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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-07-01 · Heft 27 (1.7.1850) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 27 (1.7.1850)
Date
1850-07-01
Page
Seite 371 (sequence 3)
Language
German
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371 läßt, soll unter anderen auch den polnischen Juden die Konzession zur Führung der Gastwirthschast entzogen werden, um dieselben so viel als möglich auf den Landbau anzuweisen. Die polnischen Juden suchen nun so weit sie können, dieser Maßregel dadurch zu entgehen, daß sie heimlich nach Preußen auswandern. Es sind deren bereits sehr viele in den preußischen Grenzdistriktcn angekommen, und vermehrt sich deren Anzahl täglich. Was damit ansangen? —. In nächster Zeit sollen mehrere Anklagen gegen die Neue Preuß. Zeitung wegen Preßvergehcn zur Entscheidung kommen. Darunter eine Klage der Seehandlung, ferner der breslauer Judenschaft, und dann des Staatsanwalts wegen Bezeichnung der neuen gesetzlichen Staatsentwickelungen als „ehr - und pflichtloser Konzessionen von oben" in der letzten Rundschau. AuS der Provinz Pose», 14. Juni. (Privatmitth.) Wir wollen Ihnen heute über eine Gemeinde berichten, von welcher Ihr Blatt schon sehr lange, wol seit einigen Jahren — Nichts mehr mit» getheilt. Lissa ist mit eine von den größten Gemeinden des Großherzogthums und unbedingt diejenige, in welcher die Intelligenz am Stärksten vertreten ist. Schade nur, daß in L. so viel Eitelkeit und so wenig Wohlhabenheit, so viel Jndifferentismus und so wenig Konsequenz vorhanden, sonst hätte diese Gemeinde ohne Zweifel das Muster und die Tonangeberin für alle Gemeinden der Provinz Posen werden können.— Seit einigen Jahren stehen daselbst zwei Parteien einander gegenüber, die eine will vorwärts, die andere stehen bleiben, also zurück. — Trotzdem aber die Fortschrittspartei in der Majorität, so hat sie doch bis jetzt nur äußerst selten gegen die lichtfeindliche Minorität Etwas ausrichten können; denn diese wußte immer mit großer Maulwurfsgeschicklichkeit Alles zu unterwühlen und einstürzen zu machen, was jene aufgebaut, Alles zu besudeln und in den Staub zu ziehen, was jene erhoben und zur Anerkennung gebracht hatte. Bor Kurzem jedoch ist der Partei des Fortschritts ein Sieg geworden, den man ihr gewiß nicht so leicht wird entreißen können, der ihr bleiben wird trotz der reaktionären Bestrebungen von Seiten der Gegner. Es hat eine Schulvorsteherwahl stattgesunden und sind hierbei nur diejenigen , welche die Liberalen als Kandidaten aufgestellt, aus der Wahlurne hervorgegangen. Vorher soll es Agitationen und Umtriebe gegeben haben, als hätte es gegolten, eine Wahl, wie eine in die französische Nationalversammlung durchzusetzen oder zu vereiteln. Die Gewählten sind: 1) Herr Simon Levy (Stadtverordneter), 2) Herr vr. meä. Scherbel, 3) Herr M. Moll (Stadtverordneter), 4) Herr P. Bildhauer und 5) Herr Ed. Tausk. Bon diesen Männern — ganz besonders von den sub 1 und 2 genannten — ist mit Gewißheit zu erwarten, daß sie alles Mögliche thun werden, um die Schule von ihren Mißbräuchen zu reinigen und sie zu einer wahren Bi ldungsanstalt für die Jugend zu erheben. Wahrlich! ein schweres Stück Arbeit; aber sie werden es hoffentlich durchsetzen. Der Herr möge ihnen seinen Beistand verleihn! Das schon seit einer langen Reihe von Jahren baufällig gewesene Bet hamidrasch von Liffa ist endlich eingeriffen worden, um auf dessen Trümmern — ein Schulhaus? nein! — ein Krankenhaus? nein! — ein Waisenhaus? n'ein! — was denn? — nun ein neues Bet hamidrasch erstehen zu lassen. Ein Prozeß, der neulich zwischen dem Landrathsamt des fraustädter Kreises und den HH. S. Levy und vr. Scherbel als Mitgliedern des Repräsentanlenkollegiums der Gemeinde von Liffa beim Kreisgericht daselbst zur Verhandlung gekommen und bei welchem die beiden genannten Herren — als Verklagte — freigesprochen wurden, giebt sehr interessante Aufschlüsse über die Art und Weise, wie die Korporalionsangelegenheiten von L. in vormärzlichen Zeilen geleitet worden, und werden wir nicht ermangeln. Ihnen nächstens hierüber einige Notizen zukommen zu lassen. Für heute genug von Lissa. In Rawicz hat es früher eine Schule mit 6 Lehrern gegeben; in der neuern Zeit sind 3 abgeschafft worden. Die Regierung dringt darauf, daß wieder eine vierte Klaffe eingerichtet und ein vierter Lehrer angestellt werde; allein die Gemeinde verzögert es. Und thun wird sie es doch müssen. — Dasselbe Stück spielt in Gnesen, wo (aber nur wegen beschränkter Räumlichkeit der Lokalitäten) 4 Klassen nicht mehr ausreichcn und die Regierung der Gemeinde aufgegeben, eine fünfte zu organisiren. Die Gemeinde zögert ebenfalls, was zur Folge hat, daß mindestens 50—60 Kinder ganz ohne Unterricht umherlaufen. Vor einigen Monaten hat es durch alle Blätter

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