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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-08 · Heft 28 (8.7.1850) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 28 (8.7.1850)
Date
1850-07-08
Page
Seite 392 (sequence 12)
Language
German
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392 Wenn nun das Abhaltm der Predigt zu je vierzehn Tagen unter den vorhandenen Umständen als rathlich erscheinen dürfte, so muß doch als oberster Grundsatz festgehalten werden, daß kein sabbatlicher und festtägiger Gottesoienst ohne religiösen Vortrag von Seiten des Rabbiners oder Predigers vorübergehen dürfe. In vielen kleinen und größeren Gemeinden, wie in Frankfurt, in Braunschweig, kommt, so weit mir bekannt, dieser Grundsatz thatsächlich zur Ausführung. Auch Schreiber dieses hält diesen Grundsatz fest und kann aus Erfahrung den Erfolg bis dahin ausdehnen, daß die Gemeinde einen religiösen Vortrag als einen integrirenden Theil des Gottesdienstes zu betrachten sich immer mehr und mehr gewöhnt. Diese Vorträge, mit Geist und Geschicklichkeit gepflogen, auf ein tieferes Erfassen des aus der Tora oder Haflora vorgelesenen ausgehend, in freier gemüthlicher, dem Volke mehr mundgerechter Sprache vorgetragen, werden in der Regel sich großer Theilnahme erfreuen. Der begabte Mann wird gleichsam wie von sich selbst sich in dieser Vortragsweise der Predigt nähern, ohne daß das Steife, Etikettenartige und Geschraubte der Predigt zum Vorschein komme und jedenfalls den Gewinn erzielen, das Bedürfniß nach synagogalen Vorträgen rege zu machen und rege zu erhalten. Schließlich bemerke ich noch, daß ich Ln dem bisher Gesagten keineswegs ein gründliches Heilmittel gegen die in jenem Aufsatze dargelegten Mangel erblicke. Bei einem so tief in die israelitisch religiöse Bildung einschneidenden Gegenstände sind auch Winke und Bemerkungen von Nutzen, und es wäre zu wünschen, daß Viele ihre Meinung und Erfahrung über den beregren Gegenstand aussprechen und wenn auch keine allgemeine und umfassende Grundsätze daraus resultiren, so werden doch Dinge vor- und auseinandergelegt, die das redlich strebende Individuum mit Nutzen und Erfolg gebrauchen und verwenden kann. vr. M. Dreifuß, Landrabbiner. Belletristisches. Per Schlemiehl. Eine Skizze aus dem Leben. (Fortsetzung aus No. 23. 24. 26.) 7. Der Ruf unsers Jünglings als Deklamators hatte sich schnell auch in der Stadt verbreitet. Er hatte auf vieles Bitten bald bei dieser, bald bei jener alten Jungfrau einen Vortrag gehalten, und die Frauen waren stets, wenn er in gräßlicher Furie' sein: „Deine Uhr ist abgelaufen, Vogt" — oder: „Was ist das Leben? Leerer Traum! Was ist das Leben? Hohler Schaum!" oder: „Sind wir Menschen, find wir Affen?" donnerte, zu sehr gerührt, als daß sie nicht seinen Ruhm von Haus zu Haus tragen sollten. Und wissen wir es nicht, daß auf solchen Schwingen oft genug eine höchste Zelebritat emporgehoben wird? Plötzlich ist einer ein großer Mann, ein großer Sänger, ein großer Gelehrter, Dichter, Schneider, Schuhkünstler u. dgl., Niemand weiß woher? Was hat er geleistet? was Großes geschaffen? wobei sich bewiesen? Niemand weiß es. Aber er ist doch ein großer Mann, denn er gilt ja dafür. Die Kunkel- und Klatschweiber waren die Hebeammen und Ammen seines Heldenthums. Ihre Jungen haben ihn großgesaugt. So auch unser Schlemiehl. Die erste Thcane, die aus den rothen Augen eines alten Weibes rollte, machte das Schifflein seines Ruhmes flott. „Was aus dem Schlemiehl geworden ist! Wer hätte das je gedacht!" Schlemiehl war also auch hier bald gesucht, und wenn ihm diese Darstellungen auch keine Geschenke brachten, so doch Lobsprüche, die aber unsern Helden mehr sättigten als Brod und Fleisch. Dieser Beifall hatte aber eine doppelte Wirkung, zuerst auf mich, indem ich mich angespornt fühlte, das entworfene Trauerspiel abzufaffen, dann auf den Urheber derselben, indem er sich nun stark genug fühlte, allen seinen Feinden entgegenzutreten, seine Verhöhner zu verhöhnen, seine Verächter zu verachten. Der Schlemiehl erhob sich, und machte Anspruch auf Bewunderung; er warf den Kopf bis in den Nacken zurück, seine Arme schlenkerte er gewaltig, und seine Beine schienen bei jedem Tritte zu sagen: „Erde freue dich, daß du von mir getreten wirst! So was geschieht dir nicht alle Tage!" Dadurch aber brachte unser Held bald eine Koalition gegen sich zu Stande. Die Jugend ward feindlich gegen ihn gesinnt. Viele Jünglinge sahen sich durch ihn in winterlichen Abendgesellschaften in dm Schatten gestellt, durch ihn, den sie so sehr verachteten, ihn, der ihnen an Eleganz der Kleidung und feiner Sitte so weit nachstand, und auch nicht eine einzige süße Fadaisance und kein

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