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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-15 · Heft 29 (15.7.1850) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 29 (15.7.1850)
Date
1850-07-15
Page
Seite 404 (sequence 8)
Language
German
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404 raubt wird. Drittens würde unsers Erachtens — wenn auch alle bezahlten Zöglinge entfernt und an deren Stelle arme Kinder gebracht würden — die Anstalt, welche nur drei Klassen hat, für die Kinder aller Unbemittelten in der Gemeinde dennoch kaum ausreichen. Eine jüdische Frei- oder Armenschule in P. müßte mindestens sechs Klassen und ebensv viel Lehrer haben — und diese Letzteren dürften am Allerwenigsten abgenutzte Kräfte sein. Die städtischjüdische Schule ist bis jetzt die einzige öffentliche Untcrrichtsanstalt in der Gemeinde von Posen; alle übrigen Anstalten sind Privat- oder Winkelschulen, die wir am Füglichsten „modernisirte Chedarim" nennen könnten; denn sie sind ganz nach der Faeon der bekannten alten jüdischen Schulen zugeschnitten, mit dem einzigen Unterschied nur, daß in ihnen auch Deutsch, und — wie sich von selbst versteht — mehr Deutsch als Hebräisch gelehrt wird. Doch was sollen wir uns länger bei diesem langweiligen Thema aufhalten? Mit Einem Worte, lieber Leser, die Gemeinde P. ist, was das Schulwesen anlangt, bis jetzt hinter allen Gemeinden des Großherzogthums zurückgeblieben. Und das hat der posener Korrespondent verschwiegen. Wenn aber eine Unterrichtsanstalt (in P.) sich schon länger als ein Jahrzehnd erhalten *) und während dieser Zeit immer mit gutem Erfolge gewirkt hat, dann gebührt ihr wol mit Recht Lob und Anerkennung. Wir meinen die Töchterschule von F ei lchenfeld, deren jedoch Herr LI. Dg. auch nicht mit einer Silbe zu erwähnen für passend gefunden. Dem, was dieser Korrespondent von dem Waisenhause sagt, müssen wir ganz, dagegen dem, was er über den Brüderverein berichtet, nur thcilweise beipflichten. Im Grunde sind diese beiden Institute auch die einzigen, welche in P. aus den Stürmen der letzten Jahre unversehrt hervorgegangen. Aber alle übrigen? Und der Gemeindeverband selbst? Herr LI. 6g. will auch diesem Nichts anhaben. Wir werden aber in unserm nächsten Bericht nachzuweisen suchen, wie auch hier noch der Himmel mit düsterm Gewölk überzogen, und wie der Lichtschimmer, den gewisse Augen erblicken wollen, eher eine Art optischer Täuschung, als der wirkliche Borbote eines bald hervorzubrechcnden Sonnenscheins sein dürfte. — Aus anderen Gemeinden des Großherzogthums auch das nächste Mal. XXII. *) Was in P. sehr viel sagen will! D. Korresp. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 30. Juni. Am I. Juli werden in Prag die Kommissionsberathungen über die Finanzpunkte, an welche der Anschluß der Josephstadt an die Gemeinde Prag gebunden ist, beginnen. Israelitischer Seits wurden in die Kommission die Herren Dormitzer, Feigl, Hönigsberg, Kubinsky, Landau, Portheim, Schütz und Zappert gewählt. Aus Ungarn, im Juni. Der „Lloyd" enthält eine Schilderung des ungarischen Bades Pistja n. Darin heißt es unter Anderm: Pistjan klassisizirt die Krankheiten nach einer ganz neuen und doch so alten Schule. Pistjan und die dort zu befehlen haben, theilen Skropheln, Gicht und Verhärtungen in christliche und jüdische ein, auch die Bäder und die Tagesstunden, sondern sie nach derselben Norm. Die jüdische Gicht darf sich z> B. vor neun Uhr im Bade nicht blicken lassen, und selbst dann sind nur drei Zellen den jüdischen Krankheiten zugewiesen. Jüdische Krankheiten, denen das Spiegelbad zuträglich wäre, werden gestrichen. — Schreiber dieses, dem die Wohlthat eines österreichischen Paffes zu Gute kam, in welchem die Religion nicht angegeben war, leidet an der Gicht, und da der Badediener dieselbe nicht gleich als jüdischen Ursprunges erkannte, benützte er die Zeit vor neun, und selbst das christliche Spiegelbad. Die stete Aufregung, als Jude erkannt zu werden, die Schmach, meine Glaubensgenossen täglich abgewiesen zu sehen, erhöhten mein Leiden. Welche Barbarei, dem Kranken die Morgenstunde, die dem Bade am Zuträglichsten ist, zu verbieten, und selbst dann die Benutzung nur für den dreifachen Preis zu gestatten. Diese unerhörte Schmach haben die vormärzlichen magyarischen Liberalen sanktionirt, und für solche Schmach und Bedrückung haben die ungarischen Juden Sympathiecn geäußert! Möge meine der Wahrheit getreue Schilderung beitragen, die Männer, welche mit der Reform der Polizei in Ungarn betraut sind, auf einen Uebelstand aufmerksam zu machen, der den Unschuldigen am Meisten drückt und der hochherzigen Verheißung unsers Monarchen, den Bestrebungen einer konstitutionellen Regierung geradezu widerspricht. Pesth, 1. Juli. (Lloyd.) Kaum haben die mährischen Judenkrawalle ein Ende genommen, kaum

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