Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1850)
- Date
- 1850-07-15
- Page
- Seite 405 (sequence 9)
- Language
- German
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405 schöpfte der ungarische Jude aus dem energischen Auftreten der Regierung gegen jede Verletzung des tz. 1 der Märzverfassung Muth; muß er von Neuem erfahren, wie schwankend alle seine Hoffnungen. Ein Jude, ich glaube aus Wien, kaufte hier jüngst einen Hausgrund in der Nähe der Walzmühle für 15,000 Gulden K. M. Als aber vor wenigen Lagen im Grundbuchamte unsers Rathhauses nebst dem Erläge des Kaufschillings die Umschreibung auf den Namen des neuen Besitzers stattfinden sollte, versagte das Amt dem Israeliten diesen Dienst. Wie», 6. Juli. Wir hatten uns geschmeichelt, daß die „Judensteuer" aus dem österreichischen Budget geschwunden sein werde. Bis jetzt vergebens: denn Las Einnahmebudget des ersten Quartals von 1850 zeigt: „Judensteuer 14,814 Fl." —. Am 1. d. M. starb an der Cholera der Schriftsteller Herr Karl Austerlitz in der Leopoldstadt, Ferdinandsgasse. Er war von Geburt ein Ungar und lebte seit, mehr als 20 Jahren als Erzieher in Wien, in welcher Eigenschaft er sich durch reiches Wissen wie durch seltene Bescheidenheit und seinen Charakter ungetheilte Achtung erwarb. Im Jahre 1824 trat er zuerst mit einem Bändchen lyrischer Gedichte: „Blumcnakkorde" auf unbeschäftigte sich mit einer metrischen Uebersetzung^r Psalmen. Diese und seine in Zeitschriften und Taschenbüchern zerstreuten zarten und sinnigen Gedichte und prosaischen Aufsätze würden gesammelt, eine schöne Erinnerungsspende für Freunde und gleichfühlende Menschen sein. In einer österreichischen Dichterhalle würde ihm, wenn auch nicht Statue und Büste, gewiß aber ein Medaillon zu widmen sein. Heute, den 3., findet seine Beerdigung auf dem israelitischen Friedhofe in Wien statt. Douaufürstenthümer. Aus der Moldau, 12. Juni. (Privatmitth.) Soeben vernehme ich aus zuverlässiger Quelle, daß die hiesigen Israeliten an Sir Moses Montesiore eine Adresse sendeten, in der sie die verzweifelte Situation der moldauischen jüdischen Schcnkwirthe, dem venerablen -Sir an's Herz legen, und dieselben seinem Schutze anempfehlen. Ob der edle Mylord diesem Nothrufe der Leidenden das Ohr schenken, und in den höheren Regionen, sich für sie verwenden werde, unterliegt keinem Zweifel, da dies nicht eine Vorläuferin feilt rr edlen Thaten sein würde; möge es aber in Bellde geschehen, damit es nicht zu spät würde. Denn rasch schreitet das bekannte Edikt seiner Ausführung entgegen, besonders da es von einem gewissen Instinkte der Vollzieher begleitet ist. Der Autor der Adn sse war der Prediger von Leipzig, denn dort tauchte de« edeln Notabeln dieser Gedanke auf. F. A«S der Moldau, 16. Juni. (Privatmitth.) Gem möchte ich Sie einen Blick in die Zustände unfern Glaubensgenossen in den hiesigen Ländern werfen Lassen, wenn sie nicht zu verworren waren, so daß man Ursache und Wirkung kaum trennen kann. Lajsim Sie mich daher nur das Eine oder das Andere hewvrheben, Ihre Leser werden das Uebrige sich schon weiiter entwerfen können. Ein ungeheures Hebel ist die schlechte Bezahlung und die prekäre Stellung der Rabbinen — denn dadurch, wir sind ja Alle Menschm, sind sie auf andere Dinge angewiesen. Dahin rechne ich z. B. die außerordentliche Häufigkeit der Ehescheidungen, die von den Rabbinen statt verhindert, gefördert werden, so daß der geringste Anlaß genügt, die Ehen zu trennen. Ein Anderes ist die Prozeßsucht der hierländischen Juden, die, statt an das jüdisch« Tribunal, sich lieber an ein antijüdisches wenden, unt> im andern Falle, da doch beide Parteien nicht Recht haben können, sich ein Hinterpförtchen suchen, um dem Verdikt der Rabbinen zu entschlüpfen. Ein drittes Unheil ist, daß die hiesigen Juden viel eher de« ausländischen Rebbi's (der Chaßidim) klingend huldigen, als ihren Rabbinen. Ich führe z. B. folgende Thatsache an. Dem Weichbilde Foltischeny, an ber Grenze der Bukowina gelegen, wo der Rabbiner F.... fungirte, hatte ein Rebb Mayer aus Galizieu einen großen Brand gcweißsagt, wenn sie nicht beftgten Rabbinen absetzten, und statt seiner einen andern Rabbiner^inthronisirten. Die jüdischen Jnsasim Foltischeny's begaben sich alsbald in corpore zu ihrem Rabbinen, um ihn über Bord zu schaffen. Unzeh eure Anstrengungen einiger Freunde kostete es, um es zu Hintertreiben. F..... Frankreich. Paris, 1. Juli. Die ultramontane Partei geht imner weiter, und die Regierung folgt ihr immer 29*