Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1850)
- Date
- 1850-07-08
- Page
- Seite 386 (sequence 6)
- Language
- German
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388 meinte unter dem Vorsitze des Herrn Bürgermeisters jenes Kapital ermitteln sollen, welches die Judengemeinde sür die gemeinschaftliche Benützung des Gesa mm tvermö gen s der Stadt — bei einer Vertheilung desselben nach dem Verhältnisse der beiderseitigen Gesamintbevölkerung an die gemeinschaftliche Gemeindekasse zu erlegen hat. Man will jetzt das Stadtoermögen zu 2,000,000 fl. annehmen, die Mitgliederschaft der Stadtgemeinde auf 70,000, die der Judengemeinde auf 7000 Seelen berechnen, und von Letzterer somit die Summe von 200,000 fl. als Ausgleichskapital beanspruchen, während das Inventar vom Jahre 1846 ganz andere Resultate geliefert hat. Nach längerem Hin- und Herdebattiren erklärte sich endlich die Versammlung ungeachtet des Antrages des Herrn Jarosch in Hinsicht der Kompetenz eine Anfrage an die Stadthalterei zu richten, für kompetent, und beschloß noch vor der Neuwahl ohne eine vorhergehende Anfrage an die Statthalterei die pekuniäre Anschlnßangelegenheit in Angriff zu nehmen und jene Kommission zu ernennen, welche die Modalitäten dieses Anschlusses vorzuberathen hätte. Gleichzeitig wird die Kreisregierung angegangen werden, die Jsraelitengemeinde davon in Kenntniß zu setzen und aufzufordern, eine gleiche Anzahl Vertreter zur Vorberathung zu bezeichnen. Polen. Warschau, im Juni. Am 29. Siwan wurde auf unserm jüdischen Gottesacker ein Grabstein errichtet, dessen anspruchsloses Aeußere und ungekünstelte Skulptur nicht jenen hochaufgethürmten prunkhaften Monumenten gleich, das Auge des Vorbeigehenden an sich fesselt; dessen gehaltreiche Inschrift aber nichtsdestoweniger den tiefer sehenden Beobachter herbeilockt, indem sie ihm zuwinkt: diese Grabstätte bergt die Gebeine eines der geistreichen und verdienstvollen Männer Israels. Das Epitaph in seiner Ursprache lautet:! r-i« »y '-pyaa , rtbss ■passa S'w j'ibsa ■'TV' — rbaa naa — inoan 'mnjB .nbL« £py:n , lariwb niNsnb .irniZ “pbs>sa ^bas -1N122 isna naa , ttiiaNin pnsn — n«:p 'Ti nstsp •'ineei ^ay yiü'b ,*nasD «sm ,^ibJ2b 12N ,— lina ■’aaipnai — rvbo “fnaNba ,napw ‘jrrn yia s-naayaaiea -ais ia nva aboiian uaan n'h .ri'aisan — .aSh nan i"a 'a öra Wenngleich diese wenigen, kurzgefaßten Zeilen eine schlechterdings hinlängliche Skizze des Lebens Mosis Tannenbaum darstellen, so sei es dennoch einer unparteiischen Feder vergönnt, die Lebenstage desselben zu durchmustern, um manche Hauptmomente seiner 54jährigen rastlosen Thatigkeit zu berühren. In dem kleinen Städtchen Terespol an der Grenze zwischen Rußland und Polen anno 1795 geboren, verlebte M. T. die erste Periode seines Wachsthums, einer von Ostwest bewegten Pflanze gleich, bald von scharfsinnigem Pilpul und in der Halacha ausdauerndem Studium der polnischen Talmudisten angehaucht, bald die rabbinisch - kabalistische Gelehrsamkeit .ebensowol die tüchtige Kenntniß in hebräischer Sprache und Literatur der russisch-lithauischen Juden einathmend. — Unter solchen heterogenen Einflüssen gelang es M. T. sich, bei wohlbegabten Anlagen und Fähigkeiten, rühmlichst durchzuarbeiten und seine Aufgabe zu lösen, indem er nächst einer.Fertigkeit im Talmud und in den rabbinischen Lehren obendrein noch eine recht wissenschaftliche Tüchtigkeit in hebräischer Sprache und Literatur sich anzueignen wußte, ohne jedoch manche profane Sprache und Wissenschaft außer Acht zu lassen. Allein wenn das oben erwähnte Terespol, wie überhaupt jedes andere Provinzstädtchen, geeignet war, in demselben ein zurückgezogenes und beschauliches Leben zu führen, so vermochte es doch nicht ihren bedürftigen Einwohnern die Mittel darzubieten sich mit zahlreichen Familien zu ernähren, und sicherte umsoweniger der wohlbegabtern Klaffe die Aussicht, ihrem Vermögen entsprechende Revenüen herausvindiziren zu können. Von diesem Bewußtsein durchdrungen, faßte M. T. im Jahre 1831 den Entschluß, seine Geburtsstadt zu verlassen, und begab sich noch in demselben Jahre mit Habe und Gut an der Spitze seiner Familie nach der Hauptstadt Warschau, wo er Anfangs als bevollmächtigter Assistent eines Handelshauses aus