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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-15 · Heft 29 (15.7.1850) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 29 (15.7.1850)
Date
1850-07-15
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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402 wir Sie, daß heute unsere Hauptkasse angewiesen worden, jedem der im Berichte sä 1 bis 6 genannten israelitischen Schullehrer eine außerordentliche Unterstützung von 10 Thlr. durch die betreffenden Steuerkassen zu zahlen, wovon Sie dieselben in Kenntniß setzen wollen. Dem sä 7 genannten Lehrer ist bereits in Folge unserer Verfügung vom 18. April c. eine gleiche Unterstützung gezahlt worden. Düsseldorf, den 19. Juni 1850. Königl. Regierung. Abtheilung des Innern. An den Herrn Oberrabbiner Bodenheimer zu Krefeld. 8. v. No. 1901. Aus Nietzerschlesien, 30. Juni. (Privatmitth.) Der Leitartikel über den „Judenfresser an der Spree" hat Allen gefallen, Viele ergriffen, aber außer der Hauptgemeinde der Provinz nirgend den erwünschten Drang zum gemeinschaftlichen Auftreten gegen den gemeinschaftlichen Feind, den gemeinsten der gemeinen, hervorgerufen. Es fehlt namentlich in den kleineren Gemeinden, zur innigsten Betrübniß jedes Gesinnungsvollen, bei aller Aufklärung auf der einen und aller Orthodoxie auf der andern Seite, an allem Interesse für ein echt israelitisches Gemeindeleben im engern und weitern Sinn und der davon bedingten Kampflust für das Höchste und Heiligste der Judenheit und des Judenthums. Man reibt die Kräfte in den niederen Sphären des elendesten Parteistreites auf, wo man sein liebes Ich hervorstechend geltend machen kann; man kühlt sein Müthchen lieber an dem Schochet und wo höhere Beamte angeftellt sind, an diesen; man „eifert für den Herrn" um des hochwürdigen ma-rpt», einer wp, einer i-srrbo, oder eines ähnlichen heilbringenden und seligkeitsbedingenden Gegenstandes willen; — aber für irgend eine große Idee sich zu begeistern, oder für ein höheres Gesammtintereffe sich zu erheben, oder für die Lösung einer Gesammtfrag« aufzukommmen, die in keiner gegenwärtig behelligenden lebensstörenden Erscheinung vorliegt, dazu fehlt Herz und Geist, das überläßt man denen, die oben stehen und den Id een ath er einarhmen. Drunten im Dunstkreise des groben Materialismus lebt sich's so bequem, gefällt man sich so gut, daß man keinen heißern Wunsch hat, als bleiben zu können, wo man eben ist und sein Dämmerleben so fortzuführen. Fürwahr! so ist's; und ein tiefer Schmerz durchzuckt Einen, wenn man das Treiben in den kleineren Gemeinden Niederschlesiens ansieht. Mit dürftigster oder ohne alle geistige Nahrung, mit geringem oder ohne alles Bedürfniß darnach, schleppt man sich zwischen Glaubenslauheit und blindem Glaubenseifer hin, und bedenkt nicht, welchen Verrath man dadurch an sich und der lieben Jugend begeht, und ahnt nicht, wie man vielfach sogar sein materielles Wohl, welches unleugbar in religiös-ethischer Gesinnungstüchtigkeit wurzelt, wenn auch nicht immer sichtbar und unmittelbar unterwühlt und den Nachkommen das Leben erschwert. Auf religiösem Boden lassen die Folgen solch abgeschwachten Gemeindelebens nicht lange auf sich warten. Sie treten überall, aus einer Quelle kommend, naturgerecht in einer und derselben Gestalt auf, wenn keine penetrante Gegenwirkung die Sachen in etwas ändert. — So hat, um einige Beispiele anzuführen, die nicht ganz unbedeutende Gemeinde zu Liegnitz ein im edeln Stile erbautes, innen recht geschmackvoll eingerichtetes Gotteshaus, worin die zierliche Kanzel nicht fehlt. Aber seitdem Herr vr. Sachs aus Berlin am Einweihungstage und am Sabbat darauf das lautere Gotteswort von derselben verkündet, dürfte sie noch keines Predigers Fuß amtlich betreten haben. Sie steht verwaist da; und wer die begeisternden Worte jenes beredten Predigers über „Licht und Wahrheit, welche die Gemeinde in das Gotteshaus geleiten mögen*)", vernommen hat, der denkt mit Wehmuth an den schönen Weihetage, der so spurlos vorübergegangen. Die Ursachen dieser unerquicklichen Erscheinung hier anführen, hieße über die Bestimmung dieses Blattes, welches kein lokales ist, hinausgehen. Aber daß höchst engherzige Motive zu Grunde liegen, glaubt Res. erwähnen und versichern zu dürfen. — Nicht viel besser steht es um die große alte, einstmals für Niederschlesien maßgebende großglogauer Gemeinde. Hier wirkte eine Reihe von Jahren der wackere Herr Arnheim als Oberlehrer und gegenüber dem altehrwürdigen Rabbi Mannes als Prediger. Ein talentvoller und produktiver Mann, würde Herr Arnheim des Guten mehr und nachhaltiger gefördert haben, wenn ihm die rechte Aufmunterung und Unterstützung zur Seite gestanden hätten. *) Ps. 43, 3.

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