Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1850)
- Date
- 1850-07-15
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
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400 Ersteren zu: Glaubet Ihr, ohne erkannt zu haben, so habet Ihr ein leeres Wort, dazu der Mensch nimmer bestimmt ist.' Wir rufen den Letzteren zu: Eure Erkenntniß ist keine Erkenntniß, denn der Mensch kann des Ueberirdifchen Nichts beweisen für sich und an sich, sein letzter Beweis wird immer eine Voraussetzung bleiben. Vielmehr: wir nehmen entgegen die Lehre der früheren Tage, die uns die Jahrtausende, alle Geschlechter der Menschheit in ihrer endlichen Uebereinstimmung zurufen; und diese prüfen wir dann mit unserm Verstände, bemessen damit die Erscheinungen der Natur, die Resultate der Weltgeschichte und die Erfahrungen unsers eignen Lebens. Und was sich da bewahret, erkennen wir; wofür die Urtheile unsers Verstandes, die Schlüffe unsrer Vernunft sprechen, das erkennen wir. Wir erkennen da in der Natur, daß alles Seiende nur Wirkung einer Ursache sein kann, alle Ursachen eine erste Ursache haben müffen, Gott, einen allweisen, allmächtigen, unendlichen Gott. Wir erkennen da in der Geschichte, daß ein großer, einiger Plan durch das Leben der Menschheit geht, der Plan einer göttlichen Vorsehung. Wir erkennen da im Leben, daß nur das Sittliche gedeiht, alles Unsittliche untergeht nach kurzem Bestände, eine göttliche Vergeltung die durch das Leben schreitet. Das lehret uns die uralte Gotteslehre, das bewahret uns die Vernunft aus Natur, Geschichte und Leben, wo wir unbefangen prüfen. Und so haben wir, worauf wir fußen, haben, was uns ausrecht erhalt und den Pfad erhellt, den wir zu wandeln haben. Wir haben erkannt, daß der Ewige Gott ist im Himmel und auf Erden, Keiner mehr! HI. Aber, m. Fr., tauschen wir uns nicht. Auch dies genüget noch nicht. Wird nicht unser grübelnder Verstand immer wieder weiter und weiter gehen? Werden uns nicht immer wieder und immer noch Zweifel überkommen? Denn also ist ja der Mensch geschaffen, daß er stets zwischen Gewißheit und Zweifel schwanke wie das Schifflein des Webers zwischen rechts und links! Nein! noch Einen Maßstab, noch Einen Regulator der Ueberzeugung hat der Mensch empfangen, und darum füget unser Text hinzu: ba „führ' es dir wohl zu Herzen" — auch unser Herz, die Vereinigung all' unserer Gefühle muß übereinstimmen mit dem, was die überlieferte Lehre uns gelehrt, unser Verstand uns bewährt hat. Das Herz, wiffet Ihr, m. Z., was das ist? Geschichte und Verstand, sie sind zusammen der Bestand des Menschen auf Erden, aber das Herz — das ist das unsichtbare Band, das ihn knüpfet über die Erde hinaus an die Welt, aus der er gekommen, und an die Welt, in'die er kommen wird. Darum sagt ihm das Herz, was Geschichte nicht lehrt, und was Vernunft nicht erweiset. Der Mensch auf Erden ist nur ein aus einer andern Welt, oder vielmehr aus der gesammten Welt herausgelösetes Stück Leben, das Mittelstück eines großen Lebens, deffen Anfang und Ende ihm verborgen ist. Gelöset, aber nicht zerschnitten, und das Herz ist es, was ihn noch an beiden Enden daran knüpfet. Im Herzen ruhet die Ahnung, und wer will diese mit allen Zweifeln des Verstandes überwinden? im Herzen ruhet die Sehnsucht, die den in demselben Augenblicke Lügen straft, wo er im selbstdünklerischen Trotze soeben Alles geleugnet. Alles verworfen hat; im Herzen waltet die Liebe, und werwill mir die Liebe erklären mit der Selbstsucht des beschrankten Wesens, mit der Selbstbefriedigung des Genusses? O du klopfendes, schlagendes, wogendes Menschenherz, vergebens sagen sie: du täuschest, du trügest! Wenn dich das heilige Feuer der Begeisterung, das heilige Feuer des Großen, des Edeln, des Lautern ergreift, wie erhebest du dich da riesengroß über die Erde, daß all die Zweifel tief im Staube liegen, und vor dem Blicke deiner Verklärung verschwinden wie Gewölk vor den Strahlen der Sonne. Merkst du es denn nicht, schwacher, bethörter Mensch? wenn dein Herz spricht, aus einer andern Welt kommt dieser Klang, der du angehöcst, du weißt es nicht, von dannen du kämest, dahin du gehen wirst! Und dieses Herz, das mindestens gleichberechtigt neben dem Verstände stehet, wenn du zu ihm sagest: Gott ist im Himmel und auf Erden — hat es sich je dagegen erhoben? wenn du zu ihm sprichst: der ist der ewige Erlöser! wird es dem widersprechen? wenn du zu ihm redest: heilige dich, indem du liebest und Liebe übest — tritt es dir entgegen? Und o, wenn du dir sagest: du bist unsterblich! jubelt es nicht darein voll Zuversicht und unverlöschlicher Hoffnung?! Wohl, m. Th., so ist dies der Drekklang, aus welchem wir den Einklang einer festen, sichern Ueberzeugung gewinnen können — Geschichte, Vernunft und Herz in ihrer Uebereinstimmung. Nicht einer dieser Wege allein führt uns zum Ziele, sondern die drei darin, worin sie sich vereinigen. Was die Geschichte lehrt, aber Vernunft und Herz verwerfen, laß es, was die Vernunft zerfasert und auflöst, aber die Geschichte und das innerste Gefühl