Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1850)
- Date
- 1850-08-05
- Page
- Seite 447 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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447 zu wirken vermag. Freilich mag auch hinter diesem Palladium mancher Treulose Schutz finden, indem er sich weniger um den wahren Fortschritt der Schule, als um die Gunst des Herrn Inspektors bewirbt, oder denselben durch einige sogenannte Paradepferde zu tauschen vermag, wodurch er sich also ebenfalls unangreifbar machte, allein was wollen diese Eknzetfalle gegenüber der großen Vortheite sagen, die dieser Einrichtung entsprossen. Es wäre der jüdischen Schule gewiß unmöglich gewesen, sich zu dem zu erheben, was sie ist, wenn siie je dieses Schutzes hatte entbehren müssen. Wie straff mußten dieAügel angezogen werden, wenn aus den Chedorim, dke eben so vieleJnspektoren und Herren, als Familienvater hatten, Schule und die Rebbes mit Lehrern und Erziehern vertauscht werden sollten.*) Noch heute wo den Veblendetsten selbst die Nothwendigkeit der Schute einleuchtet, und sei es auch nur um der materiellen Vortheile, die sie dem kommerziellen Leben darbietet, ist in manchen Gemeinden Lehrer und Schule unausgesetzt der Gegenstand der heftigsten Angriffe, die jedoch unter dem Schuhe des Gesetzes wirkungslos zurückgewiesen werden. Wie sehnt sich da Mancher, der vielleicht dies oder jenes an der Schute zu tadeln hatte, oder dessen Misgunst auf sich zu laden, der Lehrer das Unglück hat, nach jenen alten, guten Zeiten, wo man dem Lehrer das Kind und Einkommen entziehen oder ihn gar in alle Welt schicken konnte! Jedoch tragt die Nutzlosigkeit solcher Versuche den Nutzen, daß das Bewußtsein der Unverletzlichkeit des Lehrers alle Schichten durchdringt und ihm selbst mit der Zeit jede derartige Unannehmlichkeit erspart sein wird. So findet man denn hier jüdische Schule an Schute, nicht selten mit 2, 3 und 4 Lehrern, in schönster Wirksamkeit, fast jede Stadt zählt unter ihren Merkwürdigkeiten ein jüdisches Schulhaus. Eine größere Aufgabe erfüllen diese Anstalten noch in den weniger intellegenten Gemeinden, wo sie die einzigen Zufluchtsstätten jeder Kultur sind. Während außerhalb derselben nur der leidige, grelle Jargon des jüdischen Kauderwelsch gesprochen und seine Wörter mit allen Fremdlingen und Mischlingen, Franzosen, Polen, Hebräern und Türken die Judengasse ertönen machen, und während sich da das Jntresse um die kleinlichsten Dinge der Heimarh dreht, hört *) Wir glauben jeder Schilderung dieser Ehedorim enthoben zu sein, da sie in ihrer ganzen Niedrigkeit und verderbenden Kraft bereits genugsam gekannt sein werden. man in den Schulen ein schönes, gefälliges Deutsch, arbeiten die Lehrer für die Veredlung der Jugend und führen ihre Blicke hinaus auf das große Ganze und befreien dieselben von dm hemmenden Binden der Unwissenheit, des Aberglaubens und des Fanatismus. Während man außerhalb noch an der Zeremonie klebt und den Geist der Religion erdrückt, führen die Lehrer die Jugend auf die Höhe geistiger Anschauung der Lehre Gottes. *) — In vielen Gemeinden prangen auch schöne und große Schulgebäude, nicht selten mit großem Kostenaufwands und grotzer Pracht gebaut, und wenn auch mancher Ultra- Ortodoxe brummend vorrübergeht, so wird er sich heimlich doch die Freude nicht verhehlen, die ihm bei der Einweihung dieses Hauses, oder in dem Augenblicke beschleicht, wenn es allerseits mit Rühmen gedacht wird. Wenden wir nun unfern Blick auf die Hauptsache, auf das innere Leben und Wirken der hiesigen jüdischen Schule, so glauben wir es wohl behaupten zu können, daß es in schönster Blüte begriffen ist und eine reichhaltige Ernte verspricht. Ehe wir jedoch unser Urtheit hierüber begründen und das Einzelne ausführen, ist es nothwendig, daß wir vordem Alles beachten, was der jüdischen Schule entweder als fördernd zu Theit wird, oder ihr hemmend entgegentritt. Hierzu gehört 1) die Beachtung des Bodens, auf welchem zu arbeiten, der jüdische Lehrer verwiesen ist, 2) der oft ekgenthümliche Bildungsgang des Letztem, 3) die Lage der Gemeinden, und 4) das geistliche Jnspektorat. Wir hoffen, daß dann die Schlußfolgerung bei Allen eine gleich erfreuliche sein wird. Gustav Gottheil. (Fortsetzung folgt.) Ueber die massoretische Pmiktation von n» und. n$. Eine Berichtigung der in diesen Blattern hierüber geäußerten Ansicht des Herrn Levi. (Durch die Buchhandlung verspätet.) Wenn christliche Grammatiker und Lexikographen der hebräischen Sprache die Goldkörner in der jüdischen Literatur für ihre Zwecke allzuwenig benutzen: so hat dieses theils in dem leider noch nicht verschwundenen Eigen- *) Wie schwer jedoch dann ein solches Wirken ist, und welche Anerkennung dann solchen Arbeitern im Weinberge des Herrn gebührt, wird des Ausführlichem spater noch dargethcrn werden.