Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1850)
- Date
- 1850-07-01
- Page
- Seite 375 (sequence 7)
- Language
- German
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375 und, wenn die nicht mehr sind, blos in der Sprache der Tod len zu predigen." AuS Ungarn, im Juni. Bekanntlich haben es jetzt die ungarischen Altkonservativen unternommen, die kaiserliche Regierung zu bestimmen, den frühern Zustand in Ungarn wiederherzustellen. Einen dahin bezüglichen Artikel enthält der „Lloyd", welcher wenigstens erweist, daß man der Gesammtheit der Juden nicht mehr jene Verachtung widmet, welche ihrem Gegenstände als nicht beachlenswerth vorübergeht. Bon den Ufern der Hernad, 1. Juni. *1-* Auch die Juden läßt der Verfasser der Broschüre „Ungarns Gegenwart, Mai 1850," gegen die neue Ordnung der Dinge in Ungarn Front machen. Es ist nicht zu verwundern, daß ein Altkonservativer diese ältesten Konservativen der Welt zu seinen Bundesgenossen machen will. Er hat nicht Unrecht, wenn er die Juden als mit den Altkonservativen liirt behandelt, und sie eingeweiht in die Geheimnisse der Schuldbücher dieser Herren und die unentbehrlichen Rarhgeber dieser ihrer Geschäftsfreunde nennt. Nur dürften die ungarischen Juden eben nicht Ursache haben, bei den Konservativen auf andere Vortheile zu rechnen, wie auf den Prozentengenuß dargeliehener Kapitalien. In Ungarn kehrten die Konservativen seit jeher die ganze Schärfe der Legislatur gegen die Juden. Daß diese durch Jahrhunderte nahezu rechtlos dastanden, von jedem fester» Boden der Eristenz vertrieben wurden und sich nach und nach auf das Gebiet der Geldwirthschaft und des Handels zurückgedrängt sahen, verdanken sie nur den Konservativen, die auch jetzt, so weit sie können, ihren amtlichen Einfluß dazu benützen, um die Gleichberechtigung der Juden auf das möglichst geringe Maaß zurückzuführen. Was den Juden die letzten Landtage brachten, ist ein Ergebniß der Bemühungen der Opposition, und bei Licht besehen, eine sehr geringe Gabe. Denn noch immer blieben die Juden auch nach der neuern Gesetzgebung von einigen der besten Komitate ausgeschlossen, und in den übrigen erlangten sie nicht viel mehr als ein mattes Recht des Wohnsitzes; den Vollgenuß der bürgerlichen Rechte verwehrte ihnen der konservative Einfluß, wähnend er hätte ohnedies zu viel gegeben. Der ungarische Jude lst dem Aufgehen Altungarns im großen Oesterreich nicht feind. Er würdigt die großen Vortheile des Verschwindens der Zwischenzolllinie für sein Lieblingsgeschäst, den Handel, er knüpft große Hoffnungen an das Zustandebringen von Kommunikationsmitteln, welche das Land mit den Nachbarländern und die Komitate unter sich zu verbinden im Stande sind. Er berechnet die Segnungen einer nicht vom Parteigeiste beherrschten Rechtspflege in ihrem weitreichenden Einfluß auf den Kredit. Er vertraut der Kraft und dem Willen der Zentralregierung, daß die Emanzipation der Juden in allen Richtungen des sozialen Lebens in nicht ferner Zukunft durchgeführt werden wird. Seine kosmopolitische Richtung ist dem, überall Ausgleichung und Versöhnung der Gegensätze anbahnenden Wirken der Zentralgewalt nicht fremd. Seine Vertrautheit mit dem deutschen Elemente, dessen Hauptträger er in Ungarn ist, bildet ein Band mehr, das ihn bei Großösterreich, dieser wesentlich deutschen Macht, festhält. Der Jude in Ungarn denkt dagegen mit Grauen an die Möglichkeit der Konservirung einer Gesetzgebung, die ihn zum Paria machte. Er hat keine Sympathien für die altungarischen Zustände, worin das gottgegebene Recht nur in der Form des Privilegiums Bestand haben konnte. Er ist fern davon, eine Zeit zurück zu wünschen, in welcher die Bevölkerung Ungarns sich in zwei Lager theilte, in eines, wo es lauter Leute mit Rechten ohne Pflichten, und in eines, worin es Menschen mit lauter Pflichten ohne Rechte gab. Noch hat die Regierung für die Juden in Ungarn viel zu thun, um sie zu vollberechtigten Staatsbürgern zu umstalten. Von der konservativen Seite haben sie nur Negation zu erwarten, deren eiskalter Hauch überall zu spüren ist, wo konservativer Einfluß waltet. Der Verf. der Eingangs angeführten Broschüre schreckt die Juden mit dem Bilde eines Slowakenkronlandes. Die Juden vertragen sich mit allen Nationalitäten, sie sind ebenso heimisch in Fez wie in Ujhely, in Moskau wie in Paris. Den Juden als Polyglotten psr excellenoo, ist eine slowakische Amtssprache kein Hinderniß. Auch für ihren Talmud, der gewiß nach wie vor hebräisch bleiben würde, besorgen sie Nichts von slowakischer Seite. Unter konservativem Regimente könnte es wol dahin kommen, daß auch der Talmud sich in's magyarische Gewand würde kleiden müssen, wie man die armen Slaven in der