Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1850)
- Date
- 1850-07-29
- Page
- Seite 426 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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426 Zum Schlüsse noch einige vermischte Nachrichten. In Jnnowraelaw, wo Mangel an gutem Trinkwasser, aber großer Vorrath an billigen Moreinu's, hat die beabsichtigte Reform bisher noch immer nicht zu Stande kommen können. Woran's liegt — wissen die Götter. Der streng konservative Herr Dr. Hirschfeld ist jetzt Gemeindeprediger. — Fordon hat durch den Abgang des Herrn M. M. Fasse nach Hamburg (an eine Klausnerstelle) einen ungeheuchelt frommen und talmudisch sehr gebildeten Seelsorger verloren. In Nakel schreitet man langsam — aber doch — vorwärts. Seit 2 Jahren sind schon die Mitwotauktion und das Aufrufen zur Tora mit „Namen und Titel" abgeschafft worden — und wer weiß, was in der nächsten Zukunft Schooße noch verborgen! Die Gemeindeschulc, aus zwei Klaffen bestehend, ist furchtbar übervölkert, und thut die Gemeinde sehr unrecht daran, nicht eine dritte Klasse zu organisiren '). — In Lobsens läßt man seit dem Abgänge des ersten Lehrers K. (also seit Neujahr 1849) beide Klassen durch den zweiten Lehrer verwalten, ohne den Nachtheil zu bedenken, der hieraus für die liebe Jugend hervorgeht. — In Schneidemühl, wo man sich ebenso intelligent wähnt, als in Spree-Athen, hat man — um dem Götzen der Mode, genannt „Reform,", zu huldigen — den alten Rabbi, der wol an 25 Jahre daselbst fungirt hat, suspendirt; — man hat den armen Mann brodlos gemacht, — wahrlich! eine That, die ihres Gleichen sucht. Wie kommt's aber, geehrter Herr Doktor, daß Ihr Blatt über die tragi-komische Reformkomödie, die seit zwei Jahren in Schn, spielt, noch kein Sterbenswörtchen gebracht hat? — Wenn Sie erlauben, so wollen wir Ihnen in unserm Nächsten über diesen nicht uninteressanten Gegenstand einen kurzen Bericht zukommcn lassen. In Exin hat's die klei ne Reformgenoffenschaft bis zu einer kleinen Privatschule gebracht, und — Klein ist ihr Lehrer. — In Rogasen scheitern alle Versuche der Neuen an der Stabilität der Alten. In Gnescn ist das Neue schon längst wieder alt geworden^); in Czernijewo läßt man sich durch Herrn /) Dies Unrecht geschieht aber nicht gerade in Rakel allein, sondern in noch sehr vielen anderen Gemeinden der Provinz Posen. *) Und das ist bei uns durchaus keine neue Erscheinung. I. aus Wr., den man zum Rabbi rc. erwählt hat, das Wort Gottes deutsch verkündigen; in Wittkowo wird der Bau einer Synagoge projektirt und in Wreschen ist Herr Natansohn aus Buk als Rabbiner angestellt worden. — Aus Jnnowrazlaw haben wir noch zu berichten, daß Herr Pleßner aus Posen daselbst vor einiger Zeit mit großem Beifall gepredigt hat. Aus Mittelfranken, im Juli. (Privatmitth.) Ehe ich Ihnen die versprochenen Reisenotizen gebe, die, weil sie doch nicht Bekanntes, schon anderweitig Mitgetheiltes enthalten dürfen, nur spärlich ausfallen können, einige Worte über den, in öffentlichen Blättern sogenannten Rabbinerkongreß in Bamberg am 9. v. MtS. Die königl. Staatsregierung hatte Be. Hufs der Abänderung des Religivnsedikts in der Verfassung den Herren Rabbinen Aub in München, Dr. Löwi in Fürth, Dr. Aub in Baireuth, Dr. Feuchtwangen in Dettingen und vr. Adler in Aschaffenburg (letztere zwei der ultra-konservativen Richtung angehörig) achtundzwanzig Fragen über das Kriterium des Judenthums, über die Erfordernisse der verschiedenen Kultusdiener u. dgl. m. zur Begutachtung zugemittelt, Fragen die schon oft aufgeworfen und beantwortet wurden und über welche sich in den bei hoher Staatsregierung niedergelegten Akten der Kreissynoden vom Jahre 1836 überreiches Material finden dürfte. In Bamberg hatten sich auf Anregung jener Herren zehn, wesentlich dem Fortschritt huldigende Rabbinen eingefunden (Dr. Feuchtwangen ist vergebens zur Theilnahme ersucht worden) und sich nach hitzigen, unter Vorsitz Dr. Adlers von Kissingen geführten Debatten über die zu gebenden Antworten geeint. Was die anderen Herren verbringen werden, und ob durch sie der Zwiespalt in unseren Mauern zur Kenntniß der Staatsregierung gelangen wird, muß die Zeit lehren. Mit unsrer Emanzipation steht dieser Gegenstand zunächst außer Berührung. Die Pessimisten in unsrer Milte versprechen sich auch von diesem Vorgang keinerlei Erfolg und meinen, es sei eben wieder Makulatur geliefert worden. Wir können aber aus guter Quelle versichern, daß allerdings die desfallsigen Vorarbeiten in Angriff genommen und daß man gesonnen ist im Sinne der Neuzeit vorwärts zu gehen. Nur unser Befremden wollen wir dahin ausdrücken, daß in diesen Fragen nur Rabbinen gehört wurden, denen doch das Judenthum nicht ausschließend die