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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-29 · Heft 31 (29.7.1850) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 31 (29.7.1850)
Date
1850-07-29
Page
Seite 428 (sequence 8)
Language
German
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428 ausgaben. — Zn der benachbarten, gleichfalls großen Gemeinde Hürden ist Alles noch hübsch beim Alten, jedoch verspürten einige fromme Gemüther kürzlich etwas Lust zur Aufführung einer leider nun verpönten Katzenmusik zu Ehren einer anwesenden ihnen mißliebigen Persönlichkeit. — Gleichzeitig befand sich hier Herr Rabbi E. Bergmann, Abgesandter aus Jerusalem, der, ein geborner Deutscher, es versteht, durch sein Auftreten, seine Kleidung u. dgl. m. den deutschen Juden zu imponiren. Dennoch soll er selbst in frommen Gemeinden nicht vollen Anklang finden und sind die ringegangenen Spenden von Edenheim, Jchenhausen rc. nur spärlich ausgefallen. „Wir wollen — sagten mir einige Männer der alten Richtung — wir wollen unseren Brüdern in Jerusalem gern eine angemessene Gabe zufließen lassen, aber wir wollen es auf dem nun einmal geordneten Geschäftsgang, durch die aufgestellten Verwalter, und wollen diese die Sammlungen nicht an R. H. Lehren abliefer», so können sie es durch Herrn M. Montefiore thun." Mich dünkt die Leute haben vollkommen recht und sie werden in ihrer Ansicht noch mehr bestärkt werden, wenn sie erfahren — was mir ein Eingeweihter mitgetheilt — daß Herr Bergmann fortan nach hervorgerufenem ■pi n'u - Beschluß zusammenberufcner Rabbinen in Kleinerdlingen nur für seine Person die Sammlungen verwenden wird. — Alles Weitere und Dazwischenliegende übergehe ich als bekannt und mit anderen Zuständen gleich. Nur in München müssen wir uns etwas länger verweilen, es ist gar zu schön dort. Die dortige Gemeinde immer im Wachsen begriffen — es sollen 140 matrikulirte Mitglieder und 50 mit Permission dort wohnen — geht unter ihrem würdigen Rabbinen Herrn Aub ihren ruhigen gemessenen Gang, nur tönen die Saiten noch schmerzlich nach, welche kürzlich durch die Emanzipationsdebatte angeschlagen wurden. Eine große Anzahl jüdischer Jünglinge lebt hier eifrigst den Studien an der Universität, darunter Solche, welche ohne Mittel von Haus aus sie sich durch Unterrichtsertheilung erst verschaffen müssen. Ich erwähne nun Herrn I. Rau aus Gunzenhausen, der schon mehre Jahre als deutscher Schullehrer wirkte und aus Liebe zu den Wissenschaften dahier nun Jurisprudenz studirt. Ferner Herr I. Gotthelf aus Kleinerdlingen, der in neuester Zeit die Preisfrage der juristischen Fakultät löste: „Historischdogmatische Darstellung der rechtlichen Stellung der Juden in Baiern" *) und der nebenher noch den „Eilboten", ein sehr gediegenes Blatt, schreibt. Unter den Studirenden befinden sich auch mehre Rabbinersöhne (die Herren Aub, Gutmann und Skutsch) die aber alle keine Rabbiner werden, eine Erscheinung, die sich in ähnlicher Weise auch bei den Söhnen der Lehrer herausstellt, so daß eS bereits, da sich überhaupt aus guten Gründen wenige Jünglinge diesem Fache zuwenden, in vielen Kreisen an Lehrern fehlt. Einen erfreulichen Anblick für den Besucher unsrer Kammer bildet es, Herrn vr. Morgenstern, den Israeliten, zwischen Herrn Fürst Wallerstein und Herrn Kolb, unstreitig den zwei größten Kapazitäten in derselben, sitzen zu sehen, wenn man weiß, daß sich die Herren unbekümmert um ihre erlösten Plätze beliebig zusammensinden, und Herrn Dr. Arnheim, den Juden, das Interesse der protestantischen Kirchen und Schulen in Hinsicht der Baupflicht des Staates gegen sie se warm vertreten zu hören. Schließlich muß noch erwähnt werden, wie die königl. Staatsregierung unseren Angelegenheiten überall eine wohlwollende Rücksicht schenkt, wie die Gesetze gegen Juden mild gedeutet, wie namentlich die Ansässigmachung auf Nachmatrikel — freilich noch ein famoser Artikel — nirgends erschwert wird. Ob wir auch die neueste Entschließung, nach welcher mit Bezugnahme auf die Mission des gedachten Herrn Bergmann in allen Synagogen Sammelbüchsen für Jerusalem aufgestellt werden dürfen, zu deren Auswirkung sich wahrscheinlich der bekannte R. Mendel Zell im schwarzen Frack in München vielfach bewegt hat, diesen Ausfluß des Wohlwollens zuschreiben sollen, bleibe dahingestellt. Unser Geld herzugeben, gestattete uns jede Verwaltung noch großmüthig. Auch in bürgerlichen Kreisen regt sich eine freundlichere Gesinnung gegen uns. So erklärt sich die ganz in der Nahe Nürnbergs telegene Marktgemeinde Schweinau, quasi eine Vorstadt Nürnbergs, auf bereits erhaltene Regierungsgenehmigung bereit, zwanzig jüdische Familien aufzunehmen. Von literarischen Novitäten ist wenig zu berichten. Herr Dr. Adler in Kissingen, dessen Name durch seine neuesten Streitschriften einen guten Klang in Israel gewonnen hat, will die Birke Abot mit Erläuterungen, *) Herrn OrdenauS aus Fürth Arbeit erhielt öffentliche Belobung.

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