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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-22 · Heft 30 (22.7.1850) · p. Seite 413

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 30 (22.7.1850)
Date
1850-07-22
Page
Seite 413 (sequence 5)
Language
German
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413 Beste schon versäumt! Der ist schon zu Ende. Jetzt wird ein Bogen vorgelegt zum Unterschreiben. Einstimmig angenommen. Da schwitzen die armen Herren über die harte Arbeit des Unterschreibens. Was haben sie unterschrieben? Biele von ihnen wissen selbst nicht was, wie können wir's denn genau wissen *). Doch ist es uns gelungen Manches davon und darüber in Erfahrung zu bringen. Auch diese Partei will der Regierung ein Memorandum übergeben. In welchem zclotischen, hyperorthodorcn Stile aber dasselbe abgefaßt sein müsse, beweist dies, daß der werbaucr Rabbi, ein Mann von kernigem gesunden Menschenverstände, übrigens ein alter strenger Orthodoxe, doch seine Stimme und seine Unterschrift zu solchem Machwerk nicht geben wollte. So horrible muß es abgefaßt sein! Ihre Forderung ist: die Reform soll gänzlich unterdrückt werden. Am alten Gebäude darf nicht nur nicht gerüttelt, sondern nicht einmal der spannenhohe Staub davon abgcfegt werden. Jede Renovirung sei schon Reformirung und jede Reformirung sei — Revolution! Sie begründen ihre Ansichten auf folgende Weise: Die Ereignisse letzterer Zeit haben gelehrt, daß die reformfreundlichen Rabbinen in Ungarn mehr oder weniger auf der Seite der Ungarn standen, während die Orthodoxen dem Hause Habsburg treu zur Seite blieben. Zum Lohne ihrer Treue soll ihnen Gleiches mit Gleichem vergolten werden; weil sie den Thron gestützt, soll der Thron wieder sie stützen, und der Orthodoxismus soll befestigt werden. Politik! Politik! So allgemein bist du geworden, daß Kinder und sogar unsere unwissenden Rabbi's politisiren! Doch die Herren Politiker haben in ihrem Sehcrgeiste und ihremScharfblickManches übersehen. 1)Daß das schwache Lamm dafür, daß es mich nicht zerrissen, durchaus keine Belohnung verdiene. „Hättest du die Kraft wie ich," so der Wolf zum Lamme spricht, „vielleicht du warst viel besser nicht!" Wodurch konnten sie denn zeigen, daß sie für oder wider eine mich die zweite Frage zuerst beantworten. Dagegen ist der orthodoxe Rabbine und orthodoxe Gemeindevorstand, weil Beide für ihre Selbstständigkeit, d. h. für ihre autokratische Wirthschaft fürchten. Dagegen ist das kleine Häuflein der radikalen Reformer, welche sich wichtig zu machen die Gelegenheit zu verlieren fürchten. Dagegen ist die kühne Jugend, welche für den Ruin aller positiven Religion schwärmt, und in die politische Gemeinde Alles aufgehen lassen will. Diese Jugend ist freilich jetzt etwas abgekühlt und dezimirt, überhaupt vom Regiment wieder verdrängt. Dafür ist aber die ungeheure Mehrzahl der vernünftigen Leute aller religiösen Schattirungen. Sie sehen ein, wie bisher kann's nicht weiter gehen, soll nicht das Judenthum an den Rand des Verderbens gebracht werden. Die Konservativen, die Nichts konserviren, die Reformer, die Nichts reformiren — dabei diese unsittliche und unreligiöse Haltung, die Alles ruinirt — dabei die Machtentfaltung der christlichen Kirche, die gewaltig ihr Haupt erhebt.... Viribus unitis ist der Wahlspruch unsers Kaisers — wohl, viribus unitis lasset auch uns ringen und schaffen! Die Hauptsache ist aber hierbei: daß, Falls dieser Gedanke zur Ausführung kommt, die ungarische Judenheit sich Kräfte, bedeutende Kräfte aus dem Auslande heranzieht. Im Jnlande ist Alles durch vorhergegangene Kämpfe abgenutzt, mit jedem Einzelnen würde gleich eine ungeheure Opposition erstehen. Wir machen daher hierauf alle Freunde der Sache besonders aufmerksam! 0. Preffburg, 8. Juli. (Privatmitth.) Die Rabbinatsversammlung oder besser gesagt die Rabbinatszusammenschleichung (denn es sollte eigentlich von ihren Zusammenkünften und von dem Zweck derselben kein Uneingeweihter Etwas erfahren), also die Zusammenschleichungen dauern noch immer fort. Sie kommen Einer nach dem Andern geschlichen, besprechen sich mit dem hiesigen Rabbi, nicht über den Zweck ihrer Zusammenkunft, Gottbewahre, darüber läßt sich nicht viel sprechen; disputiren heftig mit dem Rabbi; nicht über den Zweck ihrer Zusammenkünfte, Gott bewahre, darüber sind sie Alle einig, sondern übereine Marschu's Kasche oder über einen harten der sich getrauet über dies und jenes anderer Ansicht zu sein, als einer der finsteren spatesten ETNTraN. Doch zurück zu unserer Versammlung! Ei, wir haben das *) Unwillkürlich fallt mir hier ein, daß wir mit eben der Naivität, wie der Dichter des Niebelungenliedes von vergangenen Festen, so auch von dieser Rabbinatsversammlung sprechen können. Wie's dabei ist zugegangen könnte nur der euch melden, der dabei gewesen, und auch diese, glaub ich, könntens euch nicht melden; nicht wie im Niebelungenlicde, weil es gar zu viel, sondern weil es gar zu wenig ist, weil sie gar Nichts wissen. Korresp.

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