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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-05 · Heft 32 (5.8.1850) · p. Seite 445

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 32 (5.8.1850)
Date
1850-08-05
Page
Seite 445 (sequence 9)
Language
German
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445 beUfyzt wird, die praktisch in das Leben clngreisen, tat der Geographie, Geschichte, Mathematik und NatumSfsenschaften, in der Musik rc. nur dann waren rvir enianzipirt; nur dann würden die uns neulichst gegebnen Verheißungen sich verwirklichen und zur Wahrheit werden müssen, trotz allen Straubens von Seiten der Regierungen. Gleichwie der Zeiger einer Uhr unablässig und in einer gewissen Ordnung vorwärts und nie rückwärts Heht, wenn nur das Räderwerk so ist, wie es sein soll, — so kann auch Israel nur zum wahren Wohle gelaivzen, wenn für die dazu bedingte Nothwendigkeit, d. i. für tüchtige Schulen mit allem Eifer gesorgt wird. Es gab eine Zeit, wo man diese Nothwendigkeit schon einzusehen anfing, und hier und da muthig an's Werk Sing, zeitgemäße Schulen zu gründen. Doch jener Eifer war nur vorübergehend. Viele der zweckdienlichster jüdischen Schulen liegen heute ganz zerfallen, viele sind) in zunehmendem Fallen begriffen. Es scheint, als ob seit den Märzstürmen, seit jenen Tagen, wo uns das tzn'ßverlangte Geschenk der Emanzipation wurde, auch «lies Streben für das Heil des Judenthums von seinen etzenen Bekennern zu Grabe getragen worden. Wie :nrkümmert ihr doch selbst die Freude über solch kostbares Geschenk, dessen Werth ihr vielmehr durch die richtige Pflege zur wahren Geltung bringen solltet! Die für alles jüdische Interesse wirklich fruchtbare Zeitung des Judenthums hat schon zum Oestecn mb mit anzuerkennender Begeisterung für die Hebung der jüdischen Schule an die Gemeinden das Wort gerichtet. Möge sie sortfahren und sich abschrecken lassen durch die tapfer um sich greifende, gräßliche Gleichgiltigkeit in Jsii»t«l. Wenn wir nicht dahin zurückkehren wollen, wo wir Jahrzehnten waren, dann ist Einigkeit eben jetzt das Nöthigste, damit das Größte geschaffen werde, Ischls Wohl. Das aber kann nur hervorgehen aus der z«rtgemaß eingerichteten, kräftigen jüdischen Schule. Willebadessen bei Paderborn. Eduard Wolffberg. Großherzogthum Posen, Monat Jnli. Ueber die jüdischen Elementarschulen des Gnjrherzogthnms Posen. Sie haben, hochgeehrter Herr Redakteur! mit richtiger Beurtheilung der Verhältnisse die Spalten Ihres Blattes auch Abhandlungen über das jüdische Schulwesen geöffnet, und wenn schon ein Jeder, der die Entwickelung unsers Lebens und Wirkens mit w.ihrem Interesse verfolgt, Ihnen hierfür dankbar ist, so ist es insonders der jüdische Lehrerstand, der Ihnen die Anerkennung nicht versagen kann, daß durch Sie ein so innig gefühltes Bedürfnis wenn auch nicht ganz, doch insoweit es Ihnen möglich, ausgefüllt wurde. Die Schule, und gerade die Elementarschule ist anerkannter Weise ein so bedeutender Faktor für den Entwickelungsgang des menschliches Geistes, sie ist, als Vorbildnerin für die Kirche, für alles religiöse Leben von so hoher Wichtigkeit, daß seit langen Jahren über die Stellung beider zu einander ein so heftiger, so erbitterter Kampf geführt wird. Und das mag den Freunden der Schule nur ein um so erfreulicheres Zeichen sein! Denn der Augenblick, wo dieser Kampf begonnen, war auch unbedingt der erste, in welchem die Schule in ihrer ganzen hohen Bedeutsamkeit begriffen wurde, in welchen man in diesen, th^ils so gering geachteten, theils auch ganz verachteten Anstalten den Keim großer Bewegungen des Menschengeistes ahnte. Nicht das eine oder das andere philosophische System, daß ein bücherstaubiger Theoretiker als himmlisches Licht vom Katheder herabreicht, nicht diese oder jene Theorie der Staatsverfassungen, deren Lehrer sich oft einbilden, den archimedischen Punkt gefunden zu haben, von wo aus sie die Menschheit zum Heile zu leiten vermeinen, nicht die erbitterten Fehden der Theologen, nicht die hinreißendsten Redner und Prediger wirken so unbedingt auf Volks- und Religionsleben, als es der so gering geachtete, im unbekannten Dunkel der Schule wirkende Lehrer, den wir (die Herren mögen es verzeihn!) hier in die Reihen der Hochgelehrten zu stellen wagen! Ihm allein ist es in die Hand gegeben, das Volk, die große Gefannntheit weiter zu führen auf der Bahn der Bildung und der Erkenntniß, er allein ist der Apostel, der die Theorieen der Gelehrten bis in die verborgensten Winkel der Erde tragt und lebendig werden läßt, während jene großen Herren nur einer kleinen Anzahl von Menschen ihre Wirksamkeit angedeihen lassen und uns will bedünken, daß ein Fortschritt des Menschengeistes nicht durch Einzelne, sondern durch das Durchdrungensein eines ganzen Menschengeschlechtes von seiner Idee abhangt! Der Lehrer ist die Mittelsperson zwischen den sich offenbarenden Gelehrten und dem staunend zuhörenden Volke, er ist die Hand, die die durch die Ersteren aus dem Schachte gezogenen großen Metallstücke in kleinereTheike zerlegt und 32*

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