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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-29 · Heft 31 (29.7.1850) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 31 (29.7.1850)
Date
1850-07-29
Page
Seite 431 (sequence 11)
Language
German
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431 Literarische Nachrichten. Magdeburg, 21. Zull'. Biblisch -talmudrsche Medizin Erste Abtheilung: Allgemeine Einleitung, mit Einschluß der Geschichte und Literatur der israelitischen Heilkunde. Materia medica und Pharmakologie der alten Israeliten. Nach den Quellen in gedrängtester Kürze bearbeitet von R. I. Wunderbar. Riga und Leipzig, 1850. Wir freuen uns jedes Mat, wenn auf dem Gebiete unsrer Literatur ein gründliches und tüchtiges Werk erscheint, das einen bedeutenden Gegenstand zu einem gewissen Abschluß bringt, daß wir auch über das vorliegende nur unsre Befriedigung, und den Wunsch, daß die folgenden Abtheilungen bald folgen mögen, ausdrücken können. Der Vers, behandelt in der „Einleitung" zuerst die „Geschichte der israelitischen Heilkunde". Nachdem er dieselbe angemessen eingetheitt, spricht er ausführlich über den „Ursprung und Verlauf derselben", skizzirt dann das „System und den Charakter der israelitischen Medizin", und die „Disziplin" derselben. Hieran schließt sich eine Aufzahlung und kritische Besprechung der Maße, Gewichte, Instrumente und Apparate, die in ihr Vorkommen, und eine „Literatur der israelitischen Medizin". Die erste Abtheilung enthalt nun eine Materia medica (A. Hausmittel [56 Nummern), B. Arzneimittel a. einfache [86 Nummern), b. zusammengesetzte [22 Nummern) ) und Pharmakologie der Israeliten. Ueberall leuchtet der außerordentliche Fleiß, die Sachkenntniß und der gute Blick des Verfassers vortheilhaft hervor. Wir geben hier, um dem Leser eine Ansicht von der Behandtungsweise des Autors zu verschaffen, den ersten Theil des Kapitels „über den Ursprung und Verlauf der israelitischen Heilkunde." Ursprung und Verlauf der Heilkunde bei den Israeliten. Von R. I. Wunderbar. (Aus dessen „Biblisch-talmudischer Medizin. Abth. I. Riga und Leipzig, 1850.) Forschen wir vor Allem nach dem eigentlichen Ursprünge der israelitischen Heilkunde, so lehrt uns die öftere Beobachtung an rohen Völkern, daß die Medizin auch bei den Israeliten, so lange dieselben noch aller Kultur entbehrten, schwerlich als Kunst oder Wissenschaft entstehen konnte. Denn der Gebrauch der Vernunft zur Aufstellung allgemeiner Grundsätze und Regeln, ist unkultivkrten Völkern zu allen Zeiten fremd gewesen. Deshalb finden wir weder in profanen Schriften, noch in der Bibel bis auf Abraham, den eigentlichen Stammvater der Hebräer oder Israeliten, die mindeste Spur von irgend einem Arzte, irgend einer chirurgischen oder geburtshilflichen Operation, oder auch nur von irgend einer unbedeutenden innern Kur unter denselben. — Die kabbalistische Sage von Sem und dessen Abkömmlinge Eber, nach welcher dieselben schon im Besitze einiger Kenntniß von Heilkrautern und arzneilichen Wurzeln, so wie von Zauberformeln und sympathetischen Sprüchen gewesen sein sollen, die von Chanoch herrührten, und die sie zur Heilung der Krankheiten mit gutem Erfolge anzuwenden gewußt hätten, ist zu unwahrscheinlich um hier berücksichtigt werden zu können *). Erst bei Abraham, der stch schon früh vermöge seiner erlangten Erkenntniß des reinen Bernunftglaubens vor allen anderen damals lebenden Individuen sehr auszeichnete, bis es endlich dem Herrn gefiel, sich ihm zu offenbaren und ihn dergestalt in der Erkenntniß zu vervollkommnen, daß ec zum Vorbilde vieler Generationen ausgestellt werden konnte, und der mithin auch schon an Bildung ziemlich herangeschritten sein mußte, dürfen wir allerdings einige medizinische Kenntnisse mit Recht vermuthen. Der talmudischen Sage nach (vergl. Talm. *) Diese Sage ist übrigens unter mannigfachen Modifikationen schon früh im Morgenlande, sowie auch unter den Griechen allgemein verbreitet gewesen; wobei die verschiedenartig vorkommenden Namen: Edris, Jdris, Hürmüst, Hermes Trismegistos und Henoch mit dem biblischen Namen Chanoch (*ps-n) als identisch zu betrachten sind. Nach den Griechen war gedachter Hermes ein Schüler des Jsklius (Aeskulapus) und der Erste, welcher die Medizin (Zauberei) und Alchymie begründete. Auch Abulfaradsch bemerkt, daß Henoch und Hermes Tri§- megistos identisizirt werde, und daß Henoch mit dem Jdris der Araber eins sei. Ferner bemerkt derselbe, daß nach der Tradition, dieser Hermes seine trefflichen Lehren von dem Egyptier Agathodamon, welcher wieder mit Set, Adams Sohn, identisizirt werde, empfangen haben soll. Nach Anderen, berichtet er ferner, sei Hermes (Henoch) der Lehrer des weisen Königs Asklepiades gewesen, und habe Letzterer aus Schmerz über die Hinwegnahme dieses seines Lehrers von der Erde, sich ein Bild von ihm gefertigt und es hochgeehrt, wodurch er Veranlassung zum Bilderdienste geworden sei. (Vergl. darüber Sohar Parascha Bereschit. Soharchadasch P. Teruma. Sepher Rastel p. 1, 2 und 31 a. Abulfeda hist. comp, dynast. p. 9 u. 10. Ejusd. Chron. Syr. p. 5 u. 6. Coran sur. XIX. 54. Nesselius Or. Blülh. s. v. Henoch, p. 312. Bartoloccie Bibi. Rabbin. P. II. p. 845. D'Herbelot Orient. Bibliothek. Bd. 2. S. 724.)

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