Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1850)
- Date
- 1850-07-22
- Page
- Seite 414 (sequence 6)
- Language
- German
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414 Partei gestimmt sind? Haben sie durch eindringliche vernünftige Reden die fanatisirte Jugend zur Einsicht zurückführen, oder die erkalteten Herzen für Etwas begeistern können? Sie, die keiner lebenden Sprache kundig sind und deren Jargon von der Jugend gar nicht verstanden wird? Was Wunder, daß die revolutionäre Regierung sich nicht an sie, sondern an die gebildeten Rabbinen gewendet und sie aufgefordert hat, für sie in den Synagogen zu sprechen? Aus der Noth, meine Herren darf man keine Tugend machen. Andererseits muß man nur auf den Kopf gefallen und so unwissend wie diese Herren sein, um nicht einzusehen, daß es gerade in der Politik der Regierung liegen muß, eine höhere Bolksbildung zu erzielen, indem blos gänzlich ungebildete, Wahrheit von Unwahrheit nicht unterscheidende Völker am Leichtesten zu fanatisiren sind. Kann man anders als durch gebildete Geistliche eine Volksgesittung und Volksbildung bewirken? Kann das Volk sich leiten lassen von Männern, deren Erfahrung und deren Kenntniß in weltlichen Dingen kaum die der Schulknaben übcrtrifft? Was denken die Herren? Während in allen österreichischen Landen das besonnene Vorschreiten des Judenthums von der Regierung selbst gefördert wird; während in Mähren z. B. eine gleichmäßige Synagogalverfassung, ein Rabbinatsseminarium ic. von den israelitischen Vertrauensmännern votirt und von der Regierung unterstützt und bewilligt wird: hofft man in Ungarn, die Regierung werde daselbst den alten Schlendrian, das alte Chaos, die alte Unwissenheit und die alte Stupidität ihnen befestigen Helsen? Die Regierung braucht Männer, die für sie Etwas wirken, Ihr aber, Schleichdeputirte, könnet weder für noch wider sie Etwas lhun! Die Regierung weiß es endlich, daß der größte Theil der ungarischen Israeliten eine langsame Reform sehnlichst wünscht und wird und kann dem gerechten Wunsche des Volkes Nichts versagen. Ueberhaupt habt Ihr Euch zu spät besonnen zu solchem Schritte, kost festa sacerdos, oder damit Ihr cs doch versteht, mma sannst. Das Memorandum der Gegenpartei hat bereits seine Wirkung gethan. An den Lehrvorftand ist bereits die Aufforderung hcrabgelangt, von den Zeugnissen und der Befähigung der Lehrer sich genaue Ueberzeugung zu verschaffen und darüber, wie auch über den Stand der öffentlichen und der Winkelschulen zu berichten. Es laßt sich also mit Recht erwarten, daß auch die anderen Forderungen der Lichtpartek gewährt werden. Wir sagten vorhin, der größte Theil der Israeliten in Ungarn sei reformfreundlich, das läßt von Preßburg sich am Besten beweisen. Diese Gemeinde gehört doch zu den orthodoxesten, und dennoch würden Dreiviertel derselben mit ganzem Eifer sich der Reform anschließen, wenn nicht die Gemeindcsührer einerseits theils heuchlerische, theils wahrhafte Orthodoxe, andererseits theils Indifferente, mit leeren Herzen für das Judenthum, theils Geldmänncr mit leeren Köpfen wären. Allenfalls ist gewiß, daß man jetzt den Reformfreunden, wie z. B. denen in Papa, nicht mit gezücktem Schwerte entgegengehen würde, ja wir können es versichern, daß Manches sogar im Stillen schon für sie gethan wurde. — Krakau, im Juli. Aus Krakau wird uns gemeldet, daß der dortige Stadtrath in seiner Konsequenz die bekannte schon oft zur Sprache gekommene Judenangelegcnheit bis zu den äußersten Konsequenzen verfolgt. Sich stützend auf ein Ministerialreskript, welches besagt, daß die Wiedereröffnung der in dem bisher nur von Christen bewohnten Stadttheilc etablirten Handlungen der jüdischen Kaufleute bis zur weitern Entscheidung zu geschehen habe: glaubt der Stadtrath befugt zu sein, die in späterer Zeit am Stradom geöffneten Etablissements schließen zu dürfen und fügt dem Beschlüsse' noch den Satz bei, daß, Falls die Hauseigenthümer jene Kaufleute aus ihren Hausern entfernen würden, sie — die Eigenthümer — der gesetzlichen Strafe unterliegen werden. Aus Mähren, im Juli. Die israelitischen Gemeinden in Mähren werden ein theologisches Seminar gründen und dazu einen Theil des über eine halbe Million betragenden Landesmassafonds verwenden. Lemberg, im Juli. (Privatmitth.) Ihre Zeitung hat bereits von einer Zeitung in jüdisch-deutscher Schrift, die jetzt hier erscheint, berichtet. Dieselbe hat sehr guten Fortgang, und liegt bereits 173 ^»12 vor mir. Mancher Ihrer Leser wird neugierig sein, und so lassen Sie mich die zitirte Nummer etwas näher beschreiben. Es ist ein Quartblatt kl. Format, und schon der Titel ist eigenthümlich; ich stelle ihn ganz hierher.