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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-08-05 · Heft 32 (5.8.1850) · p. Seite 438

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 32 (5.8.1850)
Date
1850-08-05
Page
Seite 438 (sequence 2)
Language
German
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438 In Rom und kn Hispanias Landen, Im Franken- und im deutschen Reich, Auf Fluren kn des Morgens Landen Seht Zhc den Helden siegesreich! Und meint Ihr, daß im alten Herzen Nun fehle frische Lebenskraft, Da er durch so viel tausend Schmerzen Sich immer sich're Bahn geschafft: So schaut, wie er im jüngsten Kampfe Noch rüstig seine Lanze schwang, Und furchtlos in dem Pulverdampfe Die alte Siegeshymne sang. Und den, der auf dem grauen Haupte Jahrtausende mit Stotze trägt, Den manche Siegespalm' umlaubte Im langen Leben kampfbewegt: Dies graue Haupt, den alten Helden Wagt Ihr zu schmähen frevelhaft, Jn's greise Antlitz ihm zu schelten. Da er sein altes Recht sich schafft? O, fürchtet seines Gottes Strafen, Der ihm ein Schild und Schutzwehr ist. Daß Ihr das Alter macht zum Sklaven, Und so die große Lehr' vergißt Des Weisen, der einst trauernd klagte Um Hellas, dessen Stütze brach, Weil es die freche Jugend wagte Zu reden, wo ein Alter sprach! Leitender Artikel. Magdeburg, 1. August. Erstes Sendschreiben an die ungarischen Israeliten. Ihr, Israeliten Ungarns, stehet jetzt in einer eigenthümlichen Zeit, in Verhältnissen, wie sie nicht oft wiederkehren, an einem Scheidewege, der wohl zu überschauen ist, bevor Ihr weiter schreitet. In einer solchen Zeit höret man wol auch gern das wohlgemeinte Wort eines Freundes — und auf diese Bezeichnung machen wir Anspruch in allen Angelegenheiten unserer Glaubensgenossen — eines Freundes, und wenn er auch weit entfernt ist, und wenn er auch nicht im Stande ist, alle Eure Verhältnisse bis im Detail zu kennen. Ein Aufruf von außen, von der Ferne pflegt ja sonst wol williges Gehör zu finden, weit er eben als unparteiisch vorausgesetzt werden kann, und weit er ein Zeichen ist, daß die Aufmerksamkeit dahin gerichtet ist, wohin ec ergeht. Es ist für Euch eine neue Zeit angebrochen! Um was seit Jahrzehenden gekämpft worden, was mehrere Mate in dem Augenblicke wieder auf lange zurückwich, in welchem es von Euch erreicht schien, die bürgerliche Gleichstellung, sie ist Euch geworden. Zwar die Ausführung dessen, was die Konstitution vom 4. Marz als Prinzip aufgestellt hat, wird in engen und weiten Kreisen noch Kampf und Anstrengung genug kosten; bald hier, bald dort werden an den verschiedenen Orten noch Hindernisse und Schwierigkeiten genug erhoben werden — aber muthig hindurch! Die kaiserliche Staatsregierung wird das eingesetzte Wort lösen, die Massen der Völker werden sich immer mehr daran gewöhnen, und die Behörden und Magistrate werden nicht mehr zögern und Anstand nehmen. Hat in Preußen die bürgerliche Gleichstellung der Juden irgend einen Aufhalt gefunden? ist daraus irgendwo Haß und Mißgunst erstanden? Nein! So wird auch im österreichischen Kakserstaat dieser große Akt der Gerechtigkeit und Liebe immer mehr zur Wahrheit werden, und seinen reichen Segen Allen zuwenden. Aber, fürwahr! es handelt sich bei Euch, ungarische Israeliten, noch um mehr, um bei Weitem mehr. ES gilt bei Euch nicht blos, dieses und jenes, Euch bis jetzt versagte Recht nunmehr ausüben, dieses und jenes Unrecht, das auf Euch lastete, nunmehr in Wegfall bringen — nein! es gilt bei Euch um und um eine Regeneration, eine Verjüngung, eine Umgestaltung, eine Belebung des Geistes! Ich meine wahrlich! nicht etwa diese oder jene Reform des Kultus, einige neue, glanzende Formen für den Gottesdienst — nein! eine Belebung und Verjüngung des ganzen Wesens von innen heraus! Wie eS eine vieljahrige Beobachtung mich gelehrt, so litt die ungarische Judenheit an einem Uebel, an welchem ganz Ungarn litt, an einem Uebel, das in einem Wolke, je mehr es wächst, desto nachtheiliger, desto unheitvotlee wird, nämlich: daß in einem Theile, in einer kleinern Schicht des Volkes die Bildung einen überschnellen, überweiten Fortgang nahm, wahrend die anderen Theile, die anderen, an Umfang bei Weitem größeren Glieder in

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