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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-08 · Heft 28 (8.7.1850) · p. Seite 383

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 28 (8.7.1850)
Date
1850-07-08
Page
Seite 383 (sequence 3)
Language
German
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583 seit Jahren nöthig geworden, zu den gottesdienstlichen Verrichtungen an den jüdischen hohen Feiertagen, Neujahr und Versöhnungstag, alljährlich für diese drei Tage ein öffentliches Vrrgnügungslokal, wie die Villa Colonna, das Gesellschaftshaus rc. für eine hohe Miethe zu gewinnen, was bei Vielen Anstoß erregte. Jetzt wird nun in dem Garten des erwähnten Grundstücks, unter der Leitung des Architekten Tietz, eine große, geräumige, sechszehnhuntert Personen umfassende Synagoge in dem würdigsten und zeitgemäßestcn Stile erbaut. Auch soll das Gebäude heizbar eingerichtet werden, damit es in kalten Winterlagen, anstatt der großen, nicht heizbaren Synagoge, zum Gottesdienst benutzt werden kann. Die Ausführung und die innere Ausstattung des Baues wird zwar einfach, aber nichtsdestoweniger durchaus geschmackvoll und eines würdigen Gotteshauses angemessen werden. —. Die Köln. Ztg. enthält: In Rendsburg hat eine israelitische Wittwe ihren hundertjährigen Geburtstag gefeiert. Diese Frau trat mit dem vierzehnten Jahre in den Ehestand; sie hat drei Kinder, wovon das älteste zweiundachtzig Jahre alt ist, das zweite siebenzig und das dritte sechszig. Eine ihrer Enkelinnen hat einen Sohn von zwanzig Jahren. Die Frau heißt Gliemcyer und ist Modehändlcrin. Erst jetzt hat sie ihr Geschäft aufgegeben, da ihre geistigen Kräfte abzunehmen beginnen; körperlich aber ist sie noch vollkommen gesund und rüstig und führt ihren Hausstand wie vor achtzig Jahren. Arolsett, im Juni. Im Lippeschen ist nun die Gleichheit des Schwures bei allen Konfessionen festgestellt, doch so, daß jedes Individuum eine konfessionelle Bezeichnung zum Schwure hinzufügen kann, wenn er will. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesih, im Juni. Dem „Lloyd" wird geschrieben: Bei den ungarischen Israeliten geben sich, wie man mir aus einer diesfälligcn guten Quelle berichtet, mannigfaltige untrügliche Anzeigen einer liturgischreaktionären Richtung kund. —. In der Schnciderzunft hat sich die Majorität für Aufnahme der Israeliten in diese Innung ausgesprochen. Das Faktum ist darum von Bedeutung, weil gerade dieses Handwerk zumeist von den Israeliten getrieben wird, die paar jüdischen Schuster, Spengler u. s. w. würden dann um so weniger von den re>'p. Vorständen zurückgestoßen werden. Es ist indessen die Bemerkung hier ebenso richtig, daß die Korporation der Schneider, außerdem daß sie durch ihren Entschluß einer dem Zeitgeiste entsprechenden Maßregel der Humanität gerecht worden ist, auch noch ein eigenes positiv materielles Interesse bei der Sache hat. Die jüdischen Kleidermacher, welche keinerlei Jnnungsvorschrift zu gehorchen hatten, erhielten ihre sogenannte Befugniß, wenn auch nicht unter dem Titel eines zünftigen Meistcrrcchts, oft in zweimal 24 Stunden, und begannen sogleich mit ihren Gesellen und Lehrlingen zu arbeiten. Auf diesem Wege nahm die Konkurrenz in einer Ungeheuern Progression zu, was niemals hätte der Fall sein können, wenn auch die jüdischen Arbeiter dem beschränkenden Zunftregulativ unterworfen gewesen wären. Wien, 26. Juni. Dem Vernehmen nach werden nächstens im Ministerium unter Beiziehung von Vertrauensmännern Berathungen über Normirung der jüdischen Kultusangelegenheitcn stattsinden. Synagogenverfaffung, Matrikenführung und die Angelegenheiten der jüdischen Religionsfonds sollen Gegenstände der Berathung bilden, und mit theilweiser Benützung der in einzelnen Kronländern bereits aufgenommenen Berathungsprotokolle darüber zur Erzielung einer Gleichförmigkeit entschieden werden. Wien, 29. Juni. Man vernimmt, daß, den ausdrücklichen Bestimmungen entgegen, welche unter dem Ministerium Stadion in Betreff der Reisepässe und Wanderbücher erlassen wurden, die neu auszustellenden Heimathschcine eine Rubrik für die Religion enthalten sollen. —. Während die Israeliten in Mähren sich den rohen Ausbrüchen des Pöbels preisgegeben sehen, haben es die hiesigen mit der rafsinirten Intoleranz der Gemeindebehörden selbst zu thun. So ist die hiesige Gcmeindeangchörigkeit Männern bestritten worden, welche sich seit 50 Jahren mit Regierungsbewilligung ununterbrochen hier aufhalten und ein konzessionirtcs Gewerbe versteuerten, weil „sie diese Bewilligung nach den alten Judenverfolgungsnormen von 2 zu 2 Jahren anzusuchen hätten, mithin in Ermangelung einer stetigen Toleranz nicht hier, sondern ihrem Geburtsorte angehörig erscheinen."

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