Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1850)
- Date
- 1850-08-05
- Page
- Seite 446 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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446 so zurichtet, daß sie in den Händen des Volkes als Münzen gäng und gäbe wird. Was würde das edelste Metall aber nützen, wenn es zum allgemeinen Gebrauche nicht eingerichtet wird! Und was könnte besonders der Seelsorger für Wirkung in einer Gemeinde sich versprechen, wenn der Lehrer den Boden nicht erst urbar gemacht hatte für die Empfangniß des Samens, und was mag wol schwerer sein, den harten, steinigen Boden zu lockern oder den Samen auszuwerfen? Wie waren alle diese schönen Prediger im wahren Sinn „Stimme der Prediger in der Wüstes wenn jener Mann, der dort im Winkel der Synagoge unbeachtet, vielleicht im abgeschabten Rocke steht, die Zuhörer nicht erst zu hören und zu sehen und zu fühlen fähig gemacht hatte? Darum konnte auch für die Bestimmung dieses Ihres Blattes die jüdische Schule nicht ohne Beachtung bleiben, Sie mußten Gelegenheit schaffen Wohl und Wehe, Mangel und Vortheile derselben öffentlich zu besprechen. Allein, es ist wol die Gelegenheit von dem jüdischen Lehrerstande nicht so ganz erfaßt worden, als man erwartet hätte, was um so befremdender ist, wenn man noch hiezu denkt, daß die Zeitung des Judenthums zugleich als ein jüdisch-pädagogisches Blatt fungiren muß. Wir besitzen noch kein derartiges, und so trefflich auch die übrigen pädagogischen Zeitschriften sein mögen und so vieles Lehrreiche und Interessante sie auch für die jüdische Schule darbieten, so hat Letztere gewiß so Manches, was in den christlichen Blättern keine Besprechung findet. Wir führen unter Anderm nur den Religions- und hebräischen Unterricht an, von denen namentlich Letzterer häufig noch sehr im Argen liegt, und den der frische Lebenshauch der Pädagogik noch nicht erregend durchweht hat. Auch im biblischen Unterrichte können die sonst guten Arbeiten christlicher Pädagogen von jüdischen Lehrern nicht ganz benutzt werden. Hierzu noch die eigenthümliche Stellung des jüdischen Lehrers gegenüber den verschiedenen religiösen Parteien in den Gemeinden, gegenüber dem jüdischen Seelsorger und dem christlichen Inspektor und was es des Schwierigen und Eigenthümlichen noch so Vieles giebt! Was wir aber noch besonders vermißten, das waren Urtheile und Ueberblicke über den Stand der jüdischen Schulen einer Provinz oder eines Staates, über Hebung und Fortschritte einer Gesammtheit dieser Heilsanstalten des Volkes. Die bisherige Betheiligung des Lehrerstandes an diesem Blatte beschrankte sich auf Berichte von einzelnen Gemeinden, was doch in weiter Ferne nur wenig Interesse bieten kann, oder es waren polemksirende Artikel gegen die eine oder die andere Persönlichkeit, die ebenfalls für diejenigen nur wichtig sein kann, die in der Nahe derselben wohnten. Wir wünschen aber mehr Allgemeinnützliches, Interessen der Schulen und nicht einer einzelnen, mehr Beachtung des gesummten Lehcerstandes als einzelner Lehrer, Mittheilungen der Erlebnisse auf dem jüdisch-pädagogischen Gebiete, Rathschläge, Warnungen u. dgl. m. So wollen wir denn versuchen, so weit möglich, ein Gesammtbild der jüdischen Schulen hiesiger Provinz zu entwerfen, ihren Standpunkt, ihre Kräfte, ihre Fördcrungsmittel und Hindernisse, ihre Aussichten für die Zukunft darzustellen, und sollte uns dies auch nur mangelhaft gelingen, so waren wir dennoch zufrieden gestellt, wenn wir dadurch in dem jüdischen Lehrerstande eine lebendigere Theilnahme angeregt hatten! Wohlauf, Kollege! erfassen wir diese Gelegenheit zur fortdauernden Besprechung dieser wichtigen Interessen des Volkes, in dessen Mitte zu wirken wir gewürdigt sind, und zeigen wir, daß wir mehr und mehr uns bewußt werden, jüdische Lehrer zu sein, die in dem Strome der allgemeinen Forschung nicht beachtungslos untergehen, sondern die auch ein eignes Gebiet zu bauen und zu warten haben! I. Ein Korrespondent dieses Blattes aus unsrer Provinz nannte die hiesiger, jüdischen Schulen fammtlich Kinder des Gesetzes von anno 33. Nun, uns daucht, wir dürfen dieser Mutter gerade nicht ganz abhold sein, was auch vom hohem politischen Standpunkte dagegen eingewendet werden möchte. Nicht allein, daß der in vielen tausend Adern sich verzweigende Einzelwille in den jüdischen Gemeinden in ein einziges Bett gezwungen und so für die Gesammtheit wirksam gemacht wurde, sondern diese, freilich etwas strenge Mutter gab durch die Gleichstellung der jüdischen Schulen mit denen der anderen Konfessionen Elfteren eine feste, solide Stellung und sicherte den Lehrern eine Unabhängigkeit, wodurch es ihnen möglich wurde, trotz aller Anfeindungen und sonstigen Hemmnissen festen Fuß zu fassen und ungehindert ihre Bahn zu gehen. Die Unverletzlichkeit des Lehrers, so lange er seinen Pflichten genügte, die Unabhängigkeit von den einzelnen Gemeindemitgliedern, und der Schutz, der ihm von der Regierung zu Theit wird, das find Stützen, auf denen der treue Lehrer so unendlich Segensreiches