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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-08 · Heft 28 (8.7.1850) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 28 (8.7.1850)
Date
1850-07-08
Page
Seite 382 (sequence 2)
Language
German
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382 vom Alten Differuirenden ergreift und zur Konstiruirung > bringt. In den kleineren Gemeinden haben die großen und ernsten, tiefgreifenden Weltereignisse den kleinen, aber lebhaften Refomkrieg zum Stillstand gebracht; man sieht über die Ziele, nach denen man mit so vieler Energie strebte, hinweg, und thut Nichts als — konserviren. Früher oder spater wird es wieder erwachen, aber man wird begriffen haben, daß so kleine Körper nicht durch Spaltungen, sondern nur aus der einigen Wurzel heraus durch die allmahlig wirkende Treibkraft der Zeit schaffen kann. Die Zeit, wo die Verhältnisse für das Judenthum als Religionskörper sich wieder genauer gestalten muffen, naht im östlichen Deutschland. Mit dem Kirchen- und Unterrichtsgesetze, das in Preußen nicht lange mehrauf sich wird warten lassen können, muß die Stellung des Judenthums, und sei es auch nur negativ, sich entscheiden. Freilich hofften wir einen Augenblick, daß die Judenheit hierbei in irgend einer Art die Initiative ergreifen wird. Wir wollten hierzu die Rabbinen animiren, von Berlin aus wollte man die Gemeinden zu diesem Zwecke vereinen. Beides, wie es scheint, ist gescheitert. Wir spielen die Passive, nicht den passiven Widerstand, sondern nur das passive Erwarten und Hinnehmen. Nun, so soll es sein, und das Einzige, was wir thun können, ist, aufmerken. In Oesterreich geht es einen kräftigem Gang. Die österreichische Regierung behandelt die Judenheit nicht als einen Abfall, der schon zufrieden sein muß, wenn man ihn existiren laßt, und dem man eben nur zufallen laßt, was vom großen Organifationstische abfallen werde, sondern sie betrachtet das Judenthum als einen bestehenden Körper, zu dessen Reorganisation sie die leitende Hand bietet. In Mahren find die Berathungen der jüdischen Vertrauensmänner bereits zu Ende gediehen, in Böhmen gehen sie vor sich. So wird man zu bestimmten Resultaten kommen. Man kann der österreichischen Staatsregierung nur Dank wissen, wahrend unsere Herzen in Preußen kummervoll schlagen. Wir haben hier alle moralische Kraft nur aus uns selbst zu schöpfen, wahrend man ihr dennoch die volle freie Bewegung nicht gestattet. Jedenfalls können wir beruhigter in die Zukunft blicken. Eine große Weltkrisis war da, und das Judenthum hat sich in ihr bewährt. Die große Masse der Juden hat bewiesen, daß ihr Herz noch für den Bestand ihrer Religion erfüllt ist, und daß sie an Nichts weniger denkt, als sich von ihr zu lösen. Das Judenthum hat somit abermals die Weihe des Lebens erhalten. Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, 20. Juni. Das israelitische Zentralkonsistorium hat zum Mitglied des obersten Unterrichtsraths seinen Vizepräsidenten, Herrn Adolph Franck, Mitglied des Instituts von Frankreich und Professor der Philosophie am College de France, ernannt. Deutschland. Von der Weichsel, 9. Juni. Ein katholischer Geistlicher Danzigs weigert sich, ein unbescholtenes Mädchen katholischen Glaubens einzusegnen, weil dasselbe bei einem jüdischen Kaufmanne dient, „als bei einem Abkömmlinge des verfluchten Volkes, welches «inst den Heiland kreuzigte." Sollte man in unsrer Zeit so etwas noch für möglich halten? (Königsb. H. Z.) Berlin, 29. Juni. Wir theilen zur Beachtung folgende Notiz mit: In der jüngsten Zeit sind einige Kläger gegen den Redakteur der Neuen Preuß. Zeitung, Assessor Wagner, zurückgewiesen worden, weil Herr W. den Einwand machte, daß er nicht Verfasser der beleidigenden Artikel sei, er habe zwar auf Anfragen der Rechtsanwälte der Kläger, wer der Verfasser jener Artikel? nicht geantwortet, er sei aber hierzu auch nicht verpflichtet gewesen, weil die Rechtsanwälte ihm keine Vollmacht präsentirt hätten. Den Klägern sind zum Theil durch die Zurückweisung nicht unbedeutende Kosten entstanden, sie werden sich aber die Genugthuung nicht versagen, die von Herrn W. genannten Verfasser zu verfolgen. —. Einem langjährig gefühlten Bedürsniß abzuhelfen, wird jetzt durch die Bemühungen des Vorstandes der alten jüdischen Gemeinde, in der großen Hamburger Straße No. 11 (gegenüber der jüdischen Altervcrsorgungsanstalt) der Bau einer zweiten, wenn auch nur provisorischen Synagoge für den streng konservativen Gottesdienst in Angriff genommen. Bei dem Geiste der hiesigen Gemeinde ist nämlich schon

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