Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1850)
- Date
- 1850-07-22
- Page
- Seite 417 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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417 Eindruck war ein enthusiastischer, woran man wieder die Liebe des Juden zum Vaterlande erkennen konnte. Dbschon der Redner wol nicht anders als bisher sprach, so glaubte und empfand doch Jeder, in schwedischer Sprache mache es einen viel tiefem Eindruck. Rußland' Riga, 15. Mai. (Privatmitth. Verspätet.) Nach einem ziemlich langen Stillschweigen erlaube ich mir Ihnen hier aphoristisch einige Notizen über hierländische jüdische Angelegenheiten und Personen zukommen zu lassen. Von Einem dirigirenden Senat sind in den Stand der erblichen Ehrenbürger erhoben worden: die Kaufleute 1 Gilde in Witebsk, Herr Gabriel Herzikow Ginsburg, dessen Kinder: Sohn Jewsei Gabrielew und Töchter Beile und Elke, sowie die Ehefrau des erwähnten Sohnes: Ras ja und deren Kinder: Söhne Süßkind und Ura nebst Tochter Matte. Ferner in den Stand der persönlichen Ehrenbürger: der Bankier und Kaufmann 2. Gilde, Herr Moses Sundel Stern in Mitau, und der Kaufmann 2. Gilde zu Witebsk, Herr Moses Hirsch Barainin; endlich der hebräische Bürger zu Bresk, Herr Israel Japhalowitz. In Folge einer Bevorwortung des Mnistcrkomitö's haben Se. Majestät der Kaiser dem bei dem Zensurkomitö in Kiew für die Zensur hebräischer Bücher angestellten Hebräer, Herr Seiberling, einegoldne Medaille am Annenbande, mit der Aufschrift „Für Eifer" zum Tragen am Halse, allergnädigst zu verleihen geruht. In der Gouvernementsstadt Cherson ist jüngst eine jüdische Mädchenelementarschule, so wie in den Gouverncmentsstädten Witebsk und Kowna eine hebräische Kroirsschule für Knaben errichtet und bei ErstererHerrKaplan, bei Letzterer aber Herr Mappe als Lehrer angestellt worden. Die hiesige (rigaische) Hebräerschule hat eine Lehrerpersonalveränderung erlitten. Der an derselben angestellt gewesene Lehrer, Herr L. Hurwitz, ist im vorigen Jahre als älterer Lehrer (starschi Utschitel) der Religion und hebräischen Sprache an der hebräischen Kronsschule zu Wilna, und der gleichfalls als Lehrer daselbst angestellt gewesene Herr R. I. Wunderbar (als Mitarbeiter dieser Zeitschrift den Lesern bereits bekannt) ist als Hauptreligionslehrer bei der soeben errichteten hebräischen Kronsschule zu Mitau berufen worden. Ueber die Eröffnung dieser ebengenannten Schule enthält die hiesige Gouvernementszeitung folgendes Spezielle: „Der 11. April d. I. war für die hiesige (mitausche) israelitische Bevölkerung ein seltener Festtag, indem an demselben die feierliche Eröffnung der hiesigen hebräischen Kronsschule (bis hierzu die erste im kurländischen Gouvernement) stattfand. Nach geschehener Einladung versammelten sich im Schullokale um 12 Uhr Mittags die Honoratioren und Autoritäten dieser Stadt nebst den Deputirten und Notabeln der hebräischen Gemeinde so wie auch die Zöglinge dieser Schule sammt ihren Eltern. Nachdem nun der hiesige Gouvernementsschulendirektor, Herr Kollegicnrath und Ritter v. Belag» den allerhöchsten Ukas an den Herrn Minister der Volksaufklärung, die Organisation der hebräischen Schulen überhaupt und die Akte über die Gründung dieser eben 'erwähnten mitauschen hebräischen Kronsschule insbesondere betreffend, verlesen und die wohlthätige Absicht unsers allergnädigsten Kaisers und Herrn näher beleuchtet hatte, sprach der hiesige Rabbiner, Herr Jacobsohn in hebräischer Sprache über die Zulässigkeit der Vereinigung des Unterrichts der israelitischen Religion mit den allgemeinen Wissenschaften vom Standpunkte der israelitischen Orthodorie aus, und bewies, daß auch schon die Allväter der israelitischen Nation und die ältesten Rabbinen diese Vereinigung nicht nur gestattet, sondern sie nachdrücklichst empfohlen hatten. Hierauf hielt der nunmehr bei dieser Schule angestevte Hauptreligionslehrer, Herr R. I. Wunderbar, eine Rede in deutscher Sprache, worin er gleichfalls die so große Wohlthat unsers Kaisers durch die Gründung obiger Schule näher beleuchtete, die Zöglinge zu Fleiß und Sittsamkeit so wie zur Liebe und Treue gegen ihren erhabenen Wohlthäter unfern allergnädigsten Monarchen, ermahnte, und schloß mit einem inbrünstigen Gebete für daS Wohl des Herrn und Kaisers, der Kaiserin und des Thronfolgers sammt dem ganzen kaiserlichen Hause, wie auch für die sämmtlichen hohen Reichsautoritäten und Ortsobrigkeiten, welches den lebhaftesten Eindruck auf die Zuhörer machte, und ein Jeder verließ den Saal, begeistert für das Wohl unsers allgeliebten Landesvaters und Herrn, Nikolai I." Ich bemerke nur noch, daß die ebenerwähnte Schule aus 2 Klassen, jede aus 2 Ordnungen besteht, gegen- 30*