seltsamsten Art zu tauschen und deren Leichtgläubigkeit zu ihrem Vortheile zu benutzen suchten; und wenn uns auch die Bibel Falle vorführt, wo manche ihrer Heilmittel allerdings eine größere Wirkung äußerten, als diese auf natürlichem Wege zu erlangen möglich schien, so darf diese Erscheinung demungeachtet keinesweges irgend einer beabsichtigten Täuschung zugeschrieben werden, sondern muß als eine besondere göttliche Wirkung betrachtet werden. Nicht weniger charakteristisch erscheint es auch, daß die israelitische Medizin keineswegs als ein ausschließliches Privilegium der Priester, blos von Letzteren allein und sonst von Niemanden betrieben werden durfte, wo- *) Nicht uninteressant sind übrigens auch die Stellen in Hiob Kap. 10. V. 8 ff., (selbst wenn wir das Alter dieses Buches bis auf lange nach Moses hinausrücken wollten), welche einen Beleg von einiger anatomischen Kenntniß liefern. durch natürlicherweise auch die Heilung der Krankheiten weniger dem Mißbrauche ausgesetzt, und die medizinische Kultur überhaupt durch diese völlige Unbeschranktheit ungemein befördert werden konnte; ja wenn wir aus der Stelle im 1. B. Mos. 50, 2. auch auf die spätere Zeit schließen dürfen, so scheint damals bei den Israeliten in Bezug des Arztes, auch nicht einmal aus die Konfession desselben Rücksicht genommen worden zu sein, sondern daß bei ihnen vielmehr die Medizin als freie Kunst einem Jeden, selbst dem Nichtisraeliten auszuüben gestattet worden sei. Wol haben jüdische Priester, Propheten und Könige die gewöhnlich schon vermöge ihres Amtes hervorragende allgemeine Kenntnisse und Wissenschaften besaßen, sich vorzugsweise auch mit der Medizin beschäftigt und oft Krankheiten geheilt, ja die Aufsicht über die Aussätzigen und deren liturgische Reinigung fiel vorschriftsmäßig lediglich den Priestern anheim; daß sie indessen nicht die einzigen Aerzte des israelitischen Volkes waren, und daß sich auch Laien (Nichtpriester) mit der Kur der Krankheiten nach Belieben beschäftigen durften, beweisen viele Stellen der Bibel, wo blos von Aerzten, aber nicht ausdrücklich von Priestern die Rede ist. (Bergt. 2. B. Mos. 21, 19. 2. B. d. Könige 8, 29. Ierem. 8, 22. 2. B. Chron. 16, 12.)*) Ja selbst daß die Heilkunde bei den Israeliten zu jener Zeit auch nur durch bezahlte Aerzte israelitischen Glaubens betrieben woben sei, kann weder aus den eben angeführten Bibelstellen, noch aus den Stellen des neuen Testaments, welche alle de Wette (Hebr. jüd. Archäologie §. 271b) als Beweis dafür anzuführen scheint, mit Gewißheit entnommen werden, da diese sich auch ebenso gut auf Nichtisraeliten beziehen können. Mit Salomo beginnt eine neue Epoche der israelitischen Medizin. Von diesem weisen Könige erzählt uns die Bibel unter Anderm, daß seine Weisheit, die unter allen Nationen umher berühmt war, größer war denn die *) Die Behauptung Einiger, wie Michaelis (Mos. Recht Th. I. §. 52) und Curt Sprengel (Gesch. d. Arz. Bd. I. p. 105 u. ibid. 107), daß die Leviten und später die Propheten die einzigen Aerzte der Israeliten gewesen waren, und daß sich außer ihnen Niemand mit der Medizin beschäftigt habe, entbehrt aller geschichtlichen Basis, um berücksichtigt verdient zu werden, und wird diese irrige Meinung schon von Sijbrand und von Cremont entschieden bestritten. (Bergt. Sijbrand 1. c. p. 28 ff.; ibi<l. p. 31 ff. Ludw. Cremont, de Ebr. veter. arte medica p. 15 ff. Eliasberg, Temim. Deoth. p. 115.)