Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1850)
- Date
- 1850-07-08
- Page
- Seite 387 (sequence 7)
- Language
- German
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387 Rußland einige Jahre fungirte, kurz darauf aber in der hiesigen Kaufmannschaft ausgenommen sich ein eignes Kommifsions- und Speditionsgeschäft etablirt hat. — Mit Fleiß, Ausdauer, Biedersinn und Realität seinem frisch begonnenen Lebensberuf hingegeben, erwarb sich M. T. in einer kurzen Zeit ein unbegrenztes Zutrauen seiner Komittenten und wurde baldigst als achtbarer und würdiger Kaufmann nah und fern renommirt. Durch einen öftern Handelsverkehr mit einem der hiesigen angesehensten Bankiers und Gemeindevorsteher, gewann M. T. die Freundschaft desselben, und benutzte solche, ein lang getragenes Vorhaben, die Förderung des geistiges Wohls seiner Mitbrüder bezweckend, zur Ausführung zu bringen. Es war dies der Plan zu einer neuen Herausgabe der heiligen Schrift mit der Uebersehung Mendelsohns, die im Jahre 1836 nachdem M. T. durch eine in hebräischer Sprache vorausgeschickte Ankündigung unter dem Titel „Pesach-tikwa" eine ansehnliche Zahl Anhänger herbcigezogen, bewerkstelligt wurde. Sein hebräisches Gedicht sammt einem den Davidischen Psalmen nachgeahmten Gebet „Tcfila le Moste" hat der in Polen zum ersten Male erschienenen Bibel selbst bei dem orthodoxen Judenthum leicht Eingang verschafft. Nach diesem ersten Debüt trat M. T. im Jahre 1838 abermals mit einer eignen literarischen Arbeit auf, mit der Abfassung eines Werkes nämlich in drei Thcilen unter dem Namen ,,Matue Meße", worin viel Wissen, originelle philosophische Ansichten im Gebiete der Theologie beurkundet, moralisch-religiöse Lehren erörtert, und sittliche Wahrheiten im poetischen Gewände hebräischer Sprache dargcstellt sind. — Noch in den spateren Jahren suchte er immer dem vielseitig ihn in Anspruch genommenen Geschäftsbetrieb einige Stunden abzugewinnen, die er mit Aufopferung eigner Ruhe und Behaglichkeit der weitern Ausbildung und Erforschung der Weisheit weihete. Seine unzähligen hebräischen Handelsbriefe, die er mit so vielen jüdischen Komittenten in Polen und Rußland gewechselt, werden von denselben lange ausbewahrt werden, als Muster eines gediegenen kaufmännischen, von jüdischen Schriftstellern so selten bearbeiteten Stils, und seine flüchtigen Fragmente in Gedicht und Prosa strotzen von Erhabenheit, Eleganz und geschmackvoller Kunst hebräischer Poesie.*) Als eifriger Glaubensbekenner *) Ein hebräisches Gedicht, welches M. T. zur Ehre und frommer Verehrer der Lehre der Väter machte er sich's zur Lebensaufgabe, die Wahrheiten seiner Religion gegen Anfechtungen und feindliche Gesinnungen energisch zu vertheidigcn, und als im verstossenen Jahre ein Judenfeind in unserer Mitte es wagte, durch Herausgabe einer Schmähschrift das Judcnthum in den Augen seiner christlichen Mitbrüder zu verdächtigen, da war M. T. der einzige gottbegeisterte Mann unserer Gemeinde, der die Religionswaffe ergriff, auf dem Gebiete der Polemik dem Feinde entgegenzog und ihn siegreich bekämpfte. — Kaum aber hatte er seinem religiösen Eifer genügt, seines Jdeendranges sich entledigt, ohne sich zumal der Erscheinung der auf eigene Druckkosten bewerkstelligten Broschüre zu erfreuen, da beschicd ihn der allgütige Vater zu sich, um ihm droben in jenen Himmelshöhen den Lohn angedeihen zu lassen, der für die Frommen und Rechtschaffenen aufbewahrt ist. — Am 26. Tamus v. I. von der wüthendcn Cholera ergriffen, entschlief M. T., dieser geistreiche und verdienstvolle Mann, in dem 54ten Jahre seiner Pilgerschaft. H. N. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Die Eiuleitmig zu den Psalmen. Auf mehrfaches Ersuchen, wenigstens den Theil des §. 4 unserer Einleitung zu den Pf. noch mitzutheilen, der von den schwierigsten Ueberschriften handelt, lassen wir diesen folgen, und zwar wo ec abgebrochen wurde. Zum tritt als eine spezielle Bezeichnung dieses Sangmeisters, dem der Ps. übergeben werde: 2) Pf. 39 ‘pnmb, 62. 77. hy, von denen 39 und 62 von David und auch nach ihrem Inhalte ein Psalmenpaac bilden, 77 zwar von einem Aßaph im Exil, aber Aehnlichkeit mit 62, namentlich daß die meisten Verse mit N 0) beginnen. Jedithun war einer der Sangmeister Davids 1 Ehr. 16, 41. 42., der an der Spitze seiner sechs Söhne stand, die die „Zither" spielten, das. 25, 1. ff. Derselbe mit seinem Chore amtirte bei der Einweihung des Tempels Schelomo's 2 Chr. 5, 12. So erscheinen Nachkommen Jedithuns auch bei der Pedes Sir Moses Montefiore geschrieben, wurde in dieser Z. d. I. hervorgehoben. Korcesp.