Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1850)
- Date
- 1850-07-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XIV. Jahrgang. No. 28. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur I)r, Ludwig Philipps««, Rabbiner zu M agd e burg. Leipzig, Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. den 8. Juli 1850. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedltg: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22y2 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. j Leitender Artikel: Ein Blick in die Gemeinden.! Zeitungsnachrichten: Frankreich: Paris. Deutschj taub: von der Weichsel, Berlin, Arolsen. Oesterrei chischer Kaiserstaat: Pesth, Wien, Wien, ans Mähren, Brody, Brody, Prag. Polen: Warschau. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Die Einlei-! tung zu den Psalmen. — Die moderne Predigt, von vi. M. Dreifuß. Belletristisches: Der Schlemiehl. Eine Skizze aus dem Leben. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, 30. Juni. Ein Blick in die Gemeinden. Sehr richtig wurde neulichst in dieser Zeitung von einem unserer Korrespondenten bemerkt, daß, wenn wir nun auf die letztverfloffenen Jahre zurückblicken, durchaus die Wünsche und Meinungen, welche von radikalster Seite oft genug ausgesprochen wurden, als ob der ganze Körper des Judenthums in der zivitisirten Welt der Auflösung nahe wäre, und selbst die Besorgnisse, die von befreundeter Seite gehegt wurden, nicht in Erfüllung gegangen sind. Es ist Derartiges nicht geschehen, sondern Alles zusammen und fest geblieben. Wenn in den größeren Gemeinden ein Prozeß der Auflösung vor sich zu gehen schien oder scheint: so ist es vielmehr ein Scheidungsprozeß der großen Parteien, die da langst bestanden, und die sich jetzt auch äußerlich zu eigenen Körperschaften konsolidiren wollen. Es liegt also in diesem Scheidungsprozeß zugleich wieder ein Bildungsprozeß eine festere Gestaltung, die keine Aehnlichkeit mit einer Auflösung hat. Es ist nur eine Auflösung des bisherigen Gemeindeverbandes, an dessen Stelle kleinere treten, die durch die Homogenität ihrer Theile nur desto solider sein werden. In Berlin will die Reformgenofsenschaft eine eigene Korporation bilden; die Korporationsrechte werden ihr für jetzt versagt werden, auf die Lange nicht. In Hamburg könnte es kommen, daß, wie dort bis jetzt eine portugiesische und eine deutsch-israelitische Gemeinde neben einander existirten, noch eine besondere Tempelgemeinde — denn bis jetzt war diese von jener nicht getrennt — und eine altorthodoxe erstünden. In Breslau haben wir schon lange zwei Kultusgesellschaften neben einander. Nun, darin ist noch keine Gefahr für das Judenthum zu erblicken, denn die Größe der Gemeinden hat für dieses keine ausschließliche Bedeutung. Es ist ihm am Ende gleichgiltig, ob zwei oder drei Gemeinden innerhalb derselben Ringmauern existiren, oder eine. In New-Uork haben wir 13 Gemeinden neben einander, und das Judenthum ist dort im frischesten Wachsthum. Ja, es ist vorauszusetzen, daß, wenn sich nur erst der oppositionelle Streitgeist etwas gelegt haben wird, diese einzelnen Sondergrmeinden sich wieder näher rücken und Gemeinsames in gewissen Instituten finden werden. Wir können daher gerade in diesen Vorgängen die fortdauernde Lebenskraft des Judenthums erkennen, welche selbst die,