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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-29 · Heft 31 (29.7.1850) · p. Seite 425

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 31 (29.7.1850)
Date
1850-07-29
Page
Seite 425 (sequence 5)
Language
German
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425 allen unfern Kräften, mit allen gesetzlichen Mitteln gegen diesen Krebsschaden, der an dem Mark des Judenthums zehrt, einschreiten? Ja, ich glaube fest, solange die Stellung der jüdischen Lehrer und Kultusbeamten nicht sicher geordnet ist, so lange ihre Stellung nicht eine den Verhältnissen der Gegenwart angemessene wird, so lange kann es auch um das Judenthum nicht besser werden! Was sollen wir also jetzt thun? Die Sache ist einfach. Die Kammern treten wahrscheinlich schon im November wieder zusammen. Es wird ihnen da das Unterrichtsgesetz vorgelegt. Wir müssen nun abwarten, ob wir auch AU« gehörig darin vertreten sein werden. — Aber, thun wir jetzt das Unsrige! damit wir uns nachher keine Vorwürfe zu machen haben. Schaaren wir uns zusammen, und reichen eine Eingabe oder Denkschrift dem hohen Staatsminister «in, in welcher wir Hochdemselben unsere ganze Stellung alsLehrer und Kultusbeamte, wie dieselbe ist, unterbreiten, und bitten wir, daß bei dem neuen Unterrichtsgesetz wir die gehörige Berücksichtigung finden mögen. Wir können verlangen, der Verfassung gemäß, daß wir hinsichtlich unsrer Stellung ebenso berücksichtigt werden wie die Lehrer und Geistlichen der christlichen Kirche. Dies ist meine unmaßgebliche Ansicht in dieser hochwichtigen Angelegenheit, und hätte ich diese „Anregung" gewiß lieber einer geübtern Feder überlassen, wenn sich eine Solche bis jetzt dazu gefunden hätte. Also thun wir im Vertrauen auf Gott das Unsrige.... Frisch an's Werk! -wer T'i-tb« 'n 12-121 Schreiber, Lehrer. Aus der Provinz Posen, 12. Juli. (Pnvatmitth.) Mit Bezug auf unfern Artikel vom 14. v. M. (in No. 27 d. Bl.) haben wir Ihnen heute zu berichten, daß an die Stadtschuldeputation zu Lissa von Seiten der Regierung die Weisung ergangen, den zum Mitglieds des „jüdischen Schulvorstandes" (wieder) erwählten Herrn Dr. med. Heinrich Scherbel in diesem Amte nicht zu bestätigen. Es ist aber die städtische Schuldeputation liberal und delikat genug gewesen, den Beschluß zu fassen, — „um nicht ein Mitglied des neuen Schulvorstandes hintenanzusetzen, gar keine Bestätigung vorzunehmen, sondern dieselbe ganz der Regierung zu überlassen." Man ist also in L. auf den Ausgang der Sache sehr gespannt. Sollte Herr Dr. Sch. wirklich nicht Schulvorsteher bleiben dürfen, so würde dies in der Gemeind« L. allgemein bedauert werden. Bei der diesjährigen Frühjahrsprüfung im königl. Schullehrerseminar zu Posen sind unter circa 60 Aspiranten nicht mehr als 2 Israeliten mitgeprüft worden. Seit 1845 ist diese Erscheinung bei jeder Maiwie bei jeder Oktoberprüfung im Seminar zu Posen wahrgenommen worden. Beweis genug, wie stark in der letzten Zeit die Anzahl derjenigen jüdischen Jünglinge, so sich den heiligen Beruf des Lehramts zum Ziele ihres Strebens gesetzt, in unserm Großherzogthum abgenommen. Woran das liegt? Einerseits an dem Nichtvorhandensein eines jüdischen Lehrerseminars *), welchem Mangel aber auch noch nicht einmal durch die gänzliche Aufnahme jüdischer Schulamtspräparanden in die vorhandenen christlichen Seminarien abgeholfen worden; andererseits an der schlechten und schwankenden Stellung der Lehrer im Allgemeinen, und der jüdischen insbesondere; ganz vorzüglich aber liegt cs an der eisigen Kälte, ja an der schnöden Zurücksetzung, mit welcher die jüdischen Schulen in den letzten Jahren von Seiten der jüdischen Gemeinden und deren Vertreter behandelt worden. Unter den Umständen und Verhältnissen, in welchen sich jetzt Schule und Schulwesen bei unseren Gemeinden befinden, kann man es keinem jungen Manne verdenken, der, obgleich Talent fürs Lehrfach und Liebe zum Beruf in sich fühlend, jenes ignorirt und diese erstickt, um noch zeitig genug auf eine andre Bahn seine Schritte zu lenken. Lange kann's nicht mehr dauern, so wird man im Großherzogthum Mangel an jüdischen Lehramtskandidaten verspüren; cs sei denn, daß die stellenlosen studirten Kandidaten des Rabbinats- und Predigtamts kommen werden, um unsere Schulmeisterstcllen zu übernehmen. Doch davor möge uns der Himmel bewahren! Nicht Gelehrte, nicht Vielwisser können wir brauchen für unsere Schulen, sondern nur tüchtige Elementarlehrer — und das sind unsere jungen Theologen gerade am Allerwenigsten. Exempla sunt odiosa. Sonst hätten wir's Ihnen bewiesen. Die meisten Leser aber — wissen wir — «erden es uns ohne Beweis glauben. *) Wir kommen auf diesen Gegenstand nächstens zurück.

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