Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1850)
- Date
- 1850-07-29
- Page
- Seite 430 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225692--11156-3241247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
430 Aus Kroatien, im Juni. Der „Lloyd" enthält Folgendes: Schließlich eine Anekdote nach dem Leben gezeichnet. In Warasdin sollte unlängst Behufs der Eruirung eines polizeilichen Verbrechens der Marqueur eines Gasthofes einvernommen werden. Er wurde nach Geburt und Wohnort befragt und nannte die katholische Religion als seinen Glauben. Im Verlaufe der Prodezur wurde der Bursche zum Schwure ausgefordcrt und vor ein Kruzifix geführt. Standhaft weigerte sich jedoch derselbe den Eid abzulegen. Abermals nach dem Grunde seiner Weigerung befragt, bekannte er sich als Israeliten und entschuldigte sein früheres Benehmen damit, daß er als Jude für seinen Dienst zu fürchten hätte. Man berief nun, da das Rabbinat daselbst vakant, den Vorbeter, Schächter und Faktotum der Gemeinde, und forderte ihn auf, den Jnquisiten zum Juramente vorzubcreitcn. Letzterer, mit den Rechtsformen ebenso wenig vertraut als mit den Pflichten des Amtes, welchem man ihn malgre lui meine substituirte, äußerte sein Bedenken, einen Menschen schwören zu lassen, der „seinen Glauben verleugnet", meinte vielmehr, sechs Stoüprügel würden dessen Glaubenstreue am Besten lohnen und — uil mirari! der Herr Stadtrichter sainmr Kollegium gaben ihren vollen Beifall und erhöhten nur noch jenes Douceur auf zwölf Stockstreiche. Was sagen Sie zu dieser juridischen Hermeneutik? — Nehmen Sie diesen einen Fall instar omnium, und folgern Sie daraus, welche Reformen hier an ihrem Platze waren. Die Themis ist hierzu Lande nicht blos blind. Aus Galizien, im Juli. In einem Dorfe des lemberger Kreises haben die Bauern mehrere Exzesse gegen den dortigen jüdischen Pächter verübt; ein hingesandter Kreiskommissär konnte Nichts ausrichten, und wurde mit Hohn zurückgewiescn; erst nach herbeigcholter Militärassistenz vermochte dieser Beamte seine Autorität beim wilden Schwarme geltend zu machen, mehrere der Tumultuanten einzuziehen und der Gemeinde eine Exekutionsstrafe von mehreren hundert Gulden aufzulegen, von denen der Pächter für den auf seinen Feldern angerichteten Schaden Ersatz finden soll. Frankreich. Paris, im Juni. Die Regierung hat die Wahl des Herrn Alphons von Rothschild als Vertreter des Sprengels Bordeaux im Zentralkonsistorium nicht bestätigt, weil er das gesetzliche Alter noch nicht hat. — Hemerdinger, Mitglied des Zentralkonsistorriums, hat gegen die Wahl eines Laien in den Dberschulrath als Vertreter der französischen Synagoge — bekanntlich hat die Wahl den Professor Franck getroffen — protestirt, da die Funktion wesentlich religiös sei. Der Großrabbiner Ennery hat eine ähnliche Erklärung niedergelegt und hat an der Wahl keinen Antheil genommen. (rUniv. isr.) Dänemark. Kopenhagen, im Mai. Das Hamburger Blatt „der Freischütz" meldet von hier aus, daß jüngst in Kopenhagen ein Soldat, geboren zu Pinneberg, zum Judenthume übergetreten, und sich bereitwillig den erforderlichen Zeremonieen unterworfen hat. Vor ungefähr 6 Monaten stellte sich derselbe dem Oberrabbiner Di\ Wolf vor, und drückte seinen lebhaften Wunsch, der Synagoge anzugehören, aus. Der Dr. Wolff machte ihm alle möglichen Einwendungen, die aber auf den jungen Mann keinen Eindruck machten, so daß vr. Wolff ihm aufgab, die Erlaubniß der Regierung zu diesem Religionswechsel einzuholen, die auch erthcilt ward. Hierauf gab vr. W. dem Soldaten den religiösen Unterricht, welchem er sehr eifrig folgte. Kaum 24 Jahre alt, ist er einer der orthodoxesten Israeliten geworden. Türkei. Konstantinopel, im Juni. Der Sultan ist auf seiner Reise überall mit Enthusiasmus von allen Konfessionen empfangen worden, und hat sich gegen alle höchst freundlich und duldsam erwiesen. In Smyrna ließ er, wie an allen Orten, die er berührte, Zeichen seiner Freigebigkeit zurück, indem er unter Anderm eine bedeutende Summe zur Pflasterung der Judenstadt, zur Errichtung von Abzugskanälen und einer öffentlichen Fontäne, 100,000 Piaster für die Hospitäler und Schulen ohne Unterschied der Konfession, 50,000 Piaster für das türkische Hospital und 30,000 Piaster für die Schulen von Tschesme und Burla widmete. —. In Damaskus ist ein Handelstribunal errichtet worden, in welchem 4Mohamedaner, 2 Christeit und 1 Israelit sitzen.