Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1850)
- Date
- 1850-07-01
- Page
- Seite 374 (sequence 6)
- Language
- German
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374 findigkeitsproduktion wäre und die Heiligkeit der Gesänge durch Arien von Kneipenliedern profanirt und entweihet werden; dann in Betreff der Schule: die Ueberwachung der Schulen von den ungebildeten Rabbinen, die daraus folgende allzu große Zeitverwendung aus das Hebräische und besonders auf den Talmud, und endlich die gänzliche Vernachlässigung der Naturwissenschaften). Nachdem dies Alles begründet und bewiesen, und auch dann die Rückwirkung derselben auf Moralität und Charakter dargethan worden, nachdem nun auch dargelegt worden, daß dieses chaotische Gewirre durchaus nicht einer allmäligen Selbstentwicklung überlassen werden könne, da diese vielleicht mehr als ein halbes Säkulum erforderte, und der Regierung doch daran gelegen sein muß die israelitischen Staatsbürger in gleichem Schritte mit denen der anderen Konfessionen gehen zu sehen: wurde dann die Regierung angegangen, für die Verwirklichung mehrerer Verbesserungsvorschlägc Sorge zu tragen, welche ich wiederum nur auszugsweise mittheile. Die Hauptpunkte waren: 1) Die Einsetzung eines geistlichen Konsistoriums, bestehend aus einem Oberlandesrabbinen und vier Distriktualrabbinen. 2) Die Bestimmung, daß von nun an alle Rabbinen klassisch-philosophisch gebildet und mit Testimonien von den acht Gymnasialklaffen versehen sein müssen, die Lehrer und Subrabbi in den Filialgemeinden hingegen mit Zeugnissen aus der Pädagogik. 3) Die Errichtung eines Rabbinats- und eines Lehrerseminars. 4) Die gänzliche Unabhängigkeit der Rabbinen von den Gemeinden und die Besoldung derselben als auch der Lehrer von einer zu errrichtenden Kultuökasse. 5) Eine allfünfjährliche Berufung von Rabbinen und sachverständigen Laien zur Synode, um die indeß nothgewvrdencn Verbesserungen zu berathen. Ungefähr dieses waren die Vorschläge. Gebe Gott, daß uns dieses gewährt werde. Was läßt sich nicht Alles erwarten von klassisch-philosophisch gebildeten Rabbinen, von wahrhaften Pädagogen und von Kirchensynoden? Da besonders das Volk nur von den Rabbinen und ihrer Zelotenpartei systematisch in Dunkelheit erhalten wird. Denken Sie sich nur! Der hiesige Rabbi fragte neulich einen zu eraminirenden Schächter, ob er innerhalb dreier Jahre nicht mit einem Mädchen getanzt habe. Der junge Mann in seiner Aufrichtigkeit und im Bewußtsein, daß dies nichts Sündhaftes wäre, bejahrte es. Darauf der finstere Rabbi: „So kann ich Euch nicht die Erlaubniß zum Schächten geben!" Solche Rabbinen hat man hier zu Lande. Besonders aber ist dies der Fall auf 10 -15 Meilen in der Nähe von Preßburg, da die Rabbinen alle dem preßburger Oberorthodoxen nacheifern. Von Preßburg weiß ich Ihnen so viel zu sagen, daß die Sabbatschule noch immer nicht in'S Leben getreten ist. Der Gemeindevorstand sprach dem Lesevereine das Recht ab, eine Schule gründen zu können, da er keinen Fonds hat, so könnte mit der Zeit die Erhaltung der Schule auf die Gemeinde fallen und daher wollte der Vorstand selbst dahin trachten, ein solches Institut baldigst in's Leben zu rufen. Der Leseverein ließ sich, obwol nicht gern, beschwichtigen. Nun hieß es: Pfingsten werde die Schule eröffnet. Pfingsten kam, aber die Schule blieb zu. Ja wol, wir hätten fragen sollen, welche Pfingsten? in welchem Jahr? und der frömmelnde Vorstand hätte geantwortet: v'bw'N'2 nrrvb Ueber's Jahr wird der Messias kommen, werden wir gar keine solche Schule brauchen! y. 6. Nachschrift. Preßburg hat fast ein ähnliches Memorandum wie das von Bösing übergeben. Nach Schließung des Briefes hör' ich aus sichrer Quelle, daß in Preßburg eben eine geheime Versammlung von den orthodoxesten Rabbinen der Umgegend gehalten wird. Der Zweck derselben soll die Stärkung des Glaubens sein oder vielmehr die Stärkung ihrer eigenen Interessen. Auch wollten sie berathen, wie man den jungen Rabbinatskandidaten die Prüfungen erschweren soll, vielleicht gar einen Schulchan Arach konstituiren. Am Wahrscheinlichsten ist, daß die Herren von dem im Briefe erwähnten Memorandum Wind bekommen haben und werden jetzt vielleicht Gegenschritte thun wollen. Zur Charakteristik Eines dieser Zeloten, des Rabbi aus Neutra, kann der Welt Folgendes dienen. Diese Hochwürden läßt sich von jedem zu eraminirenden Rabbinatskandidaten einen schrecklichen, ewig unauflöslichen Eid leisten: tDY-nb Nbizs D'afflvfi öi-nrvn yiiöbo sb« tra-o. „Nur in der Sprache der in den Dörfern wohnenden Juden, also im verdorbensteu Jargon die Reden zu halten!" Herr Rabbi! Und wenn man in den Dörfern auch schon besser spricht als ihr euch denkt, und euer Gekausch von der Jugend gar nicht mehr verstanden wird? Was dann? „Dann werden wir die Eidesformel aufstellen: Blvs in der Sprache der Greise,