Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1850)
- Date
- 1850-08-05
- Page
- Seite 448 (sequence 12)
- Language
- German
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448 dunkel christlicher Gelehrten gegen ihre jüdischen Genoffen und theils in deren Unkennlniß der in radbinischen — unpunktirtcn — Schriftformen geschriebenen jüdischen Literatur seinen Grund. Wenn aber ein Israelit bloße Hypothesen äußert, worüber ihm die jüdischen Werke über die Massora wol eines Bessern belehren konnten: so verrath dies entweder eine unverzeihliche Gleichgiltigkeit oder vielleicht gar eine Unkenntniß dieser Literatur, ohne deren Bekanntschaft kein Jude über die biblische Schreib- und Leseweise etwas veröffentlichen sollte! Vor allen Dingen möchte ich den Herrn Levi auf einen groben Sprachschnitzer aufmerksam machen, wenn er annimmt, daß das akzentuirte „nat", welches nicht als Akkusativzeichen unmittelbar vor einem Hauptworte steht, zum bloßen Nachdrucke—wie etwa in den abendländischen Schriften die gesperrt gedruckten oder unterstrichen geschriebenen Wörter — stehen; da vielmehr in diesem Falle das Wörtchen „ntf" ein pronomen demonstrativum ist (gerade, wie im Deutschen die Artikelformen „den, die oder das zugleich als abgekürzte Fürwörter denjenigen oder denselben u. s. w. gebraucht werden; wobei bekanntlich die sonst tonlose Artikelform gleichfalls betont ist). Ebenso ist bb in diesen Fallen nachdrucksvoll mit „Jegliches" oder „Jedes" statt mit dem Wörtchen „all" zu übersetzen. Diese logische Anwendung übt aber auf die (massoretische) euphonische Punktarion oder Akzentuation gar keinen Einfluß (vergl. ^bdr^bs 2 Mos. 20, 11.). Dahin gehören nun die von Herrn Levi angeführten Zitaten 1 Mos. 49, h 4 Mos. 23, 12. 26., worauf auch jedesmal — wie im Deutschen hinter dem Komma — das Relativpronomen oder vielmehr die Relativpartikel „‘-ibtt" folgt. Was nun die Akzentuation der unmittelbar vor Hauptwörtern stehenden Akkusativpartikel DK (und der Nummeralpartikel VZ) anlangt, so hatte Herr Levi unter mehreren anderen Schriften über" die Massora nur das schätzbare Merkchen 'ttzwn) des sel. Wolf Heidenheim, welcher bedeutende Kritiker der biblischen Massora leider noch allzuwenig benutzt wird, fleißig Nachlesen dürfen; und es würden ihm dann die reinmassoretischen — öder auch blos euphonischen, aber nicht logischen — Zwecke der Akzentuation bei dergleichen Partikeln so einleuchtend geworden sein, daß er nicht auf eine Hypothese gerathen wäre, die von dem Geiste der hebräischen Sprache so weit entfernt ist, wie die ebenfalls christliche Hypothese: als stände das verkehrte „c" (wie z. B. 4 M. 10 vor Vers 35 und nach V. 36, dann mehrmals im Ps. 107) an der Stelle der in abendländischen Schriftsprachen üblichen Klammer. Doch wir wollen dem Herrn Levi, so wie den Freunden der biblischen Massora die Mühe des Nachlesens in den genannten und in anderen Schriften durch folgende Hauptbemerkung ersparen: Von den einsilbigen Partikeln wie btz, b?, 1?, H«,; bi$ und n», welche bekanntlich größtentheils, anstatt mittelst eines Bindeakzents, betont, blos makephirt sind, unterscheidet sich Letzteres dadurch, daß es in seiner Grundform eine lange und zugleich mit einem Konsonant geschlossene Silbe bildet; welche darum nach den ebraischen Leseregeln entweder einen Wortton haben oder ihren langen Vokal verkürzen muß. Wo deshalb bei demselben ein Akzent nach den massoretischen eupbo- Nischen Gesetzen über die Bedingungsweise und Ordnungsfolge der Akzentengruppen nicht Platz greifen kann, verkürzt sich die bloße Akkusativpartikel in. im entgegengesetzten Falle erhält sie — insofern nämlich das darauffolgende Wort noch in einer engern Verbindung mit dem benachbarten von einem Satztrennerakzent begleiteten Worte steht — einen der kleineren, d. h. blos formellen Satztrenner, weil es — wie gesagt — dem Satzvcrbinder (Accentus conjunclivus) das Makeph vorzieht. Aehnlich verhalt es sich mit der Nummeralpartiket bb (oder bs), die — obgleich sie mehr zu den Nominibus gehört — ihrer häufigen Erscheinung halber, ebenfalls meistens das Makeph annimmt, wo sonst ein Bindeakzent stehen müßte. Diese allgemeinen Grundsätze in Verbindung mit den subtilen Akzentuationsregeln — die aber ihrer Weitläufigkeit wegen hier nicht auszuführen, sondern in dem erwähnten hebräischen Werke nachzulesen sind — vermögen alle die von Herrn Levi zitirten Stellen auszuklären; was bei etwaigen neuen Zitaten ebenfalls möglich sein wird. Nämlich: 3) 1 Mos. 22, 22. brr.^nL ran. Weil das Silluk nur dann ohne einen Bedienungsakzent stehen kann, wenn der Schlußsatz des Verses aus einem Worte besteht, z. B. yj^an (1 Mos. 41, 22.); oder wenn die betonte Endsilbe des einen Wortes, welche auf die betonteAnfangssilbe des andern Wortes stößt, offen ist, d.h. auf einen Vokal endet, z. B. weil in diesem Falle bekanntlich der Wortton entweder zurückgehen (‘Tina :n03) muß — was jedoch in obiger Stelle bei einem Fotgeworte, welches mit einem Halblaut (Sch'wa) beginnt (bannä) unzulässig ist — oder durch Makeph ganz weg-